Kinder in der Kita Kleinblittersdorf (Foto: Lena Schmidtke/SR)

Kitas sind im eingeschränkten Regelbetrieb

Lena Schmidtke / Onlinefassung: Axel Wagner   07.01.2021 | 17:02 Uhr

„Die Schulen und Kitas sind geschlossen“, heißt es immer wieder. Doch das stimmt nicht: In der Kita Kleinblittersdorf beispielsweise gibt es einen eingeschränkten Regelbetrieb.

Imaginäre Schnitzel und Kuchen werden gerade gebraten und gebacken, mit dem Fußball im Innenhof gekickt oder auf dem Klettergerüst rumgeturnt – in der Kita Kleinblittersdorf e.V spielen gut 20 Kinder in Kleingruppen.

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Kitas im eingeschränkten Regelbetrieb
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 07.01.2021, Länge: 02:58 Min.]
Kitas im eingeschränkten Regelbetrieb

„Bis heute Morgen wussten wir nicht, dass wir nicht mehr in der Notbetreuung sind, sondern im eingeschränkten Regelbetrieb, was durch die Aussage ‚die Kitas sind geschlossen‘ sehr zur Verwunderung beigetragen hat“, sagt die stellvertretende Leiterin Kerstin Ratzel. In der Kita herrscht große Unsicherheit, eine klare Ansage der Politik fehlt. „Infos wären schön gewesen.“

Seit Montag kann jedes Kind wieder in die Kita kommen, ohne Ausnahme. Bloß bei den Öffnungszeiten gibt es in der Kita Kleinblittersdorf Einschränkungen: Sie hat zwei Stunden kürzer geöffnet. Heute sind 20 von insgesamt 112 Kindern da. Für nächste Woche sind pro Tag schon 40 Kinder angemeldet.

Betrieb mit voller Kinderzahl

Kita-Leiterin Klaudia Spoerhase vermutet, „dass wir wahrscheinlich wieder mit voller Kinderzahl fahren werden“. Eine Bescheinigung werde nicht benötigt. „Es gibt lediglich die Empfehlung, dass die Kinder wenn möglich zuhause betreut werden sollen, wobei nicht nachprüfbar ist, wer es kann und wer nicht. Also es kann eigentlich jedes Kind kommen. Die Einrichtung ist offen.“

Dass es einen eingeschränkten Regelbetrieb statt – wie im letzten Lockdown – einer Notbetreuung gibt, versteht sie nicht. Denn hier gebe es ein hohes Infektionsrisiko: Bei vielen Kindern auf engem Raum könnten die Coronaregeln unmöglich eingehalten werden.

Kein Abstand, keine Maske

„Abstand geht gar nicht“, so Spoerhase. „Wir tragen auch bei den Kindern keine Masken.“ Beim Kontakt mit Maske fehle den Kindern die Mimik, es verängstige sie auch. „Das heißt natürlich im Umkehrschluss: Wenn hier was auftritt, eine Infektion, dann gehen alle in Quarantäne.“

Und damit wäre wirklich keinem geholfen. Stattdessen würde sie lieber nur die Kinder betreuen, bei denen es wirklich notwendig ist. „Wir haben Bedenken, dass manche Kinder hier sind, wo auch eine andere Lösung möglich wäre, wo wir auch wissen, dass die Eltern zuhause sind und wo das Ganze schon etwas ausgenutzt wird.“

Im Stich gelassen

Die Kitas selbst können aber kein Kind ausschließen – da muss die Politik ran. „Die Regel muss wirklich ganz klar vorgegeben werden: Wer darf kommen, wo ist es wirklich notwendig? Oder aber, wer kann jetzt einfach mal sagen: Ich lasse mein Kind jetzt mal eine Woche, zwei Wochen zuhause, bis die die Infektionszahlen oder das Infektionsrisiko einfach vermindert ist?“

Für fast alle Bereiche – private Treffen mit Freunden, den Einkauf im Supermarkt oder den Gang zum Physio – gebe es Verschärfungen. Nur bei den Kitas nicht. Klaudia Spoerhase fühlt sich im Stich gelassen. „Ich finde, das Problem wurde jetzt einfach abgewälzt auf die Bildungseinrichtungen. Die werden jetzt einfach alleingelassen, und ich finde es keine gute Lösung.“

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Nachmittag vom 07.01.2021 berichtet.

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