Kerzen und Blumen für John Lennon (Foto: dpa)

Zum 40. Todestag von John Lennon

Christian Job  

Am 8. Dezember 1980 starb John Lennon - durch die Kugeln eines "Wirrkopfs", wie es am Abend drauf in der Tageschau hieß. Aber als Musiklegende ist man unsterblich.

John Lennon und Yoko Ono (Foto: dpa)

Welch‘ bis heute seltsame Fügung. John Lennon und Yoko Ono, in ihrer New Yorker Bleibe im Dakota Building: zwar für Fans nahbar, aber nie ohne zwei Bodyguards mit Revolver im Halfter unterwegs, diesmal ohne Beschützer. Der 25-jährige Marc David Chapman lässt sich als Fan vor dem Haus gegen 17.00 Uhr die eben erworbene Lennon-Platte "Double Fantasy" von seinem Idol signieren. Als John und Yoko am späten Abend zurückkommen, zieht Chapman eine 38er und schießt.

Mit Lennon stirbt ein Musikgenie - 23 Jahre nach einem Gemeindesommerfest in Liverpool, bei dem Lennons "The Quarry Men" einen Auftritt haben und in deren Pause ein gewisser Paul McCartney vorspielen darf und genommen wird.

Jetzt liegt Johns Brille blutverschmiert auf Straße. Mit Nickelgestell, wie es einst die Oma an hatte. Das Markenzeichen eines Brillenverweigerers, der in jungen Jahren - so erzählt es Paul - blind wie ein Maulwurf vor dem Kino schon mal mit Pappaustellern flirtet, weil er zu eitel für die Sehhilfe ist.

Ein schwieriger Zeitgenosse mit Knacks seit Kindheitstagen. Der Mann, der bei der Tante aufwächst und seine leibliche Mutter  - als er sich ihr schließlich nähern kann - durch einen Autounfall verliert. Er prügelt sich gerne, hat unzählige Affären und das Musikerleben als Beatle als Erster statt.

In New York ist John mit 40 endlich in Balance. Als ihn Chapmans Kugeln treffen, hat er den Spaß am Musikmachen gerade wieder neu entdeckt.

In Deutschland ist es Mitten in der Nacht, als die Siren heulen. Die Frühsendungen im Radio schocken die Fans mit der tragischen Nachricht. Bis die Tagesschau am Abend alles in nüchterne Nachrichtensätze packt, fließen viele Tränen.


Lesley-Ann Jones: "John Lennon. Genie und Rebell" (Foto: Piper Verlag)

"John Lennnon. Genie und Rebell"

Das Genie kann man sich bis heute mit der Musik der Beatles oder Lennon-Solosongs anhören, der Rebell wird in diesen neu recherchierten fast 500 Seiten von Lesley Ann Jones lebendig. Die Musikjournalistin, seit den 80ern mit vielen Stars unterwegs, hat alle Quellen neu sortiert und aktuelle Interviews mit Zeitzeugen gemacht, oder war vor deren Ableben eine der letzten Gesprächspartnerinnen.

Wir erfahren, wie der Beatle mit Seitensprüngen zeitlebens nie zurückhaltend war. Seine Affäre mit Alma Cogan wurde nicht wirklich geheim gehalten, erklärte damals Ehefrau Cynthia Lennon:

Schon bald hatten John und sie eine leidenschaftliche Affäre, der sie in Londoner Hotelzimmern nachgingen. Sie trafen verkleidet dort ein und trugen sich als Mr. und Mrs Winston ein.“

Wäre Alma Cogan nicht 1966 gestorben, wer weiß, ob es Yoko Ono dann geben hätte. Eines von unzähligen Details im Leben eines Zerrissen, launisch unberechenbaren Musik-Genies.

Der 82-jährige Klaus Voormann ist mit seinen nur noch sehr selten geteilten Erinnerungen eine deutsche Klammer dieses Buches. Voorman kennt Lennon, gerade in den wilden Reeperbahnzeiten in Hamburg, den unnahbaren Narzisten, aber auch den späten John, der Klaus gerne als Bassisten im Studio hat.

Sein Schlusswort ist zum 40. Todestag nach einer Achterbahnfahrt aller Lennon-Lebensstationen versöhnlich:

Wenn es einen Trost gibt, dann, dass John am Schluss im Reinen mit sich war.

David Foenkinos: "Lennon" (Foto: Penguin Verlag)

"John Lennon" - ein Roman

Die wichtigsten Fakten in Lennons Leben hat der Franzose David Foenkinos zur einer spannenden Romanbiographie verarbeitet.

"Lennon", so der Titel, spielt 1975, grad ist Johns Sohn Sean geboren, Elton John ist Patenonkel und hat ihn in den Madison Square Garden auf die Bühne gewettet, da legt sich der Beatle bei einem New Yorker Psychiater auf die Couch und öffnet sein Herz.

Allseits bekannte Ereignisse mischen sich mit Lennons Innensicht - aus einzelnen Interviews herausinterpretiert. Schaut man, wie widersprüchlich seine Aussagen im wahren Leben oft waren, sind diese erfundenen Sitzungen beim Seelenklempner durchaus plausibel und glaubhaft.


Buchtipps auf einen Blick


Lesley-Ann Jones: "John Lennon. Genie und Rebell" (Foto: Piper Verlag)

Lesley-Ann Jones
"John Lennon"

Genie und Rebell

Piper Verlag
05.10.2020
HC, 496 Seiten
ISBN-13 : 978-3492070188
Preis: 25 Euro


David Foenkinos: "Lennon" (Foto: Penguin Verlag)

David Foenkinos
"Lennon"

Roman

Penguin Verlag
13. Mai 2019
TB, 240 Seiten
ISBN- 3 : 978-3328104575



Auch Thema am 08.12.2020 in den Sendungen auf SR 1.

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja