Schülerin schreibt auf Tablet (Foto: SR)

Digitale Medienausleihe: wie klappt der Wandel im Saarland?

Mit Informationen von Eva Lippold   15.12.2022 | 00:00 Uhr

Die Digitalisierung an den Schulen ist in vollem Gange; bis zum Ende des Schuljahres sollen alle saarländischen Schüler ab Klasse 3 mit einem Tablet ausgestattet sein. Doch wie klappt das Lernen mit dem Tablet? Werden die digitalen Medien das analoge Schulbuch komplett ablösen? Unsere Reporterin Eva Lippold hat die Antworten.

Das Saarland wird quasi als Vorreiter gehandelt, was den Stand der Digitalisierung der Schulen angeht. Ist dieser Ruf gerechtfertigt?

Das Saarland ist im bundesweiten Vergleich ziemlich weit vorne, was die Ausstattung der Schulen mit digitalen Endgeräten angeht. Allerdings herrscht an vielen Schulen Frust, weil die Tablets wenig bis kaum genutzt werden können, was einerseits mit der digitalen Infrastruktur, sprich WLAN und Breitbandanbindung der Schulen, andererseits aber auch mit mangelnden Konzepten für den Einsatz im Unterricht zusammenhängt.

Die Bildungsministerin hatte Anfang des Jahres  angekündigt, dass bis Ende des Jahres alle saarländischen Schulen ans Glasfasernetz angeschlossen sein sollen. Was ist daraus geworden?

Die digitale Infrastruktur fällt nicht in die Verantwortung des Bildungsministeriums, sondern ist Sache der Landkreise bzw. des Bundes. Denn unerlässlich für Tablet-Nutzung im Unterricht ist Breitbandanschluss, und der Anschluss ans Glasfasernetz ist Teil des Digitalpakts, und wenn wir Pech haben, wird der erst 2024 komplett umgesetzt.

Digitale Medienausleihe: Sind die Schulen vorbereitet?
Audio [SR 1, (c) SR 1, 15.12.2022, Länge: 02:06 Min.]
Digitale Medienausleihe: Sind die Schulen vorbereitet?

Auch wenn das saarländische Bildungsministerium hofft, dass Mitte nächsten Jahres alle Schulen über einen Breitbandanschluss verfügen könnten, die Realität an den Schulen sieht leider anders aus: Viele Schulen im Saarland haben überhaupt kein WLAN oder kämpfen mit Problemen beim WLAN, was den Einsatz der Tablets erschwert oder manchmal auch unmöglich macht.

Zudem war geplant, dass ab kommendem Schuljahr, also nach diesem Hybridjahr, die Tablets die Schulbücher komplett ablösen sollen. Wie soll das gehen?

An den Schulen ist man sich ziemlich einig, dass das angesichts der Infrastruktur-Probleme gar nicht möglich sein wird. Hier hoffen alle auf ein wenig mehr Zeit. Allerdings hat durch eine Gesetzesänderung die Digitale Medienausleihe die analogen Schulbücher bereits abgelöst, d.h. die Ausleihe der Tablets wird zur Pflicht. Alle MÜSSEN daran teilnehmen. Für analoge Schulbücher war das ja freiwillig. Inwieweit die Ausleihe dadurch teurer wird, ist noch unklar. Ebenso fehlt bisher ein Konzept, in welchem Verhältnis analog und digital künftig koexistieren sollen.

Laut Bildungsministerium soll es auf jeden Fall auch künftig weiterhin gedruckte Schulbücher geben, insbesondere in der Grundschule, perspektivisch aber in deutlich geringerem Umfang als heute. Die Prämisse der Bildungsministerin lautet dabei: Digitale Medien können überall eingesetzt werden, wo es pädagogisch sinnvoll ist. Was das heißt, bleibt aber weiterhin im Ermessen der Lehrkräfte und Schulen. Die Schüler*innen müssen auch weiterhin beides mitschleppen: Bücher und Tablet.

Wie gestaltet sich der Einsatz der Tablets im Unterricht  - wenn er denn möglich ist?

Da sind sich alle einig: Die Ausstattung der Schulen mit Tablets und Whiteboards war der richtige Schritt. Was man häufig an Schulen hört: es erleichtere die individuelle Förderung, die Kommunikation zwischen Lehrkraft und Schülern bzw. Eltern, biete auch viele kreative Möglichkeiten und mache so den Unterricht spannender, und klar: der Umgang mit digitaler Software wird geübt - fürs spätere Berufsleben unerlässlich.

Aber: Die Unterrichtskonzepte müssen die Schulen selbst entwickeln, denn inwieweit und für welche Inhalte die Geräte im Unterricht eingesetzt werden liegt - Stichwort pädagogische Freiheit - allein in der Verantwortung der Schulen und der Lehrkräfte. Und das bedeutet: Ob und wie die Geräte eingesetzt werden, das steht und fällt mit dem persönlichen Engagement der Lehrer und der Schulleitungen und führt zu sehr unterschiedlichen Realitäten an den Schulen.

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