G8 und G9 an einer Schultafel (Foto: dpa/Armin Weigel)

20 Jahre G8 im Saarland

Stephan Deppen   02.08.2021 | 12:15 Uhr

Am 2. August 2001 trat eine Bildungsreform in Kraft, über die sich die Beteiligten auch heute noch trefflich streiten können: die Verkürzung der Gynmasialzeit von neun auf acht Jahre - kurz G8. Eine Bilanz.

G8, Abitur nach acht Jahren Gymnasium, nach zwölf Jahren Schulezeit. Ministerpräsident Peter Müller erklärte vor 20 Jahren, warum diese Schulreform nötig sei: "Wir brauchen länger bis zum Abitur, bis zum Studienabschluss als viel andere europäische Länder. Das bringt Wettbewerbsnachteile und die wollen wir ausgleichen."

Der damalige Kultusminister Schreier: "Keine Nachteile gegenüber G9"

Kultusminister Jürgen Schreier ging es darum, das erste westliche Bundesland zu sein, das G8 einführte - in Sachsen und Thüringen galt das schon seit Ende der 40er Jahre.

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Schreier und das Saarland waren die ersten - obwohl erst nur der Lehrplan für die fünfte Klasse fertig war und nach und nach die anderen überarbeitet wurden - lautete sein Motto: Gründlichkeit vor Schnelligkeit.

Schreier sah ein paar Jahre später keine Nachteile gegenüber G9: "Weder die Sitzenbleiberquoten, noch die Abbrecherquoten haben sich gegenüber dem neunjährigen Gymnasium verändert."

Philologenverband: "Eine Erfolgsgeschichte"

Markus Hahn, der Vorsitzende des Saarländischen Philologenverbandes sieht das Ganze rückblickend vor allem aus Sicht eines zufriedenen Gymnasiallehrers: "Das achtjährige Gymnasium im Saarland ist eine Erfolgsgeschichte. Diese Erfolgsgeschichte ist möglich geworden, weil die Lehrerinnen und Lehrer im Saarland die Einführung des achtjährigen Gymnasiums zur Modernisierung und grundlegenden Erneuerung des gymnasialen Bildungsgangs benutzt haben."

Landeselternvertretung: "Ziele nicht erreicht"

Ganz anders sieht das die Vorsitzende der Landeselternvertretung Gymnasien, Katja Oltmanns. Die im Gesetzestext formulierten Ziele seien nicht erreicht worden: "Das stand zum Beispiel drin, dass man innerhalb der kürzeren Lernzeit am Gymnasium eine Qualitätssteigerung erreichen wollte. Ich glaube, rückblickend feststellen zu können, dass man das auf jeden Fall nicht erreicht hat."

Die damalige Landeselternvertretung sah das Thema nüchtern: nicht direkt dagegen, aber wegen der langen Schultage nicht richtig umgesetzt, so Klaus klesen: "G8 ist im Prinzip schon Ganztagsschule und das Problem ist, dass wir es nicht ordentlich strukturiert haben. Wir müssten eine neue Konzeption, eine offenere Lernform finden und das lässt sich eingentlich nur in der Ganztagsschule realisieren."

Die gebundene Ganztagsschule ist bisher immer noch nicht Wirklichkeit. Zu viel Widerstände haben das verhindert.

Roman Herzog: "Gestohlene Lebenszeit"

Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog hatte damals harte Worte gefunden für unser Schulsystem: "Für mich persönlich sind die Jahre, die unseren jungen Leuten in diesem System verloren gehen, Jahre, die man als gestohlene Lebenszeit bezeichnen muss."

Amtierende Bildungsministerin Streichert-Clivot: "Mehr Druck auf den Schultern"

Das sollte G8 ändern - doch damit einher ging für viele verlorene Lebensqualität. Die heutige Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot formuliert es so: "Es gibt bis heute erhebliche Kritik daran, dass die Schulzeit für junge Menschen verkürzt worden ist und dass damit auch erhebliche mehr Druck auf den Schultern der Schülerinnen und Schüler lastet. Aus diesem Grund kann man sagen, dass eigentliche Ziel, junge Menschen früher mit einem Abitur auf einen Arbeitsmarkt zu bringen, hat nicht zum Erfolg geführt."

Deshalb gehört auch sie zu denen, die eher skeptisch auf 20 Jahre G8 im Saarland zurück blicken: "Ich glaube, auch 20 Jahre nach Einführung des G8 kann man nach wie vor nicht davon sprechen, dass diese Reform eine Erfolgsgeschichte ist."

Auch Thema auf SR 1 am 02.08.2021 in der Sendung 'Hallo Saarland'.

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