ADAC Kindersitztest (Foto: picture alliance/Guido Kirchner/dpa)

Kindersitze im Test

  23.10.2018 | 00:00 Uhr

Schon ein Auto-Aufprall mit Tempo 30 kann tödlich sein. Ein Autokindersitz soll deshalb die Kleinen schützen. Aber tut er das auch? ADAC und Stiftung Warentest nehmen regelmäßig Kindersitze unter die Lupe. Im aktuellen Test sind nur zwei Modelle durchgefallen.

Insgesamt wurden 31 verschiedene in Deutschland erhältliche Babyschalen und Kindersitze unterschiedlicher Größe für verschiedene Alters- und Gewichtsklassen getestet. Sie wurden insbesondere auf ihre Sicherheit, Bedienung, Ergonomie und den Schadstoffgehalt hin untersucht. 27 Modelle haben dabei die gesetzlichen Vorschriften zum Teil deutlich übertroffen und mit „befriedigend“ oder besser abgeschnitten, zwei weitere waren „ausreichend“.

Es muss nicht der teuerste Kindersitz sein.
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Es muss nicht der teuerste Kindersitz sein.

Testsieger

„Sehr gut“, und damit Spitzenreiter: die Babywanne „Maxi-Cosi Jade + 3wayFix“, die vor allem in der Kategorie Sicherheit punktet. Allerdings zählt die Babyschale mit einem Preis von 420 Euro zu den teuersten Produkten ihrer Klasse; zudem kann sie nur in den ersten sechs Lebensmonaten (bis 70 cm Körpergröße) genutzt werden.

Testverlierer

Zwei Modelle waren im Test „mangelhaft“:
Beim „Chicco Oasys i-Size Bebecare“ gab es ein Sicherheitsdefizit: Beim Frontaufprall wurde das Gurtschloss aus der Sitzschale gerissen und der Kinder-Dummy herausgeschleudert. Im Ernstfall ein enormes Verletzungsrisiko. Der Hersteller wurde bereits über das Testergebnis informiert und liefert nach eigenen Angaben nur noch eine überarbeitete Version aus.
Der „Maxi-Cosi TobiFix“ ist durch einen gesundheitsgefährdenden Stoff aufgefallen: Im Bezugstoff wurde das Flammschutzmittel TCPP in zu hoher Konzentration festgestellt.

Gutes muss nicht teuer sein

Die Preise der Kindersitze bewegen sich immer mehr nach oben. Der Großteil der aktuell getesteten Modelle ist nicht unter 200 Euro zu haben. Für die teuersten muss man sogar über 500 Euro bezahlen. Ein hoher Preis ist allerdings keine Garantie für gute Qualität. So zählt der im Test durchgefallene „Chicco Oasys i-Size“mit 400 Euro zu den teureren Modellen in seiner Klasse zählt. Gleichzeitig gibt es aber auch Kindersitze für unter 100 Euro, die im Test gut abgeschnitten haben, wie der „Nania Beone SP“ oder der „Britax Römer Adventure“.

Kindersitze mit Alarmsystem

Vier der getesteten Modelle sind mit einem optionalen Alarmsystem ausgestattet, das verhindern soll, dass Kinder im Auto vergessen werden. Der ADAC rät davon aber eher ab. Die Tester befürchten unter anderem, dass sich Eltern zu sehr auf das Alarmsystem verlassen könnten.

Kindersitze in allen Altersklassen

Inzwischen kommen immer mehr Sitze in den Handel, die sich vom Säuglings- bis ins höhere Kindesalter verwenden lassen. Die meisten konnten im Test mit „gut“ oder „befriedigend“ abschneiden. Der Nachteil: Das Kind kann im Sitz nicht außerhalb des Autos befördert werden.

Worauf man beim Kauf achten sollte

Sich vorab informieren

Als Laie kann man nur schwer beurteilen, ob die verwendeten Materialien oder die Konstruktion in Ordnung sind. Daher sollen die Tests den Verbrauchern eine Orientierung bieten.

Probesitzen

Grundsätzlich sollte man mit Kind und Auto zum Händler fahren und die zur Wahl stehenden Modelle ausprobieren. Denn der Kindersitz sollte nicht nur ins Auto passen, sondern auch gut und einfach zu handhaben sein und: das Kind sollte sich auch darin wohl fühlen!

Auf Prüfsiegel achten

Ganz wichtig: Beim Kauf auf das Prüfsiegel ECE R 44 mit der Prüfnummer 03 oder 04 achten. Der orangefarbene Aufkleber garantiert, dass der Sitz nach der neuesten Norm getestet und zugelassen ist. Sitze der älteren Norm EC 44 01 oder 02 sind seit einigen Jahren verboten. Die i-Size-Kindersitze haben auch eine Prüfnorm. Sie sind mit ECE R 129 gekennzeichnet. Das ist eine internationale Norm, die mittlerweile in mehr als 60 Staaten gilt.

Sicherheit vor Design

Die meisten Kindersitze sind in verschiedenen Ausführungen zu haben. Zur Wahl stehen: Farbe, Bezugsstoff und Dekor. Auch das beeinflusst den Preis. Für die Sicherheit spielt das Dekor jedoch keine Rolle.

Vorsicht bei gebrauchten Autokindersitzen

Kindersitze sind teuer. Doch von gebrauchten Modellen aus dem Internet oder auch aus dem Laden rät der ADAC ab. Denn in solchen Fällen kennt man die Vorgeschichte des Sitzes nicht.

Gebrauchte Autokindersitze sollte man nur verwenden, wenn man die Herkunft kennt und beurteilen kann, dass der Vorbesitzer gut mit dem Produkt umgegangen ist. Außerdem sollte man darauf achten, dass alle Gurte und Polster und auch die Gebrauchsanleitung vorhanden sind. Und dass der Sitz unfallfrei ist!

Einen leichten Unfall mag ein Kindersitz verkraften können, aber im Zweifel sollte der Kindersitz nach einem Unfall lieber ausgetauscht werden. Zumindest sollte ein Sachverständiger den Sitz begutachten und danach entscheiden, ob er noch brauchbar ist. Ein Laie kann das in der Regel nicht beurteilen. Denn Haarrisse im Material können den Sitz unsicher machen. Im Falle des Falles wird geraten, die Gurte zu zerschneiden und den Sitz über den Händler oder eine Wertstoffsammlung zu entsorgen.

Sparen kann man dafür, wenn man sich für einen in Maßen mitwachsenden Kindersitz entscheidet. Sitze für Kinder bis 13 Kilo Gewicht etwa vereinen Babyschale und Kindersitz für kleine Kinder.


(Quelle: ADAC/test.de/2019)


Auch Thema auf SR 1 am 22.05.2019 in der Sendung "Balser & Mark. Dein Morgen".

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