Johann Scheerer (Foto: Stefan Schmid)

Wie ein Verbrechen eine ganze Familie traumatisiert hat

  19.04.2021 | 00:00 Uhr

Zu Gast im 'SR 1 Abendrot-Talk' ist Johann Scheerer. Er ist der Sohn von Jan Philipp Reemtsma, der 1996 für 33 Tage entführt worden war und nach Zahlung eines hohen Lösegelds freigelassen wurde. Der Autor und Musikproduzent war damals 13 Jahre alt und ist danach unter strenger Bewachung aufgewachsen. Mit SR 1-Moderatorin Jessica Werner spricht Scheerer über diese Zeit und seine Musik.

Abendrot-Talk

Montag, 19.04.2021
20.04 - 21.00 Uhr
Jessica Werner im Gespräch mit
Johann Scheerer
Musiker, Produzent und Autor

Johann Scheerer hat zwei Bücher geschrieben: 'Wir sind dann wohl die Angehörigen' und 'Unheimlich nah', in denen er die Zeit der Entführung und die danach verarbeitet. Immer auch auf der Suche, das Verbrechenstrauma zu überwinden. Im 'Abendrot Talk' redet Johann Scheerer mit SR 1-Moderatorin Jessica Werner über die Sprachlosigkeit, die sich nach diesem Verbrechen über die Familie legt. 

"Mein Vater selbst aber war fort", schreibt Johann Scheerer an der berührendsten Stelle seines aktuellen Buches: "Vor ein paar Jahren war er zurückgekommen, hatte aber einen Teil von sich nicht wieder mitgebracht. Nun suchte er unaufhörlich danach, ohne es selbst zu merken."

Zudem spricht Johann Scheerer mit SR 1-Moderatorin Jessica Werner darüber, wie er die Zeit als Heranwachsender unter Bewachung erlebt hat, über seine Liebe zur Musik, seine Familie und die ständige Bedrohung, die sich seit der Entführung seines Vaters über sein Leben gelegt hat. 



Unheimlich nah - Johann Scheerer (Foto: Piper)

Buchtipp

Johann Scheerer:
'Unheimlich nah'
Piper Verlag
22,- Euro

Dieser Coming-of-Age-Roman ist eine Offenbarung: Auf sehr selbstironische und komische Art schreibt Johann Scheerer über den Wunsch nach Freiheit und Normalität. Während zu Hause nichts mehr ist wie früher, aber keiner darüber spricht, kann Johann keinen Schritt vor die Tür tun, ohne ihn vorher anzukündigen.

Sobald er im Freien ist, steht er unter Beobachtung. Genau diese Überwachung muss er aber vor Freunden, in der Schule, bei Nebenjobs und Dates und auf Partys verheimlichen. Das scheint sogar zu gelingen: Er findet eine Freundin, probt mit seiner Band und bekommt einen Plattenvertrag.

Aber er gerät ständig in groteske und peinliche Situationen, weil er gezwungen ist, unehrlich zu sein. Die Ausreden, Halbwahrheiten und Notlügen drohen ihn zu erdrücken. Kann er diesem Lügenleben entkommen?

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