Jean Michel Jarre  (Foto: Sony Music / Tom Sheehan (c) EDDA)

Jean-Michel Jarre veröffentlicht 'Equinoxe Infinity'

  04.01.2019 | 19:00 Uhr

Der Franzose Jean-Michel Jarre hat Musikgeschichte geschrieben: Anfang der 70er Jahre hat er den Synthesizer entdeckt und mit ihm effektvolle, sphärische Sounds konstruiert. 1976 dann der große Durchbruch mit dem Konzeptalbum „Oxygene“. 2016 hat er davon eine moderne Fortsetzung produziert. Die gibt es jetzt auch von seinem zweiten Album "Equinoxe".

Jean Michel Jarre 1977 im Studio (Foto: Sony Music / JMJ Studio Aero Productions)
Jean Michel Jarre 1977 im Studio

1978 kam „Equinoxe“ auf den Markt, und daraus wurde jetzt „Equinoxe Infinity“. Über 40 Jahre ist Jean-Michel Jarre jetzt im Geschäft, aber so kreativ wie im Moment war er selten:
"In den letzten Monaten war ich sehr produktiv. Ich hatte vorher eine längere Zeit, in der es mir nicht so gut ging. Aber durch so ein Tal gehen ja viele. Dann habe ich die Fortsetzung von „Oxygene“ gemacht, „Oxygene Three“. Und es gab noch fünf weitere Projekte, mit denen ich mich in den letzten drei Jahren beschäftigt habe. Jetzt ist es „Equinoxe Infinity“."


Beim Original hat sich Jean-Michel Jarre damals von der technischen Entwicklung inspirieren lassen. Und diesen Ansatz hat er auch hier wieder weiterentwickelt: "Das Original von „Equinoxe“ habe ich geschrieben, da war gerade der erste Mensch auf dem Mond gelandet. Es war kurz nach dem Stanley-Kubrick-Film „2001 - Odysee im Weltraum“. Man hat sich damals immer mehr mit der Zukunft beschäftigt. Was würde wohl nach dem Jahr 2000 alles passieren? Würden die Autos dann fliegen und wir alle würden in einer Science-Fiction-Welt leben? Natürlich ist es nicht so gekommen, aber die Menschen sind heute wieder sehr an der Zukunft interessiert. Ganz besonders zum Beispiel durch das, was die neue Künstliche Intelligenz zu bieten hat."


Fast 20 Studioalben hat Jean-Michel in den Jahren aufgenommen, aber auf dieses zweite Album war er damals richtig stolz - und das geht ihm bei der neuen Version genauso. „Equinoxe“ das war ein musikalischer Tagesablauf, den er hier nachgezeichnet hat: "Dieses Projekt, „Equinoxe Infinity“, hat mich wirklich sehr glücklich gemacht. Es entspricht genau dem, was ich vorher im Kopf hatte. Das kann ich leider nicht von jedem meiner Alben behaupten. Es ist ein Projekt, das man im Ganzen hören sollte und nicht nur stückchenweise. Dann macht diese Produktion Sinn. Diese Platte, das bin Ich! Damals beim ersten Album war ich mehr oder weniger in der gleichen Verfassung, aber ich habe natürlich mit anderen Handwerkszeugen gearbeitet und mit anderen Erfahrungen aus meinem Leben, aber das was du da hörst bin immer noch Ich!"

Jean-Michel Jarre - Equinoxe 3 (Foto: sonymusic)


1978 hat Jean-Michel Jarre "Equinoxe" veröffentlicht. Er ist mit Synthesizern groß geworden und hat in fast 40 Jahren viele technische Entwicklungen miterlebt. Der Tiefpunkt war für ihn übrigens, als damals die Vinyl-Platte von der CD abgelöst wurde:
"Das Schlimmste war ja, das alle gedacht haben, die CD wäre ein großer Sprung in der Tonqualität. Die Zeit hat aber gezeigt, dass es leider nicht so war. Dann kam die MP3-Datei, die war genauso schlecht! Im Moment wird es besser durch den High-Definition-Sound. Mit diesem HD-Klang hört es sich ein bisschen besser an als auf Vinyl. Aber dafür haben wir auch 40 Jahre gebraucht. Es war kein Schnellschuss wie bei der CD. Auch die Aufnahmetechnik hat sich natürlich verändert. Aus den großen Computern wurden kleine Laptops. Jetzt kannst du überall komponieren, produzieren und deine Musik veröffentlichen. Das ist eine große Chance."


Mit technischen Fragen hat sich Jean Michel Jarre auch vor der Produktion von "Equinoxe Infinity" beschäftigt. Er hat aber einen guten Weg gefunden: "Als ich dieses Projekt angefangen habe, wollte ich erst mit den Instrumenten arbeiten, die ich schon damals benutzt habe. Das war aber keine gute Idee. Für dieses neue „Equinoxe-Projekt“ musste man auch mit neuen Instrumenten von heute arbeiten. Um die Verbindung zum Original-Album herzustellen, habe ich also analoge Instrumente „re-mixed“, aber auch neue digitale Instrumente benutzt."


In den letzten Jahren hat Jean Michel auch zwei Alben gemacht, die nicht unbedingt typisch waren. Das Projekt nennt er „Electronica“ und hier arbeitet er mit ganz unterschiedlichen Künstlern zusammen. Auf den ersten beiden Platten waren Leute wie Vince Clark, Cindy Lauper oder die Pet Shop Boys dabei. Wie sieht es damit in Zukunft aus? Jean-Michel: "Ich arbeite an einigen Sachen und ich habe auch das „Electronica-Projekt“ sehr genossen. Das möchte ich nebenbei natürlich weiter entwickeln, neben meinen eigenen Studio-Produktionen. Dieses Schreiben von Liedern in Zusammenarbeit mit guten Künstlern und Komponisten wird wohl im nächsten Jahr mein neues Projekt werden."


Auch Thema auf SR 1 am 4.1.2019 in der Sendung 'Absolut Musik' .

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