Prinzessinnenpaar (Foto: Stefan Jung)

Prinzessinnenpaar nun doch zur Wahl zugelassen

  17.01.2020 | 22:18 Uhr

Das diesjährige Prinzessinnenpaar Heike II. und Ute I. darf nun doch zur Wahl des 'Prinzenpaars des Jahres' antreten. Darauf haben sich der Verband der Saarländischen Karnevalsvereine und die Kleinblittersdorfer Karnevalsgesellschaft "Die Rebläuse" bei einem Treffen geeinigt.

Happy End für Prinzen- und Prinzessinnenpaare

Nach der großen Aufregung in den letzten Tagen wollen die beiden Frauen von ihrem Recht allerdings doch keinen Gebrauch machen. Die Aufregung war dennoch nicht umsonst: Denn dafür können sich weitere gleichgeschlechtliche Paare nun noch nachträglich zur Wahl des 'Prinzenpaars des Jahres' anmelden, und zwar bis zum Mittwoch, 22. Januar 2020.

Außerdem will der Präsident des Verbandes Saarländischer Karnevalsvereine (VSK), Hans-Werner Strauß im Sommer darüber entscheiden lassen, ob die Ausschreibung in Zukunft auch für gleichgeschlechtliche Prinzenpaare gelten soll.

Die Vorgeschichte

Karnevalsgesellschaft 'Die Rebläuse': Wir sind nicht weniger wert

Es ist traurig, richtig traurig.
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Es ist traurig, richtig traurig.
Die Enttäuschung ist groß bei Heike II. und ihrer Frau

Heike und Ute sind ein Ehepaar. Und in diesem Jahr auch das Prinzenpaar, genauer das Prinzessinnenpaar der Kleinblittersdorfer Karnevalsgesellschaft 'Die Rebläuse'. Und als solches wollten Ute I. und Heike II. auch an der Wahl des 'Prinzenpaars des Jahres' teilnehmen. Das hatte der Verband Saarländischer Karnevalsvereine (VSK) jedoch überraschend abgelehnt.

Wenn sich die Prinzenpaare der VSK-Mitgliedsvereine am 26. Januar zum traditionellen Prinzenfrühstück treffen, hätten Ute I. und Heike II. zwar dabei sein dürfen, als Prinzenpaar des Jahres hätten sie jedoch nicht zur Wahl gestanden. Die Begründung: Nach Tradition und Brauchtum bestehen die derzeit geltenden Regeln darauf, dass ein Prinzenpaar aus Mann und Frau bestehen muss.

Darüber war die Kleinblittersdorfer Karnevalsgesellschaft sehr verärgert: " Diese Absage, an dem Wettbewerb teilnehmen zu können, setzt einfach das Zeichen, dass unser Prinzessinnenpaar im Vergleich zu den anderen Prinzenpaaren des Saarlandes weniger wert ist," so Präsident Stefan Jung im SR 1 Interview.

Streit um Prinzessinnenpaar
Audio [15.01.2020]
Streit um Prinzessinnenpaar
SR 1 Moderator Daniel Simarro hat mit beiden Parteien gesprochen.

Verband Saarländischer Karnevalsvereine: Statuten kann man ändern

Seinem Frust hatte Stefan Jung in den Sozialen Medien Luft gemacht, wo die Sache hohe Wellen schlug - sehr zum Bedauern von Hans-Werner Strauß, dem Präsidenten des Verbandes Saarländischer Karnevalsvereine, der die Angelegenheit lieber in einem persönlichen Gespräch geklärt hätte.

Für Strauß lag die Ursache des Problems in der diesjährigen Ausschreibung des Wettbewerbs: "In dieser Ausschreibung steht, dass also Prinzenpaare nach unserem Verständnis aus der traditionellen Bewegung heraus ein Mann und eine Frau sein sollen", erklärte der Verbandspräsident im SR 1 Interview. "Nur für den Augenblick mussten wir aufgrund der Ausschreibung so reagieren."

Dem VKS nun Ausgrenzung oder Homophobie vorzuwerfen sei jedoch unbegründet, so Strauß. Der Verband sei durchaus offen für den gesellschaftlichen Wandel. Daher sei es auch möglich, die Statuten zu ändern. Für die Zukunft hieße das in diesem Fall, "dass wir mit Sicherheit diese Dinge dann auch auf den Prüfstand stellen und versuchen, allen gerecht zu werden", betonte Strauß. "Und wenn die Entwicklung nun mal in diese Richtung geht, dann müssen wir auf der einen Seite darauf achten, dass wir das Traditionelle zu bewahren, andererseits uns aber für den Fortschritt nicht verwahren." Für eine Neuregelung sieht Strauß daher gute Chancen.

Gutes Gespräch

Man redet miteinander
Audio [16.1.2020]
Man redet miteinander
Unser Reporter Frank Falkenauer fasst zusammen

Der Fall schlug bundesweit Wellen, besonders in den Sozialen Medien. Und der Zuspruch für das Prinzessinenpaar war unerwartet immens. Inzwischen haben sich die Wogen auch wieder geglättet. Denn der Karnevalsverein und der Verband haben nun auch direkt miteinander gesprochen. Mit dem ERgebnis sind beide Seiten zufrieden.

Hintergrund und Reaktionen

Gleichgeschlechtliche Paare hätten es im royalen Leben schwer
Audio [SR 1, (c) Daniel Simarro, Carsten Schmiester, Leontine Gräfin von Schmettow, 17.01.2020, Länge: 03:20 Min.]
Gleichgeschlechtliche Paare hätten es im royalen Leben schwer
Ein lesbisches Prinzessinnenpaar sorgt gerade in der saarländischen Faasenacht für Schlagzeilen. In der wirklichen Welt der Königshäuser waren gleichgeschlechtliche Paare bislang - zumindest öffentlich - kein Thema. Doch sicher hätten auch sie es nicht leicht. Was schreiben die oft jahrhundertealten Regeln vor? Wir haben nachgefragt.


Debatte um Ausgrenzung
Prinzenpaar enttäuscht über Verbandsentscheidung
Vier Wochen vor der Hoch-Zeit der Faasend kocht die Stimmung hoch. Und zwar ausgerechnet bei der Debatte um die Tradition. Der Verband Saarländischer Karnevalsvereine VSK hat ein lesbisches Prinzessinnenpärchen ausgeladen, weil es der Tradition widerspricht. Da gebe es eben nur Prinz und Prinzessin. 2016 gab es diese Debatte schon einmal. Thomas und Sadik aus Theley wurden zum ersten homosexuellen Prinzenpaar des Saarlandes gekürt.



Heftige Kritik in Sozialem Netzwerk
Karnevalsverband schließt lesbisches Prinzenpaar aus


Auch Thema in den Sendungen von SR 1 am 15., 16. und 17.01.2020.

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