Passagiere warten am Tag der Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook im Flughafen (Foto: picture alliance/Clara Margais/dpa)

Ärger mit dem Urlaubsflieger: die Rechte als Fluggast

Sarah Sassou  

Die Nachrichten von chaotischen Zuständen an deutschen Flughäfen häufen sich. Ein Grund ist fehlendes Sicherheitspersonal. Aber auch andere Ursachen können dazu führen, dass ein Flugzeug verspätet oder gar nicht stattfindet. Passagiere müssen das nicht einfach so hinnehmen. Ein Blick in die Fluggastrechte kann weiterhelfen.

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Fluggastrechte

Welche Rechte Passagiere haben, ist in der EU-Fluggastrechteverordnung festgelegt. Sie greifen sowohl bei Flugausfällen als auch Verspätungen. In solchen Fällen können Fluggäste mit einer Entschädigung rechnen innerhalb der EU. Das heißt: Start- oder Zielflughafen liegen in der EU, ebenso wie der Sitz der Fluglinie. Bei Flügen, die nicht EU-Airlines durchführen und die außerhalb des europäischen Flugraums liegen, gelten diese Regelungen nicht.

Flugverspätung

Verspätet sich ein Flug, dann kommt es immer darauf an, wann man seinen Zielflughafen erreicht hat. Danach richtet sich der Anspruch auf eine Entschädigung und den hat man nur, wenn der Flieger mindestens drei Stunden zu spät am Zielflughafen ankommt.

Ausgleichszahlung
Die Höhe der Ausgleichszahlung richtet sich dann wiederum nach der zurückgelegten Strecke und ist in drei Stufen gestaffelt. Betroffene Passagiere erhalten dann zwischen 250 und 600 Euro.

Versorgung vor Ort
Wenn man aber an einem Flughafen gestrandet ist, geht es zunächst um die Versorgung vor Ort. Auch das ist in der Verordnung geregelt. Passagiere haben demnach Anspruch auf kostenlose Verpflegung und auf zwei kostenlose Telefonate, Faxe oder E-Mails.

Hotelunterbringung und Transfer
Verspätet sich der Flug um einen Tag, muss die Airline für eine Hotelunterbringung sorge und, für den Transfer zwischen Flughafen - Hotel - Flughafen. Allerdings klappt diese Art der Versorgung nicht immer.

Wenn die Fluggesellschaft dieser Verpflichtung nicht nachkommt, obwohl man sie dazu aufgefordert hat, dann kann man sich selbst eine Übernachtungsmöglichkeit suchen und die Kosten dafür der Airline in Rechnung stellen.

Annullierter Flug

Fällt der Flug ganz aus, dann können Passagiere wählen, ob sie den vollständigen Flugpreis erstattet bekommen möchten oder ob sie sich mit einem alternativen Flug zum Zielort bringen lassen. Bietet die Fluggesellschaft einen Ersatzflug an, dann ist man nicht dazu verpflichtet, diesen anzunehmen.

Passagiere haben zudem – wie bei einer Verspätung - einen Anspruch auf Entschädigung.

Flugvorverlegung
Als Flugausfall zählt auch, wenn der Flug um mehr als eine Stunde vorverlegt wurde. Es sei denn, die Airline hat schon frühzeitig, also mehrere Wochen oder Tage davor, informiert.

Kein Anspruch bei außergewöhnlichen Umständen
Liegt der Flugausfall oder die Verspätung in außergewöhnlichen Umständen begründet, dann hat man allerdings kein Recht auf eine Entschädigung. Dazu zählen extremes Wetter, Naturkatastrophen und Streiks, nicht aber technische Probleme. 

Überbuchung

Es kann auch vorkommen, dass ein Flug überbucht ist, also mehr Plätze verkauft wurden, als vorhanden sind. Dann versuchen Fluggesellschaften meistens, Passagiere zu finden, die gegen einen Gutschein oder eine Bargeldzahlung auf den Flug verzichten.

Wenn dies aber nicht gelingt und für einen selbst kein Platz mehr in der Maschine ist, hat man auch hier Anspruch auf eine Entschädigung, denn der Flug ist dann im Prinzip ausgefallen.

Außerdem muss die Airline für Verpflegung sorgen und entweder den Ticketpreis vollständig ersetzen oder für eine alternative Beförderung zum Zielort sorgen.

Probleme beim Zwischenstopp

Dies gilt auch, wenn die Probleme bei einem Zwischenstopp auftauchen, wenn man schon einen Teil der Flugreise zurückgelegt hat. In solch einem Fall hat man auch einen Anspruch auf einen Rückflug zum ersten Abflugsort.

Schadenersatz für gebuchte Leistungen am Urlaubsort

Das Hotelzimmer am Zielort ist schon gebucht und lässt sich nicht mehr stornieren, Bus- oder Fährenplätze sind schon gezahlt: Wenn solche Kosten entstehen, weil man wegen Verspätung oder Flugausfall nicht am Zielort ankommt, dann kann man von der Fluggesellschaft verlangen, dass sie diese Kosten übernimmt. 

Um die Ansprüche wie Entschädigungen oder Schadensersatz geltend zu machen, kontaktiert man die Fluggesellschaft und legt dort sämtliche Nachweise vor. An den Flughafenschaltern sollte man sich deswegen auch Verspätungen oder Annulierungen bestätigen lassen.

Verzögerungen durch Sicherheitskontrollen

Wenn man einen Flug verpasst, weil es so lange an der Sicherheitskontrolle gedauert hat, dann muss man sich an die Bundespolizei wenden. Sie ist zuständig für die Sicherheitskontrollen an Flughäfen und setzen dafür häufig private Dienstleister ein. Allerdings sollte man frühzeitig an der Sicherheitskontrolle sein, um seinen Flug zu erreichen. Klappt das trotzdem nicht, kann man nicht sicher davon ausgehen, auch eine Entschädigung zu bekommen. Denn was genau unter „rechtzeitig“ zu verstehen ist, ist nicht definiert. 

Probleme bei der Durchsetzung von Ansprüchen

Hat man Probleme mit der Durchsetzung seiner Ansprüche, dann kann man sich an verschiedene Stellen wenden


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Verspätungen und Ausfälle: Diese Rechte haben Passagiere
Weil es derzeit vermehrt zu Verspätungen und Ausfällen von Flügen kommt, sollten Passagiere ihre Rechte kennen. Das saarländische Verbraucherschutzministerium gibt Tipps, wie Reisende diese auch durchsetzen können.

Thema in der Sendung SR 1- Deine Eins! am 19.07.2022.

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