Schulklasse im Unterricht (Foto: SR)

Lehrkräfte am Limit

  23.09.2022 | 09:26 Uhr

Der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband SLLV fordert seit Jahren mehr Personal. Inzwischen sei die Personaldecke so dünn, dass es für Lehrkräfte, die ausfallen, keinen Ersatz gebe, so die Vorsitzende Lisa Brausch im SR 1 Interview. Das Ministerium weist die Kritik am Lehrermangel zurück.

Das neue Schuljahr hat gerade erst begonnen, doch eines hat sich nicht verändert: Es gibt zu wenig Lehrer, sagt der Saarländische Lehrerinnen und Lehrerverband (SLLV) und schlägt Alarm. Manche Schulen seien bereits am Limit.

SLLV fordert mehr Lehrer an saarländischen Schulen
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SLLV fordert mehr Lehrer an saarländischen Schulen
Die Vorsitzende Lisa Brausch im SR 1 Interview.

Lehrerausfall kann nicht ersetzt werden

"Es gibt definitiv im Grund- und Förderschulbereich keinen Ersatz, wenn jemand ausfällt", erklärt die Landesvorsitzende Lisa Brausch im SR 1 Interview. Die Lage sei deshalb so kritisch, "weil die Personaldecke so eng gestrickt ist, dass wir überhaupt keinen Puffer haben, und die so genannte 'mobile Lehrer-Reserve' jetzt schon verplant ist für feste Stellen, also für feste Einsätze, sodass wenn jemand ausfällt, was ja schon der Fall ist, kein Ersatz gestellt werden kann", die derzeitige Lage.

Ein Ersatz könne zudem erst am vierten Tag der Erkrankung eingefordert werden, so Brausch. Das bedeute, dass die Schule mindestens drei Tage lang die betroffenen Klassen versorgen müsse, ohne dass das Ministerium überhaupt davon Kenntnis erhalte.

Lehrkräfte am Limit

Für die Lehrkräfte in den Schulen bedeute die aktuelle Situation eine enorme Kraftanstrengung. Die Folge sei, so Brausch, dass immer mehr Lehrkräfte und auch Schulleitungen erkrankten, weil sie ausgebrannt seien: "Wir haben viele Kräfte, die sagen: Ich bin am Limit. Ich kann nicht mehr".

Eltern kritisieren Lehrermangel im Saarland
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Mehr Personal seit Jahren gefordert

Mehr Personal sei natürlich nicht von Heute auf Morgen zu bekommen, deshalb fordere der SLLV schon seit Jahren mehr Plätze im Studiengang Grundschulpädagogik, mehr Referendariatsplätze, ein Studienseminar Sonderpädagogik im Saarland, "und wenn man weiß, dass 2026 der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz kommt, dann weiß man, dass man noch viel mehr Lehrkräfte braucht", so Brausch:d "Es ist endlich an der Zeit, dass dieses Thema Bildung und Personalisierung in der Bildung auch zur Chefsache wird im Saarland!"

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Video [SR Fernsehen, (c) SR, 23.06.2022, Länge: 05:02 Min.]
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