Ein Schild mit der Aufschrift „Zu Ihrem Schutz ist dieser Tisch gesperrt“ (Foto: picture alliance/Marijan Murat/dpa)

Gastronomiebetriebe bangen um Existenz

  09.09.2020 | 06:53 Uhr

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA hat vor dramatischen Auswirkungen der Corona-Krise gewarnt. Nach einer bundesweiten Umfrage rechnen Gastwirte mit Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent. Rund 60 Prozent der Betriebe bangen um ihre Existenz. Im Saarland ist die Lage ähnlich, teilweise sogar noch dramatischer.

Die Corona-Pandemie hat das Gastgewerbe in seine größte Krise der Nachkriegszeit gestürzt. Nach der Corona-Zwischenbilanz des DEHOGA Bundesverbandes ist das Gastgewerbe weiterhin in großer Not. Rund 60 Prozent der Betriebe bangen um ihre Existenz. Im Saarland ist die Lage sogar noch dramatischer: "Fast 70 Prozent der Befragten sehen ihren Betrieb akut gefährdet", sagt Frank Hohrath, Geschäftsführer der DEHOGA Saarland.

Hilfen reichen nicht aus

Frank Hohrath im SR 1 Interview
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Frank Hohrath im SR 1 Interview

Die Überbrückungshilfen des Bundes wurden zwar bis Ende des Jahres verlängert, bedürfen nach Hohrath jedoch vor allem einer innerlichen Überprüfung. So seien von den 25 Milliarden Euro, die der Bund bereitgestellt hat, lediglich 250 Millionen Euro abgerufen worden. "Das zeigt, dass das nicht funktioniert. Viele Betriebe sind nicht antragsberechtigt, weil die Hürde zu groß war. Viele dieser Hilfen sind nicht ziel- und passgenau für unser Gewerbe, und da müssen wir dringend nachbessern", so Hohrath.

Mehrwertsteuersenkung sollte beibehalten werden

Eine der Hauptforderungen der DEHOGA ist, dass die Senkung der Mehrwertsteuer beibehalten wird. Denn die wirtschaftlichen Folgen der Krise werden nicht pünktlich am 31.12.202 oder 30.06.2021 vorbei sein. "Im Gegenteil, dann wird es erst für viele Betriebe möglich sein, wieder annähernd normale Umsätze zu machen, und genau dann brauchen die Betriebe den ermäßigten Mehrwertsteuersatz, um wieder zu Blut zu kommen", sagt Frank Hohrath. Zu den katastrophalen Umsatzeinbußen komme hinzu, dass neben den Hilfen auch Kredite vergeben wurden, die ja zurückgezahlt werden müssen, auch gestundete Mieten belasten viele noch. Weitere Hilfen für die Branche scheinen daher unbedingt notwendig.

Übergangslösungen finden

Übergangslösungen für Gastromonie finden
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Übergangslösungen für Gastromonie finden

Wichtig ist jetzt, die Gastwirte zu unterstützen, damit sie den kommenden Winter überstehen. Könnten Heizpilze draußen mehr Gäste anlocken? In Saarbrücken und vielen anderen Gemeinden sind diese Wärmespender allerdings verboten. Denn wenn ein Wirt einen Winter lang die Gas-Heizpilze aufstellt, bläst er so viel CO2 in die Luft wie ein Mittelklassewagen in einem Jahr.

Doch angesichts der kritischen Lage in der Gastronomie hat die SPD Fraktion im Saarbrücker Stadtrat gefordert, das Heizpilz-Verbot auszusetzen und die Wirte noch mit weiteren Maßnahmen zu entlasten. Auch Frank Hohrath von der DEHOGA spricht sich dafür aus, nach solchen Übergangslösungen zu suchen. Er plädiert dafür, dass jetzt "in den Gemeinden großzügig über Gestaltungssatzungen hinweg gesehen wird bzw. Ausnahmemöglichkeiten genutzt werden."


Auch Thema auf SR 1 am 08.09.2020 in der Sendung 'Hallo Saarland' und am 09.09.2020 bei 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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