Frau mit Maske schaut nachdenklich nach oben (Foto: pixabay/EnginAkyrat)

Hilfe für Corona-Patienten mit Spätfolgen

  23.04.2021 | 15:30 Uhr

Zahlreiche Patienten, die eine Corona-Erkrankung überstanden haben, leiden dennoch weiterhin unter Folgebeschwerden. Für sie wurde am Uniklinikum Homburg eine 'Post-Covid-19-Sprechstunde' eingerichtet.

Long Covid heißt die Erkrankung mancher Corona-Infizierten, die zum Teil Wochen oder Monate später noch unter der Infektion leiden. Bei etwa einem Viertel aller Corona-Patienten kann es vorkommen, dass sie auch nach einer überstandenen Erkrankung weiter über Beschwerden klagen, sagt Prof. Robert Bals vom Uniklinikum des Saarlandes. Das können dabei durchaus auch Patienten mit leichten Verläufen sein.

Prof. Dr. Dr. Robert Bals (Foto: SR 1 / Carl Rolshoven)

Für diese besondere Gruppe von Patienten hat Prof. Bals in Homburg die 'Post-Covid-19-Sprechstunde' eingerichtet. Die Betroffenen leiden dabei beispielsweise unter Luftnot, wenn sie sich körperlich anstrengen müssen, oder Husten, sie klagen über Schwindel, Konzentrationsprobleme, manche auch über Herzrhythmusstörungen oder chronische Müdigkeit. Auch der Geruchssinn ist oft gestört und verbessert sich nur langsam. Ziel ist es, den Patienten die bestmögliche Nachsorge zukommen zu lassen. Und noch mehr über die Krankheit zu erfahren.

Zwar gibt es noch keine spezifischen Therapien für die einzelnen Folgeschäden, dennoch sind Reha-Maßnahmen hilfreich, um die Betroffenen sowohl physisch als auch psychisch wieder auf die Beine zu bringen, erklärt Prof. Bals.

Sprechstunde für Long Covid-Patienten
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Sprechstunde für Long Covid-Patienten
Seit neun Monaten bietet Prof. Robert Bals an der Uniklinik in Homburg eine sogenannte Long-Covid-Sprechstunde an. SR 1-Reporter Johann Kunz hat sich mit ihm unterhalten.

Da das Beschwerdebild sehr vielfältig ist, ist es wichtig, den Betroffenen ganz individuell zu helfen. Zum Beispiel mit dem Rat, viel an die frische Luft zu gehen oder auch, wieder Sport zu treiben, denn das ist ein wichtiger Anreiz für die Lunge, so Prof. Bals. Anderen hilft es, mit entsprechenden Übungen ihre Hirnleistungsfähigkeit zu trainieren. Mit einer so auf sie zugeschnittenen Therapie geht es den meisten schon bald wieder besser.

Wer also eine Corona-Infektion überstanden hat, aber trotzdem weiterhin noch unter Beschwerden leidet, kann sich - nach Möglichkeit mit einer Überweisung vom Haus- oder Facharzt - an die Post-Covid-19-Sprechstunde wenden und einen Termin vereinbaren:

telefonisch unter 0 68 41 / 16 - 2 36 33 oder
per E-Mail an corsaar @uks.eu

Die Termine sind sehr begehrt und schon weit im Voraus ausgebucht.

Ein Infektionsnachweis ist notwendig, die Infektion muss ausgeheilt sein. Das Angebot richtet sich jedoch nicht an noch infektiöse Patienten. Menschen mit starken Krankheitsbeschwerden, einer akut nachgewiesenen Infektion bzw. dem Verdacht auf eine Infektion sollten sich direkt an ihren Haus- oder Facharzt wenden.

Beispiel Familie Bernardi

Mama Claudia, Papa Thomas und die beiden Töchter Laura und Hannah - bei Familie Bernardi aus St. Ingbert haben sich alle mit Corona infiziert. Das ist jetzt fünf Monate her. Thomas musste sogar ins Krankenhaus. Für die Familie keine einfache Sache: Denn alle haben immer noch mit Long-Covid-Problemen zu kämpfen.

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SR 1 Reporter Frank Falkenauer hat Familie Bernardi besucht.

Claudia brauchte Wochen, um wieder auf die Beine zu kommen, und ist immer noch nicht fit: Sie ist schnell erschöpft und müde. Und es gibt immer wieder Tage, an denen sie gar nicht belastbar ist und viel schläft. Thomas geht es besser; er kämpft vor allem mit Konzentrationsproblemen, so wie auch Tochter Laura, der das Gedächtnis immer wieder einen Streich spielt.

Beispiel Anna van Nooy

Viele Corona-Patienten kämpfen auch Monate nach ihrer Erkrankung noch mit Spätfolgen. Auch Anna van Nooy. Sie hatte gar keine Symptome und ihre Corona-Infektion gar nicht bemerkt. Erst mit der Zeit ging es ihr schlechter. Sie kam schnell außer Atem, konnte sich nicht mehr gut konzentrieren, und war nicht mehr so leistungsfähig wie bisher.

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SR 1 Reporter Lukas Waschbüsch hat Anna van Nooy besucht.

Seit gut neun Monaten ist Anna schon in der Covid19-Sprechstunde bei Prof. Bals in Behandlung. Und trotz Rückschritten, die sie immer wieder verkraften muss, bessert sich ihr Zustand doch von Woche zu Woche, wenn auch nur in kleinen Schritten.

Beispiel Bianca Hülser

Bei Bianca Hülser aus Homburg hat die Covid19-Erkrankung so begonnen wie bei vielen anderen auch: mit Gliederschmerzen, Geschmacksverlust, Grippe-Symptomen, Druck auf der Brust. Als die Erkrankung dann eigentlich überstanden war, haben sich Spätfolgen gezeigt: Phasen mit Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, auch eine extreme Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Geruchsprobleme. Etwa ein Jahr lang hatte sie mit den Folgen der Coronainfektion zu kämpfen und glaubte schon, ihr Leben lang damit leben zu müssen. Doch dann trat plötzlich eine Besserung ein: Seit sie mit AstraZeneca geimpft wurde, hat sie keine Symptome mehr. "Ich würde jetzt zum ersten Mal sagen, dass ich mich gesund fühle."

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Der Virologe Dr. Jürgen Rissland hält einen Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Abklingen der Langzeitfolgen durchaus für möglich. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine kleine Studie aus Großbritannien. Die hat ergeben: Durch die Impfung sind die Beschwerden nicht schlimmer geworden und es kann sogar zu einer Besserung kommen. Das macht vielen Betroffenen Hoffnung.

Beispiel Susanne Faßbender

Schon bei der ersten Welle hat sich Susanne Faßbender aus Rohrbach mit Corona infiziert: "Ich war noch nie so krank!" sagt sie. Doch ganz gesund ist sie heute auch immer noch nicht. Lange Zeit litt sie schon bei der kleinsten Anstrengung unter Luftnot; das ist inzwischen besser geworden. Dafür plagten sie auf einmal Gedächtnislücken: Namen von ihr nahestehenden Personen oder ganz selbstverständliche Begriffe fielen ihr nicht mehr ein. Auch das ist wieder besser geworden. Geblieben ist das Panikgefühl, wenn sie mit mehreren Personen in einem Raum ist: "Da werde ich noch an mir arbeiten müssen."

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Hilfe für Betroffene:

  • Online-Selbsthilfegruppe 'Corona'

alle 14 Tage montags 14 Uhr
bietet sie akut Erkrankten, Personen mit Langzeitfolgen, Menschen in Quarantäne wie auch Angehörigen von Corona-Erkrankten einen Raum für den gemeinsamen Austausch
Anmeldung unter www.selbsthilfe-saar.de

  • KISS Talk! mit Dr. med. Christian Lensch

online am 29. April um 15.30 Uhr
zum Thema 'COVID 19 - und danach?!'
Die KISS - Kontakt und Informationsstelle für Selbsthilfe im Saarland hat als Experten Dr. med. Christian Lensch eingeladen, den Oberarzt der Uniklinik Homburg und Ärztlicher Leiter der Covid-19 Nachsorge Ambulanz. Bei diesem Talk geht es um einen Erfahrungsaustausch, um Informationen und Unterstützungsmöglichkeiten. 
Infos und Anmeldung unter www.selbsthilfe-saar.de/kiss-talk


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Auch Thema auf SR 1 vom 19. bis 23.04.2021 in der Sendung 'Hallo Saarland'.

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