Cover: Benjamin Biolay - Grand Prix  (Foto: Grand Prix)

Benjamin Biolay - Grand Prix

  13.07.2020 | 19:00 Uhr

Er ist der vielleicht erfolgreichste Popproduzent in Frankreich: Benjamin Biolay. Sein neues Album „Grand Prix“ ist schon kurz nach der Veröffentlichung ein Riesenerfolg. Und das nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland. Vor Weihnachten ist er in der Rockhal in Esch zu sehen.

Nein, den Fridays for Future-Leuten wird das nicht gefallen. Da macht der international erfolgreichste französische Pop-Produzent ein neues Album mit so eingängigem Pop, dass er mal eben den ersten Platz der Hitparade kapert. Oder sollte man besser sagen: von Null auf Hundert einfährt? Denn das Album ist den Rasern von der Formel Eins gewidmet, denen ja im Film „Grand Prix“ mit Steve Mc Queen ein Denkmal gesetzt wurde.

Ein perfekter Kombinierer wie Biolay wäre allerdings nicht zu verstehen, wenn man Dinge eindimensional nehmen würde. In „Comment est ta peine“ nimmt er sich selbst auf die Schippe und seine CO2-Bilanz. Oder die seines Alter Ego? Oder der Beschreibung des Alter Ego? Ist eigentlich auch egal. Denn hier wird Popmusik geboten, die diesen Sommer aus unzähligen Radios schallen wird - und zwar nicht nur in Frankreich.

Grand Prix, ein fröhliches Herzensding des Jungen aus den 80ern, der Britpop-Bands liebte, der im Comic Michel Vaillant oder am Fernseher seiner rasenden Helden atemlos verfolgte, der – vom Land in der Gegend von Lyon nach Paris gezogen - sich durch die großen Produktionsstudios drückte, um zu lernen. Und immer dran blieb.

Nach zwei Alben aus Buenos Aires, wo seine zweite Tochter lebt, die er wegen Corona nicht sehen kann, jetzt also Musik wie von den Artic Monkeys oder The Strokes, Stories vom Formel-Eins-Ring und aus den Boxen, Fotostrecken, die das thematisch aufgreifen, und sogar so aussehen, als wären sie damals entstanden. Und dann sowas Melancholisches wie „Interlagos“.

Und da singt dann auch seine Tochter mit, die er mit Chiara Mastroianni hat, mit dem Spitznamen Bambi versehen, Enkelin von Catherine Deneuve. Klingelt’s? Da winkt Serge Gainsbourg von der Wolke, einer, der topaktuelle Musik mit seinen ganz eigenen Texten verband und so in den Olymp des französischen Pop aufstieg.

Ist Benjamin Biolay der neue Gainsbourg? Weil auch bei ihm natürlich das zwischen Männern und Frauen nicht funktioniert? Weil auch hier eine zweifelnde, aber irgendwie sexy gedehnte Stimme, die komplett und meisterlich selbst fabrizierten Songs transportiert? Weil auch hier einer die Öffentlichkeit genießen kann und an der Nase rumführt? Weil auch hier einer alle Zutaten der Popkultur drauf hat und herrlich vermixt?

Alles das macht Biolay locker wie der gute alte Serge – und dann doch so, dass man ihm den heutigem Popdandy abnimmt. Dass er nebenbei ordentlich Geld damit verdient, das darf man ihm gönnen. Wer von Brassens und Brel die Nase voll hat, der darf diesen Sommer auf Biolay Stehblues tanzen.


Auch Thema auf SR 1 am 13.07.2020 in der Sendung 'Abendrot'.

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