Schule in Frankreich (Foto: SR)

Frankreichs Corona-Strategie

  07.01.2021 | 15:50 Uhr

Anders als in Deutschland hat Frankreich nach den Weihnachtsferien die Schulen und Kitas geöffnet. Denn die haben sich dort bisher nicht als Pandemie-Treiber gezeigt. Der Impfbeginn dagegen ist bei unseren Nachbarn eher schleppend angelaufen.

Schleppender Impfstart

Nach Weihnachten haben in Deutschland die Impfungen gegen Covid19 begonnen. Bislang haben schon mehr als 300.000 Personen die erste Impfdosis erhalten. In Frankreich dagegen hinkt man solchen Zahlen noch weit hinterher, berichtet unser Frankreich-Korrespondent Marcel Wagner. Zwar will man auch hier die Bürger so schnell wie möglich impfen, dennoch läuft die Sache nur langsam an, was die Opposition massiv kritisiert. Bisher sind nur 5000 Franzosen geimpft worden, obwohl jede Woche 500.000 neue Impfdosen geliefert werden.

Video [aktueller bericht, 04.01.2021, Länge: 3:44 Min.]
Kritik an französischer Impfstrategie

Gesundheitsminister Olivier Véran führt die Impf-Verspätung darauf zurück, dass sich die Regierung strikt an die Vorschläge der obersten Gesundheitsbehörde halte. Die besagen, dass zuerst die Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen geimpft werden sollen. Da man dies in den Einrichtungen vor Ort machen will, hat das bürokratische und logistische Hürden verursacht. Daher waren die Impfzahlen zunächst sehr niedrig. Das soll jetzt besser werden.

Zukünftig soll es auch möglich sein sich per Internet, Telefon oder Covid-App zu melden, wenn man einen Termin haben möchte. Allerdings sagen nur 38 Prozent der Franzosen klar ja zur Impfung, 54 Prozent lehnen sie ab und 17 Prozent haben sich noch nicht entscheiden.

Inzwischen wurden 25 Impfzentren im Land eingerichtet. Bald sollen es mehrere Hundert sein. So soll der Kreis der Impfkandidaten schnell ausgeweitet werden zum Beispiel auf Angehörige mobiler Pflegedienste, die Kontakt zu älteren Menschen haben, und auch auf ältere Menschen insgesamt.

In Frankreich bleiben die Schulen geöffnet
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In Frankreich bleiben die Schulen geöffnet
berichtet unser Frankreich-Korrespondent Marcel Wagner.

Frankreichs Schulen und Kitas bleiben geöffnet

Nach den Weihnachtsferien haben alle Schulen und Kitas in Frankreich wieder geöffnet, so die Anordnung von Bildungsminister Jean-Michel Blanquer nach Abwägung der Lage. "Die Schüler haben einen gewaltigen Nutzen, wenn sie zur Schule gehen," so der Minister. Zahlreiche Lehrer haben berichtet, dass durch das Homeschooling im Frühjahr viele Schüler den Anschluss verloren hätten. Hinzu komme, dass eine Schließung der Schulen zur Folge habe, dass viele Eltern nicht arbeiten könnten. Das wäre nicht gut für die Wirtschaft. Die Erfahrung habe demgegenüber gezeigt, dass beim Lockdown im November die Fallzahlen gesunken sind, obwohl Schulen und Kitas geöffnet waren. Daher will man vorerst bei diesem Konzept bleiben.


Auch Thema auf SR 1 am 05.01.2021 in den Sendungen 'Hallo Saarland' und 'Stand der Dinge'.

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