Streichert-Clivot will Schülern Perspektive bieten (Foto: SR)

Streichert-Clivot äußert sich zu Vorwürfen

  14.09.2020 | 15:40 Uhr

"Ein guter Start ins Schuljahr" lautet die Bilanz der Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot nach vier Wochen Schulbetrieb. Das sehen viele jedoch anders. Der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) sprach in einer Presseerklärung von schonungslos aufgedeckten Missständen an den Schulen.

Nach Angaben des SLLV führt die Einschätzung der Bildungsministerin zu einer großen Verärgerung in der Lehrerschaft. In der Realität seien die ersten Wochen des Schulbetriebs nämlich keinesfalls als positiv zu bewerten. In der Presseerklärung des SLLV vom 10. September hagelt es daher Kritik.

Lehrerkollegien schlagen Alarm

Laut SLLV gab es schon lange vor Corona dringenden Handlungsbedarf in Kernbereichen der Schulen. Vor allem durch die Defizite in der digitalen, räumlichen und personellen Ausstattung seien die Schulsysteme schon nach wenigen Wochen mit dem Rücken an der Wand. Kritik gäbe es aus allen Schulformen.

Interview mit Christine Streichert-Clivot
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Interview mit Christine Streichert-Clivot

Getroffen fühlt sich Streichert-Clivot von den Vorwürfen jedoch nicht. Die Bilanz sei eine positive Rückmeldung an die Schulen und Lehrkräfte, die gemeinsam mit dem Bildungsministerium den Schulstart vorbereitet und umgesetzt hätten. "Unser Musterhygieneplan bietet für die Schulen einen Rahmen und ich kriege viele Rückmeldungen die sagen, dass Schulen und Schulleitungen sehr dankbar sind, dass sie diesen Rahmen haben", sagt Streichert-Clivot.

Probleme schon seit Jahren bekannt

Umsetzbar ist der Hygieneplan laut Lisa Brausch vom SLLV jedoch nur schwer. Das größte Problem sei derzeit die Größe der Klassen. Ein Punkt, den der SLLV schon lange kritisiert. Bei einer Zusammenlegung der Klassen aufgrund von Lehrermangel könne der Hygieneplan gar nicht eingehalten werden. "Wenn man keine zusätzlichen Lehrkräfte einstellen kann, dann anderes pädagogisches Personal, das helfen kann", so Brausch. Denn durch die Überwachung der Maßnahmen kommt eine massive Mehrbelastung für die Lehrer hinzu, die bereits eine wichtige Hauptaufgabe haben, nämlich Unterrichten.

Interview mit Lisa Brausch vom SLLV
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Interview mit Lisa Brausch vom SLLV

Zudem fordert der SLLV, dass die Gebäude heutigen Standards angepasst werden. Viele Schulen im Saarland bedürfen dringend einer Sanierung. Diese wird aber seit Jahren immer wieder verschoben. Zumindest die Lüftungsanlagen sollten vorab installiert werden, so Brausch. "Wir werden im Herbst so nicht mehr lüften können. Insofern sollte man spätestens jetzt darüber nachdenken, wie man eine gesunde Luft in Schulräumen hinbekommt".

"Die Krise wirkt wie ein Brennglas"

Laut Streichert-Clivot sehe man nun durch die Krise, wo Schwierigkeiten auftreten. "Es ist aber ein Irrglaube zu meinen, dass in einer Pandemie-Situation alle Probleme, die wir schon immer haben, von heute auf morgen gelöst werden können". Die Landesregierung habe sich aber bereits dazu entschlossen, die Stelleneinsparung im Bereich der Lehrkräfte einzustellen. Auch im Bereich der Digitalisierung gäbe es zusätzliche Mittel. Ende des Monats soll mit Blick auf den Herbst und Winter eine Fachkonferenz mit den Schulträgern stattfinden. "Wir werden dann, wenn es Investitionsbedarf gibt, das mit den Schulträgern besprechen", sagt Christine Streichert-Clivot.

Auch Thema in den Sendungen von SR 1 am 14. und 15.09.2020

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