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Zahlen steigen trotz Lockdown weiter an

  04.02.2021 | 17:50 Uhr

Seit Wochen leben wir im Lockdown, um die Corona-Infektionszahlen zu senken. Trotzdem gehen sie im Saarland nicht zurück. Wie kann das sein?

Fast alle Geschäfte sind zu, auch Fitnessstudios und Friseure haben geschlossen, die Kinder lernen zuhause im Homeschooling - viele Maßnahmen sollen die Corona-Infektionszahlen verringern. Trotzdem sinkt im Saarland der Inzidenzwert nicht. Die Zahlen steigen sogar wieder leicht an.

Erklärungsversuche

Virologe Dr. Jürgen Rissland von der Uniklinik in Homburg vermutet, dass manche die Regeln langsam schleifen lassen.
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Virologe Dr. Jürgen Rissland von der Uniklinik in Homburg vermutet, dass manche die Regeln langsam schleifen lassen.

Liegt es daran, dass viele Corona- und Lockdown-müde sind und sich nicht mehr streng an die Schutzmaßnahmen halten? Der Virologe Dr. Jürgen Rissland von der Universität des Saarlandes hält dies für eine Möglichkeit, mit der man die Werte im Saarland erklären könnte. Zudem sind wir Grenzland und manche Saarländer nutzen die Möglichkeit, zum Beispiel zum Friseurbesuch nach Luxemburg zu fahren. Solche Kontakte können auch zu Neuinfektionen führen.

Die größte Abweichung zur Entwicklung im Bund gibt es bei den Fünf- bis Neunjährigen: Hier ist die Inzidenz fast doppelt so hoch wie im Bundesschnitt. Die Kinder tragen dann möglicherweise das Virus weiter in ihre Familien. Auch das könnte eine Möglichkeit sein, so Rissland.

Nach den Infektionsquellen suchen

Prof. Dr. Thorsten Lehr von der Uni Saar hat mit seinem Team einen Pandemie-Simulator entwickelt und berechnet, wie sich die Zahlen entwickeln könnten. Doch auch er hat für die derzeitige Lage keine explizite Erklärung. Es gebe, so Lehr, derzeit keine spezielle Entwicklung in einer bestimmten Gruppe, die sich besonders stark infizieren würde. Auch sei kein besonderes Ausbruchsgeschehen bekannt, das diese Entwicklung erklären könnte.

Steigende Infektionszahlen trotz Lockdown
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Steigende Infektionszahlen trotz Lockdown
Um weitere zielgerichtete Maßnahmen ergreifen zu können, müsste man genauer wissen, wo die Neuansteckungen stattfinden, erklärt Prof. Thorsten Lehr.

Mutationen könnten das Infektionsgeschehen anheizen. Im Saarland wurden bisher 25 Corona-Mutationen festgestellt. Doch auch die haben wohl derzeit noch keinen Einfluss auf die aktuellen Infektionszahlen, meint Thorsten Lehr: „Aktuell wissen wir noch nicht genau was der Nenner von diesen 25 Infektionen ist, das heißt also wie viel Prozent wirklich infiziert sind. Aber ich gehe momentan davon aus, dass es unter 5 Prozent sind und dementsprechend sollten sie noch keinen Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben. Das würden wir erst erwarten, wenn etwa 20 bis 25 Prozent infiziert sind. Dann würde allerdings auch die Steigerung relativ schnell gehen, dann würden wir erwarten dass innerhalb von vier Wochen aus den 25 Prozent auch bis zu 90 Prozent werden können.“

Lehr appelliert daher an die Bürger, die Kontakte weiterhin soweit wie möglich einzuschränken. Der anvisierte Inzidenzwert von 50 sei, so Lehr, aber immer noch viel zu hoch, um Lockerungen zu vertreten. Erst bei einem Wert unter 20 könne man einzelne Infektionen wieder besser nachvollziehen und dann auch klären, wo diese Infektion stattgefunden hat. "Das ist nämlich momentan überhaupt nicht möglich."

Um auf niedrigere Inzidenzwerte zu kommen, wären noch weitere Maßnahmen möglich wie Ausgangsbeschränkungen und noch mehr Homeoffice. Wichtig sei aber auch eine verstärkte Suche nach den Infektionsquellen. Denn nur wenn man die Quelle kennt, lassen sich zielgerichtete Maßnahmen ergreifen, so Lehr.


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Auch Thema auf SR 1 am 03.02.2021 in der Sendung 'Stand der Dinge' sowie am 04.02.2021 in der Sendung 'Dein Morgen im Saarland'..

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