Geldscheine vor dem Hintergrund einer roten Ampel (Foto: dpa)

Teures Urlaubssouvenir: Strafzettel aus dem Ausland

  06.07.2018 | 19:13 Uhr

Falsch geparkt, zu schnell gefahren - das kann jedem auch im Urlaubsland passieren. Und teuer werden. Denn viele Verkehrsverstöße werden im Ausland härter bestraft als hierzulande. Experten raten, Bußgeldbescheide aus dem Ausland nicht zu ignorieren. Seit 2010 können Strafen aus fast allen EU-Staaten auch hierzulande vollstreckt werden.

Seit 1. Juli gilt auf Frankreichs Landstraßen Tempo 80 statt 90 km/h. Verstöße gegen die neue Geschwindigkeitsbegrenzung werden teuer: Mit Strafen ab 68 Euro muss man rechnen.

Diese Geschwindigkeitsbegrenzung gilt für alle zweispurigen Landstraßen ohne trennenden Mittelstreifen. Das entspricht 40 Prozent des französischen Straßennetzes bzw. 400.000 Kilometern Straße. Strecken, bei denen in jede Richtung zwei Spuren führen, sind von der Änderung ausgenommen. Hier gilt auch künftig Tempo 90.

Vollstreckungsabkommen Deutschland – Frankreich

Ist es dann doch einmal passiert, sind viele Urlauber unsicher, ob sie den Strafzettel aus Frankreich überhaupt bezahlen müssen. Hier greift allerdings das Vollstreckungsabkommen Deutschland – Frankreich. Grundlage dafür ist der EU-weite „Rahmenbeschluss über die Anwendung des Grundsatzes der gegenseitigen Anerkennung von Geldstrafen und Geldbußen“. Das Abkommen umfasst nur Geldbußen ab einer Höhe von 70 Euro.

Knöllchen im Ausland
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Knöllchen im Ausland

In Frankreich gibt es drei Strafstufen: Ab dem ersten Kilometer pro Stunde über der Toleranzgrenze muss man mit 68 Euro rechnen. Begleicht man die Strafe aber innerhalb weniger Tage, gibt es einen "Schnellzahlerrabatt" und man zahlt nur 45 Euro. Stufe zwei: Ab mindestens 20 km/h über der Toleranzgrenze kostet es 135 Euro. Mit Stufe drei wird es richtig teuer: Wer über 50 km/h zu schnell ist, den kostet das 1500 Euro.

Autofahrer sollten sich übrigens nicht nur auf die Radar-Hinweise am Straßenrand verlassen. Auf den Straßen Frankreichs sind immer mehr "Blitzer"-Autos unterwegs. Die Kamera ist hier kaum zu erkennen. Diese mobilen Blitzer können Fahrzeuge, die vor oder hinter ihnen fahren, die sie überholen oder die entgegenkommen überwachen.

Punkte in Flensburg, Fahrverbote oder gar ein Führerscheinentzug können übrigens nicht in einem anderen Land durchgesetzt werden.

Strafzettel aus Italien

Auch eine Bußgeldforderung aus Italien sollte man in der Heimat nicht ignorieren. Am 27. März 2016 ist für den Strafzettel aus Italien ein entsprechendes Gesetz in Kraft getreten. Damit wurde der seit 2004 geltende EU-weite „Rahmenbeschluss über die Anwendung des Grundsatzes der gegenseitigen Anerkennung von Geldstrafen und Geldbußen“ umgesetzt. Laut diesem Gesetz kann bei einem Bußgeld aus Italien die Vollstreckung in Deutschland erfolgen. Anwendung findet diese Regel allerdings nur auf Summen ab 70 Euro.

Für zu schnelles Fahren bis zu 20 km/h über der Toleranzgrenze werden in Italien ab 170 Euro kassiert. Das ist aber immer noch 'günstiger' als in Norwegen, dort kostet es gleich 400 Euro.

Europäisches Verbraucherzentrum
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Europa - grenzenlos. Eine feine Sache - zum Beispiel wenn man in den Urlaub fährt. Genzenlos ist inzwischen aber auch die Zusammenarbeit der EU-Länder bei Verkehrsverstößen. Was wo wieviel kostet, hat das Europäische Verbraucherzentrum aufgelistet. (eu-verbraucher.de)

Teure Schweiz - auch beim Bußgeld

Wer in oder durch die Schweiz mit dem Auto fährt, sollte ganz besonders auf seine Geschwindigkeit achten. Wer dort über 50 km/h zu schnell fährt, begeht eine Straftat. Diese wird mit 60 Tagessätzen oder mehr geahndet. Tagessatz bedeutet zwei Monatsgehälter, vom Einkommen abhängig. Zusätzlich kann dort übrigens bei einer Straftat das Fahrzeug eingezogen werden.

Handy am Steuer

Frau mit Handy am Steuer (Foto: SR)

Ein schneller Blick auf den Routenplaner, kurz die WhatsApp-Posts gecheckt oder ein Anruf - Handy am Steuer wird nicht nur in Deutschland mit bis zu 200 Euro bestraft (bei Unfallverursachung zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot). In den Niederlanden kostet es, wenn man erwischt wird, 230 Euro, in Spanien ab 200 Euro und in Estland sogar bis zu 400 Euro. Also besser das Handy in der Halterung lassen und die Freisprechanlage einschalten. Und unbedingt den Gurt anlegen; denn wer's nicht macht, der muss in Estland auch mit 400 Euro Strafe rechnen.

Auch Falschparken belastet die Urlaubskasse

In Spanien wird man bei Parkverstößen locker mit 200 Euro und mehr zur Kasse gebeten, in Ungarn kann das Bußgeld sogar bis 320 Euro betragen.

Gleich zahlen ist günstiger

Bußgelder werden im Ausland üblicherweise vor Ort kassiert. Wenn das direkte Begleichen nicht möglich ist, kann es in vielen Ländern richtig teuer werden: Denn wartet man drei Tage, eine Woche oder sogar 14 Tage mit der Bezahlung, verdoppelt sich jeweils das Bußgeld.


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