Google-Logo an der Konzernfassade (Foto: dpa)

20 Jahre Google

Esther Wagner  

Vor 20 Jahren gründeten zwei Informatikstudenten eine Garagenfirma, die heute zu den erfolgreichsten Unternehmen der Welt gehört. In Sekundenschnelle finden, was man sucht - damit hat Google das Internet umgekrempelt. Doch die Datensammelwut des Konzerns löst auch Ängste aus.

"Don´t be evil!"

Am 4. September 1998 meldeten die beiden Informatikstudenten Larry Page und Sergej Brin aus dem kalifornischen Palo Alto eine Garagenfirma an, die zwanzig Jahre später zu den größten Unternehmen der Welt gehören sollte. Mit Google revolutionierten sie die Art und Weise, wie Informationen im Internet gesucht und gefunden werden. Heute ist Google uneingeschränkter Marktführer unter den Suchmaschinen: mit über 85 Prozent der Rechner- und fast 100 Prozent der Smartphone-Suchen.

"Don´t be evil" war der Slogan der jungen Firmengründer Page und Brin - "Tu nichts Böses". Sie hatten große Ziele: alle Informationen der Welt zu sammeln und allen zugänglich zu machen. Heute wird ihr idealistischer Leitspruch kaum noch verwendet, aber das Sammeln und Auswerten von Daten hat das Unternehmen perfektioniert. Das kommt einerseits den Nutzern zugute, ruft aber auch immer wieder Datenschützer auf den Plan.

Der Algorithmus: Googles Erfolgsgeheimnis

Anders als etwa Yahoo oder AltaVista, die Ende der 90er Jahre zu den großen Suchmaschinen gehörten, stellte Google keinen Linkkatalog zur Verfügung, sondern nur ein Suchfeld. Eine minimalistische Website, hinter der jedoch ein ausgeklügelter Algorithmus und mittlerweile eine gigantische technische Infrastruktur steckt.

Der Google Algorithmus bewertet die Relevanz eines Suchergebnisses. In die Berechnung fließen unter anderem die Anzahl und Qualität der Verlinkungen ein, die zu einer Seite führen - der so genannte Page Rank. Aber auch der Aufbau einer Seite und viele weitere Faktoren entscheiden, wie weit vorne eine Website in den Suchergebnissen erscheint. Der Algorithmus wird ständig verändert und verbessert. Wie er genau arbeitet, ist Googles Erfolgs- und Betriebsgeheimnis.

Suchmaschinenoptimierung und Google-Bomben

Suchmaschinenoptimierer versuchen, Websites für Google bestmöglich lesbar zu machen und ihnen so eine gute Platzierung im Ranking zu sichern. Gerade in hart umkämpften Märkten wie der Reise- oder Versicherungsbranche werden Websites bis ins kleinste Detail optimiert, um auf die erste Seite der Suchergebnisse zu kommen.

Manchmal lässt sich der Algorithmus auch austricksen. Das hat US-Präsident Donald Trump - wie schon sein Amtsvorgänger George W. Bush - gerade erfahren: Ausgelöst durch Verlinkungen auf der Plattform Reddit zeigt die Google-Bildersuche beim Suchbegriff "Idiot" als Erstes Fotos von Trump. Eine solche "Google-Bombe" nutzt den PageRank und das Social Web, um den Algorithmus zu manipulieren.

Personalisierte Suchergebnisse

Doch Google zeigt nicht jedem dieselben Suchergebnisse an. Es personalisiert sie und optimiert sie auch für unterschiedliche Geräte. Deshalb sieht man am Rechner etwas andere Ergebnisse als am Smartphone. Und ein Google-Nutzer in Hamburg erhält bei der Suche nach einem Friseurladen andere Ergebnisse, als einer in Saarbrücken. Google verwendet Standortdaten, frühere Suchanfragen und andere persönliche Daten, um den Nutzer besser kennenzulernen. Dadurch kann das Unternehmen einerseits passendere Ergebnisse liefern, andererseits aber auch detaillierte Nutzerprofile erstellen.

Die Macht des Mega-Konzerns
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Die Macht des Mega-Konzerns
Seit dem Start des Such-Giganten hat sich viel getan in der Welt des Online-Marketing. Google-Experte Jan Stranghöner erklärt im SR1-Interview, welchen Einfluss der Mega-Konzern heute hat und welche Rolle er in Zukunft spielen wird - sprechende Waschmaschinen inklusive.

Passgenaue Werbung

Google nutzt diese Informationen auch, um passende Werbung anzuzeigen. Bis zu vier der obersten Suchergebnisse können mittlerweile Anzeigen sein. Die Anzeigen sind noch immer Googles Haupteinnahmequelle. Werbekunden können auf Suchbegriffe bieten, um als Anzeige im Umfeld der Trefferliste zu erscheinen - genau zu dem Begriff, den der Nutzer sucht. Dabei können Werbekunden passgenau festlegen, wann die Anzeige ausgespielt werden soll, z.B. dass ein Pizzaservice aus Saarbrücken nur Saarbrücker Nutzern angezeigt wird. Basis zu deren Berechnung sind die Nutzerdaten, die Google vorliegen.

Mehr als eine Suchmaschine

Diese bezieht der Weltkonzern aus ganz verschiedenen Quellen, denn Google ist längst nicht mehr nur Suchmaschine. Mit seinem mobilen Betriebssystem Android ist die ehemalige Garagenfirma ein großer Player auf dem Mobilfunkmarkt. Auch Youtube gehört Google und viele weitere Dienste wie GMail, Google Maps. Wer ein Google-Konto hat, kann alle möglichen Angebote nutzen, auf allen Geräten - und liefert Google dadurch umfassende persönliche Informationen, praktisch miteinander verknüpft.

Googles Umgang mit Nutzerdaten sorgt immer wieder für Empörung, wie gerade wieder die Sammlung und Speicherung von Standortdaten selbst bei deaktivierter Standortfunktion. Inzwischen hat sich das Bundesjustizministerium eingeschaltet und um Aufklärung gebeten.

Künstliche Intelligenz

Auch wenn die Suche immer noch das Kerngeschäft ist, hat Google viele weitere Projekte in Planung. Die Basis dafür ist die ständige Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI). Wie weit Google in diesem Bereich schon ist, zeigte sich im Frühjahr bei der Vorstellung des Dienstes Duplex, der menschliche Sprache schon sehr gut imitieren kann. Auch ein selbst fahrendes Auto ist seit Jahren in der Entwicklung.

Während die einen Google als Pioniere auf dem Gebiet der KI feiern, warnen die anderen vor der großen Macht, die das Unternehmen durch seine Marktanteile und seinen über 20 Jahre gesammelten Datenschatz besitzt. Googles Mission, ALLE Informationen zu sammeln, läuft beständig weiter. "Don´t be evil" ist für eine Garagenfirma jedoch leichter umzusetzen als für einen Weltkonzern.

Über dieses Thema wurde auch auf SR 1 am 04.09.2018 in der Sendung "Balser und Mark. Dein Morgen" berichtet.

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