Ein Kind mit geistiger Behinderung meldet sich in der Klasse (Foto: dpa/Daniel Naupold)

Gentest auf Trisomie als Kassenleistung?

  11.04.2019 | 19:27 Uhr

Bisher mussten schwangere Frauen den seit 2012 erhältlichen Bluttest, der eine Trisomie beim ungeborenen Kind feststellen kann, selbst bezahlen. Der Bundestag hat sich nun dafür ausgesprochen, dass künftig die Krankenkassen für den Test aufkommen sollen - eine ethisch heikle Entscheidung. SR-Reporter Oliver Buchholz hat eine Homburger Familie besucht, deren Tocher das Down-Syndrom hat.

Der Bundestag hat am 11. April 2019 über Bluttests vor der Geburt beraten - um etwa ein Down-Syndrom des Kindes nachzuweisen. In einer Orientierungsdebatte diskutierten die Abgeordneten darüber, ob die sogenannten "Trisomie 21-Tests" künftig von den Krankenkassen bezahlt werden sollen. Befürworter wie Gesundheitsminister Spahn argumentierten, die Bluttests seien weniger riskant als die von der Kasse bezahlten Fruchtwasser-Untersuchungen. Die Gegner des Vorstoßes warnten, dass es dadurch zu mehr Abtreibungen kommen könnte.

Jedes Leben ist lebenswert

SR-Reporter Oliver Buchholz hat Familie Rohrer besucht. Tochter Luise ist ein 16jähriger Teenager. Die junge Frau hat das Down-Syndrom und führt durchaus ein selbständiges Leben.

Ein Leben mit Down-Syndrom
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Ein Leben mit Down-Syndrom

Schon in der Schwangerschaft gab es Anzeichen für einen Gendefekt des Kindes.

An weitere Tests oder eine Abtreibung haben Marianne und Tilmann Rohrer jedoch nie gedacht. 'Jedes Leben ist lebenswert', sagt die gelernte Kinderkrankenschwester. Was die Eltern jedoch manchmal vermissen, ist die gesellschaftliche Akzeptanz für Menschen mit Down-Syndrom.

Frühdiagnose von Trisomien
Bundestag unterstützt Bluttests
Ein Bluttest kann mit hoher Wahrscheinlichkeit klären, ob ein ungeborenes Kind an Trisomie leidet. Soll er künftig von den Krankenkassen bezahlt werden? In einer Aussprache im Bundestag befürworten das viele Redner - aber nicht alle. Für die Kritiker geht es um mehr als nur die Finanzierung. Die Entscheidung trifft letztendlich der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Kassen und Krankenhäusern. Sie wird für den Spätsommer erwartet.

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Das Deutsche Down-Syndrom InfoCenter wurde Ende 1998 gegründet. Träger des Centers ist die Selbsthilfegruppe für Menschen mit Down-Syndrom und ihre Freunde e.V.. Dieser Verein ist seit 1988 maßgeblich an der Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Down-Syndrom in Deutschland beteiligt. Ziel der Arbeit im InfoCenter ist es, mehr Lebensqualität für Menschen mit Down-Syndrom zu erreichen. Es ist daher u.a. in den Bereichen Beratung, Information und Öffentlichkeitsarbeit aktiv.

Im Saarland kümmert sich der Verein Saar21 Downsyndrom Saarland e.V. um die Belange von Menschen mit Down-Syndrom.

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