ABC Buchtstaben (Foto: geralt/pixabay)

Neues Buchstabieralphabet

  19.08.2021 | 17:42 Uhr

Um etwas Kompliziertes, wie Adressen oder Namen, zu buchstabieren, nutzen wir das Buchstabieralphabet: Wir sagen zum Beispiel "N" wie "Nordpol" oder "E" wie "Emil". Aber nicht mehr lange. Das Deutsche Institut für Normung, kurz DIN, erarbeitet gerade eine Neufassung.

Gründe für die Überarbeitung

Das aktuelle Buchstabieralphabet ist nicht geschlechtergerecht: Es enthält insgesamt 16 Männernamen, wie zum Beispiel Cäsar, Emil, Heinrich, Otto oder Richard, aber nur 6 Frauennamen. Das Deutsche Institut für Normung hat entschieden: Das entspricht nicht der heutigen Lebensrealität.

Außerdem enthält die Buchstabiertafel Relikte aus der NS-Zeit. Ursprünglich enthielt es auch jüdische Namen. Die wurden aber Anfang der 30er Jahre ersetzt.

SR 1-Redakteurin Birgit Brenner erklärt, welche Änderungen vorgesehen sind.
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SR 1-Redakteurin Birgit Brenner erklärt, welche Änderungen vorgesehen sind.

Daher arbeitet das DIN schon seit dem letztem Herbst an einer Neufassung. Den Anstoß dazu hat der Antisemitismusbeauftragte von Baden-Württemberg gegeben: Ihn stört, dass 1943 die jüdischen Namen wie David, Nathan und Samuel gestrichen wurden. Das Buchstabieralphabet ist zwar nach 1945 noch mehrmals überarbeitet worden, die jüdischen Namen wurden aber nicht mehr eingefügt.

System des neuen Buchstabieralphabets

In der neuen Fassung werden die bisherigen Vornamen durch Städtenamen ersetzt - dann heißt es zum Beispiel "A" wie "Augsburg" und nicht mehr "Anton". Durch diese Umstellung bleibt die Buchstabiertafel auch über längere Zeit aktuell, weil sich die Städtenamen nicht so schnell ändern wie Vornamen.

Leider kommen aber nicht alle Bundesländer gleich verteilt vor. Es wird vermutlich kein "S" wie "Saarbrücken" geben, sondern man wird sich eher für "Stuttgart" entscheiden. Zumindest versucht das DIN aber eine Ost-West-Gleichverteilung.

In der engen Auswahl sind vor allem Orte, die ein Autokennzeichen mit einem einzigen Buchstaben haben: Berlin, Frankfurt, Görlitz, Jena, Köln, Regensburg und auch Tübingen. Bei "Y" wird es schwierig, deshalb bleibt es wohl dabei.

Die erste Fassung mit den Ortsnamen hat das DIN bereits vorgestellt. Die endgültige Fassung gibt es aber voraussichtlich erst ab Mitte 2022.


Auch Thema auf SR 1 am 19.08.2021 in der Sendung 'Dein Vormittag im Saarland'.

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