Geschlossenes Reisebüro in der Corona-Krise (Foto: dpa)

Vor allem kleinere Reisebüros trifft die Corona-Krise hart

Sarah Sassou   06.04.2020 | 16:30 Uhr

Auch vielen Reisebüros macht die Corona-Krise zu schaffen. Es gibt viele Stornierungen und keine neuen Buchungen. Besonders für die kleinen Unternehmen ist das ein großes Problem. SR-Reporterin Sarah Sassou hat mit einem Saarbrücker Reisebüro gesprochen.

Der Kampf der kleinen Reisebüros
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Der Kampf der kleinen Reisebüros
SR-Reporterin Sarah Sassou über den Kampf eines Saarbrücker Reisebüros.

Vor fünf Jahren hat Alex Zewe in Saarbrücken ihr Reisebüro eröffnet: „Abenteuerwege Reisen“ für europaweite Wanderreisen, weil Wandern - vor allem in Schottland – ihre große Leidenschaft ist. Und offenbar kommt ihre Geschäftsidee auch bei der Kundschaft gut an. "2015 haben wir angefangen mit einem Mitarbeiter, jetzt sind wir 25", sagt Zewe.

Doch die Corona-Pandemie hat nun vorerst alles zunichte gemacht. Als sich erste Auswirkungen auf die Reisebranche zeigten, waren Alex Zewe und ihre Mitarbeiter wie vom Donner gerührt. "Am 16. März blieb uns dann keine andere Wahl, als alle Reisen bis zum 30. April auszusetzen, weil Reisen in Europa unmöglich geworden war."

"Wir verlieren im Moment Geld in zwei Richtungen"

Erstmal muss das Reisebüro nun etwa 300 Reisen stornieren – und diese Arbeit bleibt an einer Handvoll Mitarbeiter hängen. Denn es gibt Kurzarbeit. Um die Firma vor der Insolvenz zu bewahren, werde einfach an allen Ecken und Enden gespart, sagt Zewe.

Das größte Problem für das Reisebüro ist im Moment aber die Rückzahlung der Kundengelder für Reisen, die ausfallen. Eigentlich müssen Veranstalter diese innerhalb von 14 Tagen zurückzahlen - so sieht es das Gesetz vor, die sogenannten Pauschalreiserichtlinie. Für die meisten Reisebüros sei dies ein Ding der Unmöglichkeit, sagt Alex Zewe. "Wir verlieren im Moment Geld in zwei Richtungen". Rückzahlungen und keine Einnahmen weil im Moment niemand neue Reisen bucht - das sei kaum zu schaffen.

Die Hoffnung: staatliche Hilfe

Nach einem Kredit hat sie sich schon bei ihrer Bank erkundigt, aber dort hat man ihr signalisiert: Das dürfte schwierig werden. Die ersten Jahre habe das Reisebüro Verluste gemacht, in diesem Jahr wären sie das erste Mal in die Gewinnzone gekommen, sagt Alex Zewe. Aber auf dem Papier sehe das nicht so gut aus.

Nun hofft die Unternehmerin wie viele in der Reisebranche, dass die Bundesregierung auf anderem Wege hilft: indem Kunden Gutscheine anstatt der Barauszahlung bekämen.

Die Verbraucherzentrale sieht diese Pläne eher kritisch, denn was passiert mit den Gutscheinen, wenn Reisebüros, Fluglinien oder Hotels die Corona-Pandemie nicht überleben? Alex Zewe sieht noch eine Möglichkeit: "Dass wir Kundengelder zurückzahlen und die dann vom Staat refinaniziert werden."

Aber trotz aller Schwierigkeiten, Alex Zewe bleibt optimistisch und glaubt fest daran, dass ihr Reisebüro die Krise übersteht und sie ihre Kunden wieder auf ihre Lieblingswanderstrecken in Schottland schicken kann.


Auch Thema auf SR 1 am 06.04.2020 in 'Hallo Saarland'.

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