Die Toten Hosen vor ihrem grellbunten Tourbus. (Foto: SWR/JKP)

40 Jahre Die Toten Hosen und die Wahrheit über ein Geheimkonzert

  14.04.2022 | 00:00 Uhr

Kurz nach ihrer Gründung 1982 führte die westdeutsche Punk-Band 'Die Toten Hosen' die Stasi an der Nase herum: Campino & Co. gaben ein Geheimkonzert in einer Kirche, mitten in der damaligen DDR. In dem Dokumentarfilm 'Auswärtsspiel - Die Toten Hosen in Ost-Berlin' wird dieses Ereignis nun zum ersten Mal umfassend erzählt: als Doku im Ersten, als dreiteilige Serie in der ARD-Mediathek. Und eine Podcast-Serie in der ARD-Audiothek erzählt die Geschichte der Band mit der Band!

Statement gegen das System

2022 feiern 'Die Toten Hosen' ihr 40. Band-Jubiläum. Schon kurz nach ihrer Gründung an Ostern 1982 führten die westdeutschen Punk-Helden die Stasi an der Nase herum und gaben der ostdeutschen Jugendkultur einen entscheidenden Impuls. In ihrem grellbunten Tourbus machten sich Die Toten Hosen auf in Richtung Ost-Berlin - im Gepäck das richtige Maß an jugendlichem Leichtsinn und Abenteuerlust.

Die wilde Kombo aus dem Westen witterte die Chance, gemeinsam mit den Ost-Punks jenseits der Mauer ein Statement gegen das System zu setzen. Und so spielten die Musiker Campino, Andi, Breiti, Kuddel und Trini ein heute legendäres Geheimkonzert in einer Kirche, mitten in der damaligen DDR.

Kirchliche Veranstaltung mit musikalischer Untermalung

In 'Auswärtsspiel - Die Toten Hosen in Ost-Berlin' wird die kaum bekannte Geschichte dieser unglaublichen Reise nun zum ersten Mal umfassend erzählt. Mit entdeckendem dokumentarischem Blick folgt der Film bisher vergessenen Hinweisen, spürt unmittelbar Beteiligte auf und fördert ungewöhnliche Momente zu Tage.

Punk ist damals in beiden deutschen Staaten ein neues Phänomen. In der DDR gründet sich die Band 'Planlos' um Sänger Michael 'Pankow' Boehlke und Schlagzeuger Bernd Michael Lade, der wesentlich später Karriere als ARD-Tatort-Kommissar machen sollte.

Ein Auftritt mit staatlicher Genehmigung ist unmöglich und wäre für die Punks auch keine Option. Ebenso wenig wie für Die Toten Hosen, die im Westen schon erste Bekanntheit genießen, als sie von der Möglichkeit erfahren, in Ost-Berlin mit 'Planlos' illegal aufzutreten: ein Geheimkonzert, getarnt als 'kirchliche Veranstaltung mit musikalischer Untermalung'.

Der gemeinsame Auftritt wird für die Punkszene im Osten zu einem wichtigen motivierenden Zeichen der Solidarität. Doch wie sollen Die Toten Hosen über die Grenze kommen, was ist mit ihren Instrumenten? Das Risiko ist hoch, vor allem für die Punks in der DDR. Denn die Stasi hat sie längst im Visier... .

Auf Zeitreise

Die Toten Hosen erinnern sich noch heute lebhaft an die verdeckte Einreise unter falscher Flagge und begeben sich für den Film noch einmal auf denselben Weg wie damals. Nach 40 Jahren treffen sie so erstmals wieder auf die Mitglieder von 'Planlos', die nach dem Konzert von der Stasi verfolgt und drangsaliert worden waren.

Die Dokumentation macht den verwegenen Trip in die DDR neu erlebbar: Exklusive Interviews, seltene Archivaufnahmen und emotionale Begegnungen zeigen, wie sich Punks in Ost und West gegen die Diktatur verbündeten und wie die Stasi versuchte, die Bewegung zu unterwandern.

Fast so lange wie die Hosen Rocklegenden sind, ist die DDR nun schon Geschichte. Ihr 'Auswärtsspiel' in der DDR war ein deutsch-deutsches Abenteuer, das eine ewig aktuelle Frage stellt: anpassen oder aufbegehren?

Die Toten Hosen auf allen Kanälen

Dokumentarfilm

Die 75-minütige Dokumentation 'Auswärtsspiel: Die Toten Hosen in Ost-Berlin' wurde am 13. April um 22.50 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Seit dem 10. April ist bereits eine Serie mit drei Folgen von jeweils 30 Minuten in der ARD-Mediathek abrufbar.

Podcast

Darüber hinaus gibt es in der ARD-Audiothek einen Podcast über die Band: '1LIVE Ikonen – Die Toten Hosen'. Die zehn Folgen gehen vom 6. April an jeweils mittwochs online.

Zum 40. Jubiläum der Toten Hosen erzählt 1LIVE zusammen mit den Musikern die Geschichte der Düsseldorfer Band. Zwei Tage lang hat Musikjournalist Jochen Schliemann mit Andi, Breiti, Kuddel, Vom und Campino über die vergangenen vier Jahrzehnte gesprochen. Aus diesen intensiven Gesprächen und Stimmen von Wegbegleitern und Wegbegleiterinnen sowie Künstlern und Künstlerinnen wie Marteria und Jürgen Klopp, Fans und vielen anderen ist ein Podcast entstanden, der eine einzigartige Band zeigt.

Wobei für Podcasthost Jochen Schliemann fest steht: "Die Toten Hosen sind mehr als eine Band. Dieses scheinbar unendliche dicke Freundschaftsband zwischen Andi, Breiti, Vom, Kuddel, Campino und allen um sie herum, hat mich sehr beeindruckt. Sie sind eine Familie, inklusive der Fans“.

Anfang der 1980er gaben "Die Toten Hosen" zusammen mit "Planlos" aus der DDR illegale Geheimkonzerte in einer Ostberlin Kirche. Nach fast 40 Jahren blicken die Punk-Bands zurück. v.li.: Andreas von Holst, genannt Kuddel, Gitarrist und Songwriter der "Toten Hosen", Campino, Frontmann der "Toten Hosen", und Andi Meurer, Bassist und Songwriter der "Toten Hosen" (Foto:  SWR/ECO Media TV/ Carolin Ubl)

„Der nicht auszudenkende Weg dieser Band von rebellischen Schulkindern über kunterbunte Systemfehler bis hin zu reflektierten Rockstars ist unglaublich", so Jochen Schliemann weiter. "Es gibt reihenweise Anekdoten zum Niederknien. Der Podcast ist aber auch eine Geschichte über das Leben an sich; den Tod, die Liebe und gern noch einmal: Freundschaft.“ Er gibt Einblicke in die Triumphe und Abstürze, Zweifel und ungeahnten Erfolge der Band und zeigt, wie sie die deutsche Musiklandschaft geprägt hat.

Podcasthost Jochen Schliemann ist Musikjournalist, Buchautor, Podcaster. Er arbeitet seit über 20 Jahren in den Medien, unter anderem für den WDR und den 'Rolling Stone'.


Auch Thema in den Sendungen von SR 1.

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