Flugreise (Foto: dpa)

Auslandsurlaub in Corona-Zeiten

  19.06.2020 | 09:12 Uhr

Die Bundesregierung hat die weltweite Reisewarnung für viele europäische Länder am 15. Juni aufgehoben. Jetzt kann man also wieder einen Sommerurlaub außerhalb Deutschlands planen. Doch was sollte man dabei beachten?

Wir haben mit dem Experten Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gesprochen:

Welche Risiken gehe ich ein, wenn ich außerhalb Deutschlands Urlaub mache?

Sommerurlaub-Check: Was geht und was nicht?
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Sommerurlaub-Check: Was geht und was nicht?

Prinzipiell darf man sicherlich davon ausgehen, dass die üblichen Hygiene- und Sicherheitsstandards auch durch die Reiseanbieter und Fluggesellschaften zum Schutz der Reisenden eingehalten werden. Das größte Problem wird aber sicherlich die medizinische Versorgung im Ausland allgemein sein. Deutschland hat ein sehr gut aufgestelltes Gesundheitssystem. In vielen Ländern ist dagegen die medizinische Versorgung nicht so gut wie in Deutschland ist. Das wird der kritischste Punkt überhaupt bei Auslandsreisen sein, meint Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Insofern ist es vor allem wichtig, für den entsprechenden Auslandskrankenschutz vorab zu sorgen, der dann notfalls auch einen Krankenrücktransport beinhaltet. Dabei sollte man unbedingt auf die allgemeinen Bedingungen der Versicherung achten. Denn teilweise gibt es Versicherungen, die eine sogenannte Pandemie-Ausschlussklausel enthalten oder eine Corona-Ausschlussklausel. Das würde dann nicht helfen, wenn man selbst im Urlaub an Corona erkrankt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass solche Krankenhausaufenthalte im Ausland sehr schnell sehr teuer werden können und auch mal sechsstellige Beträge erreichen. Und insofern ist es wichtig, diesbezüglich vorzusorgen.

Was ist, wenn an meinem Urlaubsort Corona ausbricht?

Hier muss man unterscheiden, inwiefern dieser neue Corona-Ausbruch dann tatsächlich auch meine Reise beeinträchtigt. Entsteht plötzlich einen Hotspot und bricht der Reiseanbieter aus Sicherheitsgründen die Reise vorzeitig ab, so bekommt natürlich der Urlauber für die nicht genommenen Urlaubsleistungen eine Rückerstattung. Und wenn der Anbieter die Reise abbricht, dann muss er auch für den Rücktransport sorgen, der dann nicht extra berechnet werden darf.

Etwas anders sieht es aus, wenn ich als Reisender die Reise vorzeitig abbreche. Dann bekomme ich zwar auch Leistungen zurückerstattet, beim Rücktransport hängt es dann aber davon ab, was vorab vereinbart wurde, ob der Anbieter aufkommen würde.

Was passiert, wenn es Corona-Fälle in meinem Hotel gibt?

Wenn Corona-Fälle in einem Hotel auftreten, muss man auch hier sehen, inwiefern dies tatsächlich mit Einschränkungen verbunden ist. Wenn erkrankte Reisende direkt ins Krankenhaus kommen und mit dem Hotel und dem Urlaub an sich nichts mehr zu tun haben, sind die Reiseversicherer vielleicht nicht beeinträchtigt. Insofern muss man dann genau jeden Fall und die individuelle Situation vor Ort betrachten, ob dann tatsächlich flächendeckend alle unter Generalverdacht oder Quarantäne gestellt werden und der Urlaub im Endeffekt sinnlos wird.

Was mache ich, wenn ein anderes Hotel zur Verfügung gestellt wird, da das ursprünglich gebuchte Hotel ausgelastet ist?

Weil das ursprünglich gebuchte Hotel aufgrund der Hygiene- und Schutzkonzepte ausgelastet ist, kann es sein, dass der Reiseveranstalter für den Urlauber ein anderes Hotel gebucht hat. Handelt es sich dabei um ein vergleichbares, gleichwertiges Hotel ist diese Änderung eher unerheblich.

Damit der Reiseveranstalter einseitig entscheiden kann, ob man den Urlaub in einem anderen Hotel verbringt, müssen jedoch zwei Voraussetzungen gegeben sein: Eine solche Möglichkeit der Umbuchung muss im Vertrag geregelt sein und der Reiseveranstalter muss den Urlauber rechtzeitig vor Reisebeginn über diese Änderung informieren.

Bietet der Reiseveranstalter ein Hotel in einer niedrigeren Kategorie oder an einem anderen Ort an, kann man vor Reisebeginn vom Vertrag zurücktreten. Dann muss der Reiseveranstalter den Reisepreis zurückerstatten.

Verlangt der Reiseveranstalter für das andere Hotel einen Aufpreis, kann man ebenfalls kostenfrei vom Vertrag zurücktreten. Mehrkosten für den Aufenthalt muss man nicht akzeptieren.

Sind Reisen in Länder außerhalb der EU möglich?

Bei Reisen in Länder außerhalb der EU kann man natürlich auch trotz Bestehens einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes hinfahren. Diese Reisewarnung ist letztlich kein generelles Verbot zu reisen, sondern nur ein verschärfter Hinweis, dass hier besondere Gefahrenlagen vor Ort zu erwarten sind. Insofern muss man dann schauen, wie die einzelnen Bedingungen des jeweiligen Ziellandes sind. Bestehen zum Beispiel Einreiseverbote oder aber starke Einschränkungen wie eine Quarantänepflicht bei der Einreise oder auch bei der Rückkehr, so ist natürlich ein Reisen nur schwerlich möglich. Generell sollte man auch gut überlegen, inwiefern Einschränkungen vor Ort wie die Schließung von Sehenswürdigkeiten, Restaurants, abgesperrte Strände oder permanentes Masketragen einen Urlaub überhaupt noch sinnvoll machen.

Was passiert, wenn ich die Reise wegen eines Corona-Falls bei mir oder in meinem Umfeld nicht antreten kann?

Das Nichtantreten einer Reise aus Krankheitsgründen fällt hier in den persönlichen Verantwortungsbereich eines jeden selbst. Und hierfür kann der Reiseveranstalter oder auch die Airline ja nichts. Ob man nun jetzt den gesamten Reisepreis erstattet bekommt, hängt letztlich davon ab, ob man zuvor eine sogenannte Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen hat.

Und eine Reiserücktrittsversicherung zahlt immer dann, wenn man man selbst krank wird, ein naher Angehöriger verstirbt oder aber man vielleicht wegen Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit finanzielle Einbußen erleidet. Dann kann man diese Versicherung in Anspruch nehmen.

Aber auch bei dieser Art der Versicherung muss man genau hinschauen, ob tatsächlich auch wegen Corona gezahlt wird. Das hängt sehr stark vom Versicherer ab. Denn einige Versicherungsverträge enthalten Ausschlussklauseln für Pandemien bzw. schließen explizit Corona aus. Corona wurde von der Weltgesundheitsorganisation als Pandemie eingestuft. Das bedeutet, dass die Reiserücktrittversicherung nicht zahlt, wenn man an Corona erkrankt und der Versicherungsvertrag eine solche Ausschlussklausel enthält.

Wichtig: Diese Klausel muss schon bei Abschluss der Reiserücktrittsversicherung im Versicherungsvertrag stehen. Nachträglich dürfen die Versicherer solche Klauseln nicht einfügen.

Gleiches gilt im übrigen bei Reiseabbruchversicherungen. Diese greifen grundsätzlich dann ein, wenn eine Erkrankung im Urlaub eintritt. Falls die Versicherungsbedingungen aber eine Pandemieklausel enthalten, kann man die Kosten für den Reiseabbruch nicht geltend machen.

Greift die Auslandskrankenversicherung, wenn man im Urlaub an Corona erkrankt?

Falls man während der Reise an Corona erkrankt und eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen hat, übernimmt diese grundsätzlich auch die entstehenden Behandlungskosten. Manche Versicherer haben jedoch einen Ausschluss bei Pandemien.

Manche Versicherer schließen die Leistung aus, wenn es eine Reisewarnung gibt. Da man bei Vorliegen einer Reisewarnung in aller Regel eine Reise kostenlos stornieren kann, sollte es wohl überlegt sein, ob man trotz einer Reisewarnung die Reise dennoch antreten möchte.

Ein Blick in die Vertragsunterlagen und AGB des jeweiligen Versicherers lohnt sich auf jeden Fall. Denn es gibt verschiedene Abstufungen: Versicherungen, die zum Teil vielleicht erst mal nur eine örtliche Versorgung beinhalten, teilweise ist ein Rücktransport mitversichert; dann muss man darauf achten, bis zu welcher Höhe, ob man nur alleine zurückreisen kann oder gegebenenfalls auch Familienangehörige mitnehmen darf.


Weitere Informationen


WELCHE URLAUBSZIELE SIND GEFRAGT?

Die Deutschen zieht es momentan weniger nach Ägypten oder in die Türkei. Sie bevorzugen den Schengen-Raum wie Kroatien oder Mallorca. Oder bleiben diesmal in Deutschland, verrät Ilona Thomae vom Reisebüro Sonnenklar. Dann wollen sie aber gerne ans Meer, also an die Nordsee oder Ostsee.

Sommerurlaub trotz Corona: Infos aus dem Reisebüro
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Sommerurlaub trotz Corona: Infos aus dem Reisebüro

WANN BUCHEN?

Problematisch ist natürlich, dass man nicht weiß, wie sich die Corona-Lage weiter entwicken wird. Flugreisen sollte man daher besser kurzfristig buchen, empfiehlt Ilona Thomae. Ziele innerhalb Deutschlands sollte man dagegen besser früher als später buchen, da die Hauptferien- und Reisezeit bald bevorsteht und Hotels ja auch nicht die volle Kapazität anbieten dürfen.

AUF REISEWARNUNGEN ACHTEN

Eine gewisse Unsicherheit bleibt dennoch. Deswegen bieten viele Reiseveranstalter kostenlose Stornierungen bis kurz vor der Reise an.

Wer schon gebucht hat, sollte sich in jedem Fall regelmäßig über die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes informieren, da sich die Lage täglich ändern kann, rät Thomae.


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Auch Thema auf SR 1 am 19.06.2020 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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