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Infektionsgefahr in Räumen durch Aerosole

  27.05.2020 | 09:12 Uhr

Das Coronavirus verbreitet sich hauptsächlich durch Tröpfcheninfektionen. Das Robert Koch-Institut geht inzwischen aber davon aus, dass das Virus auch durch winzig kleine Partikel, sogenannte Aerosole, übertragen werden kann. Die sind so leicht, dass sie lange in der Luft schweben können. Durch regelmäßiges Lüften lässt sich die Ansteckungsgefahr aber deutlich verringern.

Infektion über Tröpfchen und Aerosole

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus sollte nach Ansicht des Virologen Prof. Christian Drosten ein stärkeres Augenmerk auf feinste Schwebeteilchen in der Luft gelegt werden: sogenannte Aerosole. Diese Partikel sind kleiner als fünf Mikrometer, das heißt, so klein wie Feinstaub.

Aerosole: Wie gefährlich sind sie?
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Aerosole: Wie gefährlich sind sie?

Größere Tropfen, die beim Niesen, Husten oder Sprechen ausgestoßen werden, sinken schnell zu Boden. Aerosole dagegen nicht. Da sie sehr leicht sind, können sie sich lange in der Luft halten. Auch dann noch, wenn die erkrankte Person den Raum bereits verlassen hat. Beim Einatmen nimmt man die Aerosole auf. Allerdings ist noch nicht eindeutig geklärt, wie lange die Viren in diesen winzigen Tröpfchen ansteckend sind.

Innenräume gut lüften

Eine neue Studie besagt, dass es in geschlossenen Räumen fast 19 Mal wahrscheinlicher ist, sich anzustecken, als draußen. Denn in Innenräumen können die Teilchen über mehrere Stunden in der Luft schweben und sich im Raum ansammeln. Je kleiner der Raum, desto stärker. Dagegen hilft vor allem: regelmäßiges Lüften! Damit lässt sich die Gefahr einer Ansteckung über Aerosole wesentlich verringern. Außerdem sollten sich nicht zu viele Personen in einem Raum aufhalten.

Auch Masken sinnvoll

Das Einhalten der Abstandsregeln sowie das Tragen von Masken sind wichtige Maßnahme zum Schutz vor einer Corona-Infektion. Masken sind dabei auch in Innenräumen sinnvoll, erklärt Prof. Drosten: "Ein Aerosol entsteht ja in großen Teilen auch dadurch, dass zunächst ein etwas größeres Tröpfchen aus dem Mund ausgeschieden wird, das dann relativ schnell, bevor es zu Boden fällt, eintrocknet und kleiner wird. Wenn aber dieses größere Tröpfchen sich gleich in einer Lage Bauwollstoff verfängt und dort eingesaugt wird, dann entsteht daraus auch kein Aerosoltröpfchen mehr."

Auch der Virologe Prof. Alexander Kekulé spricht sich für das Tragen von Masken in Innenräumen, wie Geschäften zum Beispiel, aus. "Wenn man dafür sorgt, dass die Menschen da wirklich entweder konsequent die Masken tragen oder man eben lüftet oder weniger Menschen im Raum hat, dann, glaube ich, könnte man eine zusätzliche Sicherheitsebene einziehen."

Keine Aerosol-Gefahr im Freien

Draußen sind Aerosole harmlos. An der frischen Luft können die Partikel vom Wind schnell verwirbelt und so stark verdünnt werden, dass von ihnen keine Gefahr mehr ausgeht. Prof. Drosten empfiehlt daher, möglichst viel nach draußen zu verlegen. So könnte man der Gastronomie zum Beispiel erlauben, Terrassen zu öffnen: "Dann braucht man vielleicht auf der Terrasse auch nicht 1,5 Meter Abstand, vielleicht reicht dann auch ein Meter oder sogar ein normaler Tischabstand", so Drosten.

Bahn- und Flugreisen eher unproblematisch

Beim Reisen mit Bahn oder Flugzeug muss man sich wegen der Aerosole eher weniger Sorgen machen, so Prof. Drosten. Durch die Klimaanlagen findet in der Bahn ein starker Luftumsatz und Luftaustausch statt: "Es könnte sogar sein, dass dort ein geringeres Aerosolrisiko besteht," so Drosten. Im Flugzeug ist eher eine Tröpfencheninfektion in dem Bereich vor, hinter und neben einem Infizierten, wo der Luftstrom hinfließt, möglich, "Aber ansonsten geht man nicht davon aus, dass die ganze Flugkabine betroffen wäre von einem Aerosol. Dazu gibt es wirklich Daten, die das zeigen," so der Virologe.


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Auch Thema auf SR 1 am 27.05.2020 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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