AstraZeneca-Impfung (Foto: SR)

Arztpraxen fehlt es an Impfstoff-Nachschub

  22.04.2021 | 09:21 Uhr

Seit April können auch Ärzte in ihren Praxen gegen Corona impfen. Das ermöglicht vielen Patienten einen schnelleren Impftermin als durch die Priorisierungslisten der Impfzentren. Es könnten durchaus noch mehr Impfungen sein. Doch es fehlt in den Praxen an Impfstoff-Nachschub. Zudem ist oft der Beratungsaufwand hoch.

In rund 900 Arztpraxen im Saarland wird seit Anfang April gegen Corona geimpft. Rund 4000 Impfungen sind es pro Tag. Das entlastet die Impfzentren und macht viele Bürger glücklich, die auf diese Weise früher ihre Impfung erhalten können.

Zu wenig Impfstoff

Ärztin: "Es gibt keinen guten und schlechten Impfstoff!"
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Ärztin: "Es gibt keinen guten und schlechten Impfstoff!"

Nach Aussage der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) könnten es sogar noch viele Impfungen mehr sein: "Zehn- bis Fünfzehntausend wären ohne weiteres möglich pro Tag", erklärt deren Impfkoordinator Dr. Joachim Meiser. Dazu müsste beispielsweise jeder der Ärzte nur zehn Impfungen mehr pro Tag vornehmen.

Allerdings fehlt den Praxen derzeit der dazu notwendige Impfstoff-Nachschub. Von angekündigten 12000 Dosen Impfstoff von BioNTech und AstraZeneca wurde in dieser Woche nur 9000 geliefert, und ob die für die kommende Woche angekündigten 25000 Impfdosen eintreffen werden, kann niemand mit Sicherheit sagen.

Es gibt keinen guten und keinen schlechten Impfstoff, nur einen geeigneten oder ungeeigneten

Für die Arztpraxen bringt das alles einen hohen Arbeitsaufwand mit sich. Denn immer steht die Frage im Raum: Welcher Impfstoff kommt? Und wer kann damit geimpft werden? Wenn das klar ist, dann heißt es auch noch abends und am Wochenende Patienten anrufen und einbestellen, erklärt Frank Krämer. Als einer der ersten Ärzte hat er in seiner Praxis in Saarbrücken gegen Corona geimpft.

Und auch Gabriella de Rosa weiß am Abend, was sie tagsüber getan hat. Sie ist Arzthelferin in einer Hals-Nasen-Ohrenarzt-Praxis in Saarbrücken und arbeitet derzeit doppelt so viel wie normal, sagt sie: "Das zehrt schon an den Kräften."

Nicht nur Impfen, Testen und die ganze Planung fordern dabei von allen vollen Einsatz, auch der Beratungsaufwand ist hoch. Nach Möglichkeit soll jeder mit dem Stoff geimpft werden, den er möchte. Viele Patienten kommen allerdings in die Praxis mit dem Wunsch: Ich möchte aber den guten Impfstoff! Denen erklärt Gabriella de Rosa dann, dass es keinen guten und keinen schlechten Impfstoff gibt, sondern nur einen geeigneten und einen ungeeigneten.

Hoher Beratungsaufwand

Die Skepsis ist gegenüber dem Impfstoff von AstraZeneca besonders hoch, berichten die niedergelassenen Ärzte der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), da es in Einzelfällen zu Hirnvenen-Thrombosen gekommen ist. Dadurch ist der Beratungsaufwand bei solchen Impfungen etwa doppelt bis dreimal so hoch, erklärt Dr. Joachim Meiser, der Impfkoordinator der KV. Daher fordert die KV von der Ständigen Impfkommission wie auch von der Bundesregierung endlich eine Klarstellung, "damit dieser wertvolle Impfstoff auch wirklich eingesetzt werden kann." Derzeit werden die Dosen von AstraZeneca auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission nur an über 60-Jährige verimpft, dabei entscheiden die Ärzte in jedem Einzelfall, ob der Impfstoff für den jeweiligen Patienten auch wirklich geeignet ist.

"Aber letztendlich ist es egal, mit was man sich impft", erklärt Gabriella de Rosa, "Hauptsache, man lässt sich impfen!" Um die Pandemie einzudämmen, und damit wir irgendwann wieder normal leben können.

kvsaarland.de
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Auch Thema auf SR 1 am 22.04.2021 in der Sendung 'Dein Morgen im Saarland.'

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