Illustration: Feuerwehr (Foto: pixabay/Rico_Loeb)

Auf einmal Feuerwehrmann - ob man will oder nicht

  17.01.2020 | 00:00 Uhr

Wenn es brennt, hofft jeder, dass die Feuerwehr schnell das Schlimmste verhindert. Doch was, wenn nicht genug Einsatzkräfte verfügbar sind? In Bous wurde deshalb schon über die Einführung einer Pflichtfeuerwehr nachgedacht. Auf Sylt kam es tatsächlich dazu.

Über die Tatsache, dass es in jeder Gemeinde genug Feuerwehrleute geben sollte, sind sich wohl die meisten einig. Nicht jedoch darüber, was geschieht, wenn das einmal nicht der Fall ist.

Notfall

Ein Feuerwehrfahrzeug und eine Drehleiter im Hintergrund (Foto: pixabay/495756)

Als es zum Beispiel in Bous statt der vorgesehenen 55 Feuerwehrleute nur noch 35 Einsatzkräfte gab, musste man tätig werden. Das hieß in diesem Fall: "Entweder ihr kriegt wieder mehr Leute zusammen oder wir müssen Leute aus Bous zum Feuerwehrdienst verpflichten", erzählt Bürgermeister Stefan Louis. Das hat gewirkt. Inzwischen hat sich die Zahl der Feuerwehrleute wieder auf 46 erhöht, weshalb von einer Pflichtfeuerwehr doch noch abgesehen werden konnte.

Ernstfall

In dem kleinen Ort List auf Sylt kam es anders. Dort wurde 2005 tatsächlich eine Pflichtfeuerwehr eingeführt. 50 Einwohner bekamen per Post einen Bescheid vom Ordnungsamt und wurden zum Dienst bei der Feuerwehr einberufen. Besonders begeistert waren die meisten davon nicht. Laut Bürgermeister haben einige daraufhin sogar den Wohnort gewechselt. Inzwischen hat sich die Lage langsam wieder verbessert. Die Jugendfeuerwehr bildet Nachwuchs aus, und so kann im Ort wohl bald wieder eine freiwillige Feuerwehr zum Einsatz kommen.

Pflichtfeuerwehr auf Sylt
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Pflichtfeuerwehr auf Sylt
Die Gemeinde Bous hatte schon Schwierigkeiten genügend freiwillige Feuerwehrleute zu finden. Auf der Insel Sylt hat das gleiche Problem dazu geführt, dass eine Pflichtfeuerwehr eingeführt wurde.

Zwangsverpflichtung

Kann eine Gemeinde denn jemanden einfach so zum Feuerwehrdienst verpflichten? "Ja, das kann sie," erklärt SR 1-Reporter Frank Falkenauer. Im Brandschutzgesetzt ist klar geregelt, dass die Gemeinde für den Schutz der Bürger zuständig ist.

Feuerwehrangehörige in Uniform (Foto: pixabay/blickpixel)

Jeder im Alter zwischen 18 und 50 Jahren kann dazu herangezogen werden. Ausgenommen sind Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in Frage kommen, zudem Berufsgruppen wie Polizisten, Soldaten oder Menschen, die bereits im Katastrophenschutz tätig sind.

Verpflichtet werden kann man für fünf Jahre; eine Verlängerung um weitere fünf Jahre ist möglich. Bei einer Verweigerung droht eine Geldstrafe. Im Saarland liegt die derzeit bei bis zu 250 Euro.

Gemeinde darf Feuerwehrleute verpflichten
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Gemeinde darf Feuerwehrleute verpflichten
Wenn es brennt, ruft man die Feuerwehr. Doch die leidet oft unter Personalmangel. Im Extremfall darf die Gemeinde sogar Bürger als Feuerwehrleute verpflichten. Unser Reporter Frank Falkenauer erklärt, wie das gesetzlich geregelt ist, und was passiert, wenn man sich weigert.

Keine Pflichtfeuerwehr im Saarland

Insgesamt, sagt der Feuerwehrverband, ist die Situation bei uns im Saarland aber gut, genügend Nachwuchs ist da. Dennoch würde man sich noch über mehr Seiten- und Quereinsteiger freuen, also über junge, erwachsene Neu-Feuerwehrleute, deren Lebensplanung schon steht, und die also nicht gleich wieder ausfallen, weil sie nach der Schule aufhören oder aus beruflichen Gründen wegziehen.


Auch Thema auf SR 1 am 17.01.2020 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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