Nicole beim Grand Prix d'Eurovision in Harrogate (Foto: dpa)

Germany: Twelve Points ...

 

Allemagne: Douze Points!  


Lieder, Künstler und Karrieren -
Ein Rückblick auf die Grand-Prix-Geschichte

Der Eurovision Song Contest kann bereits auf eine lange Geschichte zurück blicken: Deutschland war schon bei der Premiere 1956 in Lugano dabei und tritt in Kopenhagen 2014 zum 56. Mal an. Unser Land hat damit so oft wie kein anderes Eurovisionsland am Wettbewerb teilgenommen. Nur 1996 ging er ohne uns über die Bühne, weil Leons "Blauer Planet" von der Jury nicht fürs Finale zugelassen wurde.

Das glücklichste Grand-Prix-Jahr aus deutscher Sicht war 1982: Damals holte Nicole mit ihrem Lied 'Ein bißchen Frieden' in Harrogate zum ersten Mal den Sieg für Deutschland! Danach mussten wir uns 18 Jahre gedulden. Erst 2010 gelang Lena Meyer-Landrut mit 'Satellite' dieser Triumph erneut.

Was hat sich in den Jahrzehnten seit dem ersten Wettbewerb 1956 beim Schlager-Grand-Prix getan? Welche Künstler haben hier ihre Karriere begonnen? Und wie hat sich die Musik in all den Jahren verändert ?

SR 1 Europawelle blickt zurück:


Die 50er und 60er Jahre


Anfang der 50er Jahre wird der „Eurovision Song Contest“ ( ESC ), wie er auf Englisch heißt, aus der Taufe gehoben. Auf Französisch heißt der Wettbewerb übrigens „Grand Prix Eurovision de la Chanson“, weshalb man früher meist einfach vom „Grand Prix“ sprach, wenn der Wettbewerb gemeint war.

„Mutter“ des ESC ist die in den Nachkriegsjahren gegründete „ Eurovision“, ein Zusammenschluss öffentlich-rechtlicher Fernsehsender bzw. die Europäische Rundfunkunion, abgekürzt EBU.
Fernsehen war damals noch ein neues Medium und man suchte nach Möglichkeiten, das TV populär zu machen und erfand so den „ Eurovision Song Contest“. Das Zusammenschalten der einzelnen Fernsehnationen war damals übrigens eine Meisterleistung. Schließlich gab es noch keine Satelitenübertragung.

Die erste Veranstaltung fand 1956 in Lugano in der Schweiz statt. Es gewann prompt eine Schweizerin: Lys Assia, mit einem Chanson in französischer Sprache „Refrain d’amour“. In Deutschland kannte man die Dame damals schon von ihrem legendären „Oh mein Papa“ .

Die zweite Veranstaltung 1957 fand dann in Frankfurt beim Hessischen Rundfunk statt. Hier gewann die Holländerin Corry Brokken. Danach wurde entschieden, dass der folgende Wettbewerb jeweils im Siegerland des Vorjahres ausgetragen wird. Dies gilt noch heute.

Die Sendungen im Fernsehen waren stets live und auch die Orchester und Bands spielten live bis um die Jahrtausendwende auf Halbplayback umgestellt wurde.

Auch in den 60er Jahren blieb sich der ESC treu und lebte von Schlager und Chanson, als in den Hitparaden längst die Musik der Beatles, Rolling Stones oder Jimi Hendrix dominierte. So gewann beispielsweise 1966 der Österreicher Udo Jürgens mit „Merci Chérie“ , einem romantischen Stück Schlager-Chanson. Für ihn war es der Beginn seiner beispiellosen Karriere.

 


Die 70er Jahre


Der „Grand Prix“ hatte sich längst als internationales Fernseh-Mega-Ereignis etabliert, das regelmäßig ganze Nationen vor den Fernseher lockte. Zunehmend auch spielten nationale Eigenheiten und Egoismen eine Rolle. Vor allem dann, wenn eifersüchtig darauf geachtet wurde, wie die jeweiligen nationalen „Jurys“ die Sangesbeiträge der anderen Nationen begutachteten. Da traten dann schon mal die Rivalitäten von Griechen und Türken ebenso zu Tage wie angebliche „Feindschaften“ von Deutschen und Österreichern oder Belgiern und Franzosen.

Und noch etwas begann in den 70er Jahren: Jeder - so schien es - konnte unerwartet für jeden singen. So trat etwa die „deutsche“ Griechin Vicky Leandros 1972 für Luxemburg an und gewann mit einem Lied in französischer Sprache „Après toi“. Angeblich hatte ihr Vater in Luxemburg einen Musikverlag und soll auch mit den Vorausscheidungsmodalitäten damals in Deutschland nicht einverstanden gewesen sein.

Für Deutschland trat 1971 übrigens Katja Ebstein an und errang mit „Diese Welt“ einen dritten Platz. In späteren Jahren war sie übrigens noch einmal mit von der Partie und errang mit „Theater“ sogar einen zweiten Platz.

Die 70er Jahre waren auch die Zeit, in der Israel beim ESC punkten konnte. 1978 und 1979 gewann das Land gleich zweimal hintereinander.

In den 70ern war aber vor allem die Gruppe ABBA mit „Waterloo“ herausragend. Für sie war der „Grand-Prix“-Gewinn der Start einer beispiellosen Weltkarriere. 


Die 80er Jahre


Ein irischer Sänger - Johnny Logan - gewinnt in den 80ern gleich zweimal und hilft so mit, die Iren zu den ESC-Rekordgewinnern aller Zeiten zu machen.

Aus deutscher Sicht allerdings waren die 80er vor allem durch den Erfolg der Saarländerin Nicole geprägt. Die damals 17-Jährige gewann 1982 im englischen Harrogate mit dem Lied „Ein bißchen Frieden“, komponiert wie viele andere deutsche ESC-Erfolge von Ralph Siegel. Auch für Nicole begann damit ein schönes Schlager-Märchen mit nationalen und auch internationalen Erfolgen.

Die Künstlerin ist nach wie vor gefragt wie nie und wird sogar bei Wikipedia mit einer eigenen Website gewürdigt, die akribisch auch die - in Deutschland weithin unbekannten - Erfolge der Sängerin z.B. in Asien dokumentiert.

Aus saarländischer Sicht ebenfalls interessant: Vier Jahre nach Nicole trat 1986 eine zweite Saarländerin ebenfalls beim ESC an: Ingrid Peters, die sich mit „Über die Brücke geh’n“ einen respektablen achten Platz ersang.


Die 90er Jahre


In den 90er Jahren erlahmt das Publikumsinteresse am „Eurovision Song Contest“. Politisch gilt viel Aufmerksamkeit der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Fall des Kommunismus in Osteuropa. Und im Fernsehen tummelen sich überall neue Privatsender. Aber der ESC findet brav weiter statt. Deutschland landet 1995 mit dem Retortenduo „Stone & Stone“ einen absoluten Flop und bekommt gerade mal einen barmherzigen Jury-Punkt von der Mittelmeerinsel Malta.

Erst 1998 passiert hier wieder etwas: Der Schlager-Rebell Guildo Horn macht mächtig Wind, begeistert das deutsche Publikum seit Jahren erstmals wieder für den „Grand Prix“ und erringt in Birmingham immerhin einen siebten Platz mit „Guildo hat euch lieb“.

1997 steigt übrigens Italien endgültig aus dem Wettbewerb aus, weil das eigene „San Remo Festival“ den Italienern einfach wichtiger ist.

Bemerkenswert noch in den 90ern, dass 1998 Dana International - ein Transvestit aus Israel - gewinnt und 1999 die Pflicht zur Nationalsprache abgeschafft wird. Viele Sprachen kleiner Länder klangen für das große europäische Publikum einfach zu exotisch.

 


Die 2000er Jahre


Stefan Raab gab mit „Wadde hadde dudde da“ im Jahr 2000 den Eurovisions-Jockey für Deutschland und sicherte sich immerhin einen guten fünften Platz. Gewinner des „Grand Prix“ 2000 waren übrigens die Olsen Brothers, ein gestandenes Männer-Duo aus Dänemark. Auch das war also möglich bei einem „Grand Prix“.

2003 siegte dann eine schöne Türkin, Sertab Erener, mit dem englisch gesungenen „Everyway what I can“. Eine ganze Nation lag ihr zu Füssen. Sie gesellte sich zu anderen Gewinnern aus neueren ESC-Nationen wie Estland 2001, Lettland 2002 und der Ukraine 2004. Bemerkenswert 2006 auch der schräge Vogel Lordi aus Finnland mit seinem „Hard Rock Halleluja“.

2007 aus deutscher Sicht schöne Musik, aber ein Misserfolg mit Roger Cicero, der auf Platz siebzehn abrutschte. Nur noch getoppt von den No Angels 2008 mit Platz dreiundzwanzig. Auch das ist in den vielen „Eurovision“-Jahren immer wieder passiert, dass nationale Stars beim europaweiten Wettbewerb versenkt werden. 

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