Bei einem Katholischen Gottesdienst mit Segnung homosexueller Paare werden Regenbogenfahnen in der Kirche hochgehoben.  (Foto: picture alliance/dpa | Felix Hörhager)

Homosexuelle in der katholischen Kirche: Was hat sich getan?

Reporter: Daniel Schlemper / Onlinefassung: Raphael KLein   24.01.2023 | 16:50 Uhr

Schwul sein, lesbisch sein, trans sein und Kirche? Passt das zusammen? 125 aktive und ehemalige Mitglieder der katholischen Kirche hatten sich vor einem Jahr mit der Aktion "#OutInChurch" geoutet. Was hat sich seitdem getan?

Homosexualität, diverse Geschlechtsidentität - all das ist in der katholischen Kirche ein schwieriges Thema. 125 queere Angestellte der katholischen Kirche haben 2022 trotzdem entschieden: Wir outen uns! "OutInChurch" nannten sie ihre Initiative. Die Aktion ist nun ein Jahr her. Was hat sich für LBTQIA+-Menschen in der Kirche seitdem geändert? Wir haben in der Gemeinde Marpingen nachgefragt.

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Homosexuelle in der katholischen Kirche: Was hat sich getan?
Audio [SR 3, Daniel Schlemper , 24.01.2023, Länge: 02:50 Min.]
Homosexuelle in der katholischen Kirche: Was hat sich getan?

Ein Outing, das vieles bewegte

Andreas ist 32 Jahre alt, Gemeindereferent in Marpingen und er ist schwul - eine Kombination die ihm lange Zeit viele Sorgen bereitet hat: "Die Angst kommt vor allem daher, dass es klare Regeln gibt, und wenn gegen diese Regeln verstoßen wird in der katholischen Kirche, dann habe ich zum Beispiel ganz konkret zu befürchten, dass ich meinen Job verliere." Einen Job, den er sehr gerne mache und zu dem er sich berufen fühle. So hatte sich Andreas 2022 in der ARD-Doku "Wie Gott uns schuf" geäußert.

100 queere Mitarbeitende der katholischen Kirche outeten sich im Film und sprachen offen über ihre Ängste. Andreas wollte sich in der Kirche schon länger outen: Er habe "eigentlich immer drauf gewartet, dass es irgendwas gibt, irgendeine Plattform", um etwas zu bewirken.

Video [aktueller bericht, 24.01.2023, Länge: 3:13 Min.]
Ein Jahr nach „OutInChurch“-Aktion

Immer mehr Menschen outen sich

Und "OutInChurch" hat etwas bewirkt: Vielen weiteren queere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat die Aktion Mut gemacht, selbst ein Coming-out zu wagen. Mittlerweile seien es über 500, sagt Andreas. Und die Gruppe wachse stetig. Deshalb sei auch die Idee entstanden, einen Verein zu gründen, "um das Ganze in eine Struktur zu bringen und besser zu handhaben."

Und noch etwas hat die Aktion erreicht: Die deutsche Bischofskonferenz hat im November eine neue Grundordnung herausgegeben. Darin steht: "Vielfalt in kirchlichen Einrichtungen ist eine Bereicherung."

Die sexuelle Identität einer Person soll jetzt keinen Einfluss mehr darauf haben, ob man für die Kirche ein "guter" Mitarbeiter ist. Wegen der eigenen Sexualität die Kündigung zu bekommen, ist vom Tisch. Für Andreas auch ein Erfolg der Aktion: "Ich würde gerne mal wissen, wie lange es gedauert hätte, wenn es OutInChurch nicht gegeben hätte."

Hürde Vatikan

Ein großes "Aber" steht aber immer noch im Raum: Aus dem Vatikan gibt es bislang kaum klare Worte, wenn es um die Gleichberechtigung von queeren Menschen geht.

Im Katechismus der katholischen Kirche findet man noch viel Homophobes. Einmal werde Homosexualität als "schlimme Abirrung" bezeichnet, an anderer Stelle stehe, dass Homosexuellen mit Mitleid zu begegnen sei, so Andreas. Andere Themen aus dem queeren Spektrum wie zum Beispiel Transidentität fehlten ganz.

Und auch beim Thema von Segnungsfeiern von gleichgeschlechtlichen Paaren sieht Andreas Handlungsbedarf. Auch hier fehle ein eindeutiges "Ja" aus dem Vatikan.


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