Kinder vor einem Tablet (Foto: imago images / Westend61)

Kinder vor dem Bildschirm

Esther Wagner   07.10.2019 | 18:00 Uhr

Smartphones und Tablets sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken, ebenso wie der Fernseher. Kinder wachsen ganz selbstverständlich damit auf. Doch wie viel Zeit können Kinder vorm Bildschirm verbringen? Und welche Inhalte sind geeignet?

Vorbild sein

Wie viel Zeit können Kinder vor dem Bildschirm verbringen?
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Wie viel Zeit können Kinder vor dem Bildschirm verbringen?

Kirstin Langer vom Elternratgeber „Schau hin!“ hat einen grundlegenden Tipp für Eltern:“ ein Vorbild sein, also selber vorleben, dass das Fernsehen oder ein digitales Gerät nicht der einzige Lebensinhalt ist.“ Man solle zeigen, dass andere Dinge genauso viel Spaß machen wie die Mediennutzung. Die Expertin rät zudem, feste Regeln in der Familie zu etablieren.

Visuelle Medien als Bereicherung

Langer betont, dass visuelle Medien eine Bereicherung für Kinder sind. Sie lernen dadurch, bildhafte Informationen zu entschlüsseln. Dies sei eine wichtige Voraussetzung, sich in unserer bildlastigen Welt zurechtzufinden.  

Altersgerechte Zeitbegrenzungen

„Schau hin!“ empfiehlt für Vorschulkinder zwischen drei und fünf Jahren nicht mehr als eine halbe Stunde Bildschirmzeit am Stück, am besten mit Pausen. Im Grundschulalter zwischen sechs und neun Jahren könne diese Zeit auf eine Stunde verlängert werden. Für ältere Kinder empfiehlt die Initiative, ein Zeitkontingent pro Woche zu vereinbaren, sodass die Kinder ihre Bildschirmzeit freier einteilen können.

Für Kleinkinder unter drei empfiehlt „Schau hin!“ keine Nutzung von Bildschirminhalten, da sie „die Welt mit allen Sinnen erfahren sollten.“ Kerstin Langer zufolge ist es nicht tragisch, wenn sie trotzdem mal mit aufs Tablet schauen, aber: „Ab drei aufwärts hat das Kind tatsächlich auch einen Nutzen von einem digitalen Gerät oder digitalen Inhalten.“

Überforderung erkennen

Laut Langer regulieren sich die Kleinsten oft selbst: Wenn es ihnen zu viel wird, verlassen sie den Raum. Doch einige werden von Videoinhalten besonders in den Bann gezogen. Bei ihnen und älteren Kindern könne man beobachten, dass sie unruhig und zappelig werden, oder sogar mürrisch und aggressiv. Das sind Signale, dass das Geschehen auf dem Bildschirm die Kinder überfordert hat, etwa weil es nicht altersgerecht war, die Erzählung zu schnell oder die Geräusche zu viel.

Begleiten und Besprechen

„Wir empfehlen Eltern immer, ihren Fernsehanfänger zu begleiten“, sagt Langer. Auf diese Weise können sie beobachten, wie ihr Kind auf Farben, Geräusche und Figuren reagiert und wie es das Gesehene verarbeitet. Wichtig sei auch, mit den Kindern über das Gesehene zu sprechen.

Pädagogische Altersempfehlung statt FSK

Langer rät davon ab, sich alleine auf die FSK-Angabe zu verlassen und stattdessen nach pädagogischen Altersempfehlungen zu suchen. Die gesetzlichen Altersfreigaben für Filme im Fernsehen oder im Kino basieren auf Annahmen, wie Heranwachsende auf bestimmte Darstellungen – etwa Gewalt oder lebensnahe Inhalte - reagieren. Außerdem sind die Altersgruppen sehr weit gefasst. Die pädagogische Altersempfehlung hingegen differenziert nochmal für Kinder ab sechs, acht und zehn Jahren. Dabei werden weitere Faktoren mit einbezogen wie Medienerfahrung des Kindes, altersgemäßer Wissensstand und emotionale Reife.

Ratgeber "Flimmo"

Tipps können Eltern z.B. beim Ratgeber „Flimmo“ bekommen, der beliebte Kinderserien bewertet. Aber auch da lautet die Empfehlung von Langer: „Am besten bin ich beraten, wenn ich mich selber mit der Sendung auseinandersetze.“ Denn was zu einem Kind passt, können die Eltern am besten einschätzen.

Sicherheitseinstellungen für Mobilgeräte

Für Kinder unter zwölf Jahren empfiehlt „Schau hin!“, die Sicherheitseinstellungen der Mobilgeräte anzupassen. Internetzugang sollte nur zu Hause damit unter elterlicher Kontrolle möglich sein. Streamingdienste inklusive YouTube bieten eigene Sicherheitseinstellungen und teilweise eigene Apps mit eingeschränkten Inhalten an.

10 Goldene Regeln für Kinder von 3 bis 6 Jahren: TV und Film

(Quelle: "Schau hin!")

  1. Gemeinsam schauen
  2. Mit dem Kind über das Gesehene sprechen
  3. Altersgerechte Filme und Serien wählen
  4. Zeiten vereinbaren
  5. Zeiten kurz halten
  6. Nicht überfordern
  7. Nicht mit Verbot drohen
  8. Kein schlechtes Gewissen
  9. Vorbild sein
  10. Auch mal abschalten

Mehr Infos unter

Die Initiative "SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht." wurde 2003 von ARD, ZDF dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Programmzeitschrift TV Spielfilm ins Leben gerufen, um Eltern und Erziehende mit Empfehlungen zum richtigen Medienumgang von Kindern zu unterstützen. 

Auch Thema auf SR 1 am 02.10.2019 in der Sendung ' Balser & Mark. Dein Morgen'.

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