Hände-Desinfektion  (Foto: dpa)

Hände waschen statt desinfizieren!

  09.09.2019 | 00:00 Uhr

Überall lauern Keime. Wer da auf Nummer sicher gehen will, greift schon mal gerne zu Desinfektionsmitteln. Doch Vorsicht: Die sind unter Umständen sogar schädlich für unsere Haut.

Spätestens bei der nächsten Erkältungswelle werden wir es wieder merken: wie schnell sich Keime verbreiten können. Wir geben anderen die Hand, fassen Türen an, schieben Einkaufswagen - und jedes Mal übertragen sich unter Umständen auch Krankheitserreger mit.

Im Krankenhaus stehen sie daher an allen Eingängen: Spender mit einer Lösung zum Desinifizieren der Hände. Schließlich sollen keine Keime ins Haus getragen werden. Auch in Unternehmen oder Behörden mit Publikumsverkehr werden Mitarbeiter und Besucher durch solch eine einfache Hygienemaßnahme viel weniger krank.

Wäre es daher nicht angebracht, wenn auch Kitas und Schulen, Ämter und öffentliche Gebäude, Züge und Einkaufszentren mit diesen Spendern ausgestattet werden?

Wären Spender mit Desinfektionslösung in öffentlichen Bereichen sinnvoll?
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Wären Spender mit Desinfektionslösung in öffentlichen Bereichen sinnvoll?
Wir haben bei Euch nachfragt.

Desinfektionsmittel können auch schaden

In Zeiten kursierender Noro-Viren können Desinfektionsmittel sinnvoll sein, erklärt Dr. Florian Schumacher von den SHG Kliniken Sonnenberg in Saarbrücken. In 'normalen' Zeiten sind sie aber eigentlich überflüssig und bringen nur den Herstellern etwas ein.

"Besser ist: Hände waschen!"
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"Besser ist: Hände waschen!"
Dr. Florian Schumacher

Wer sie zu häufig benutzt, kann damit sogar seiner Haut schaden. Die besitzt nämlich eine Schutzschicht, die dann das Desinfektionsmittel abgetragen wird. Als Folge können die eigenen Bakterien die gefährlichen Bakterien nicht mehr bekämpfen. Die Bakterien sind eigentlich auch weniger das Problem, so Dr. Schumacher, sondern eher gewisse Darmviren. Und gegen die wirken die frei verkäuflichen Desinfektionsmittel eigentlich nicht so gut.

Vorsicht ist auch in der kalten Jahreszeit angebracht. Denn dann wird die Haut zudem trocken und rissig. Durch scharfe Desinfektionsmittel können sich dann sogar Eintrittspforten für gefährliche Bakterien bilden, so Dr. Schumacher. Dann schaden die Mittel also mehr als sie nutzen.

Händedesinfektion (Foto: Pixabay/Kreuz_und_Quer)

Übrigens: Bakterien überleben auf Plastik-Oberflächen länger als auf Metallflächen; Metall wirkt quasi wie ein lokales Antibiotikum, sagt Dr. Schumacher. Das bedeutet, die Türklinke ist weniger problematisch als zum Beispiel der Lichtschalter - oder auch der Einkaufswagen. Da man nicht weiß, wer den zuletzt angefasst hat, kann ein Händedesinfektionsmittel in diesem Fall sinnvoll sein, wenn zum Beispiel ein Magen-Darm-Virus umgeht.

Händewaschen genügt

Händewaschen (Foto: Pixabay / jackmac34)


Viel besser ist es, sich mehrmals am Tag die Hände zu waschen, wie es die Deutsche Hygienegesellschaft empfiehlt, mindestens dreißig Sekunden lang, und den Daumen dabei nicht vergessen! Vor allem in der Erkältungszeit sollte man diesen Rat besonders beherzigen.

Empfehlenswert ist es dabei, eine rückfettende Seife zu benutzen. Denn durch das Waschen, und erst recht durch das Desinfizieren, werden die natürlichen Fettschichten auf den Händen abgetragen. Eine rückfettende Seife baut diesen Schutz dann wieder auf.


Auch Thema auf SR 1 am 09.09.2019 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.