Spritze und Impfstoff (Foto: Pixabay/qimono)

Mit der Impfung beginnt ein Prozess des langsamen Ausblendens

  22.12.2020 | 08:00 Uhr

Im Kampf gegen das Coronavirus hofft man, dass der Impfstoff jetzt die Wende bringt. Doch auch damit werden wir nicht von heute auf morgen von der Pandemie befreit sein, erklärt der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar.

Bei allen Impfstoffen geht es darum, unserem Körper Bausteine des Virus zu zeigen, damit er dagegen Antikörper produzieren kann, erklärt Ranga Yogeshwar. Viele klassische Impfstoffe funktionieren über eine Injektion abgeschwächter Erregerteile. Unser Körper reagiert darauf mit einer entsprechenden Immunantwort. Erste Impfstoffe gegen das Coronavirus arbeiten dagegen mit Messenger-RNA, also mit Teilen von Virus-Erbgut. Der Körper wird dazu gebracht, selbst Virusproteine herzustellen. Mit ihrer Hilfe erlernt das Immunsystem dann, eine Immunantwort zu entwickeln.

"Es gibt nichts ohne Risiko, aber es geht darum Risiken gegeneinander abzuwägen"
Audio [SR 1, Kerstin Mark, Christian Balser / Ranga Yogeshwar, 22.12.2020, Länge: 02:17 Min.]
"Es gibt nichts ohne Risiko, aber es geht darum Risiken gegeneinander abzuwägen"

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer wurde bereits an etwa 20.000 Menschen getestet. Dabei hat man im Wesentlichen die gleichen Nebenwirkungen festgestellt, wie man sie von anderen Impfungen kennt: eine schmerzende Einstichstelle, Kopfschmerzen, Fieber, so Yogeshwar. Über Langzeitfolgen kann man derzeit noch keine Aussagen machen. Mit der Zahl der Geimpften steige aber auch die Möglichkeit, dass ein kleiner Anteil seltene Nebenwirkungen zeigt. Doch "bei diesem Impfstoff geht es darum, Risiken gegeneinander abzuwägen", erklärt der Wissenschaftsjournalist. Angesichts der hohen Zahl derer, die momentan in Deutschland täglich sterben, sei das Risiko einer Impfung definitiv geringer.

Es muss auch niemand befürchten, dass der Impfstoff Erbgut bzw. Erbinformationen verändert. "Das funktioniert nicht," so Yogeshwar, da der mRNA-Strang niemals in den Zellkern hineinkommt und damit integriert wird. Wenn dem so wäre, bekäme der Impfstoff in Europa keine Zulassung.

Mit der Impfung sollen nun zuerst einmal all jene geschützt werden, bei denen das Virus besonders aggressiv reagiert wie ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen. Darüber hinaus alle Personen, die berufsbedingt viel Kontakt mit Menschen haben wie Ärzte, Pfleger usw., damit sie nicht nur selbst nicht erkranken, sondern auch das Virus nicht weitergeben.

Allerdings stehen etwa 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung einer Impfung noch immer mit Skepsis gegenüber. Yogeshwar hofft, dass mit wachsender Erfahrung auch die Impfbereitschaft der Menschen zunimmt. Dennoch wird es sehr lange dauern, bis ein hoher Anteil der Bevölkerung geimpft sein wird. "Und in Bezug auf Covid19 wird es eben so sein, dass wir eben nicht mit der Impfung wie bei einem Schalter plötzlich befreit sind von dieser Pandemie, sondern das ist ein Prozess eines langsamen Ausblendens, der natürlich unsere Nerven strapaziert, weil es eben nicht so schnell geht. Aber es wird länger dauern, als viele das im Moment meinen."

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Auch Thema auf SR 1 am 21.12.2020 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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