Kopf hoch. Das Handy kann warten (Foto: SR)

Kopf hoch! Das Handy kann warten

 

Jeder weiß es – viele ignorieren es: Das Handy beim Autofahren zu nutzen, ist gefährlich. Experten schätzen, dass jeder zehnte Unfall in Deutschland durch verbotene Handynutzung verursacht wird. SR 1 macht auf dieses wichtige Thema aufmerksam, denn jeder ist betroffen, jeder kann etwas tun.

Der Gefahr bewusst werden

Etwa vier von fünf Autofahrern nutzen laut ADAC und TÜV das Handy am Steuer. Und viele sind sich dabei wohl der Gefahr nicht wirklich bewusst. Doch wer bei Tempo 50 km/h nur mal zwei Sekunden aufs Handy schaut, der fährt 28 Meter quasi blind! Was das bedeutet, haben Christian Balser und Kerstin Mark auf dem Verkehrsübungsplatz getestet ...:

So gefährlich ist Auto fahren mit Handy am Steuer
Video [(c) SR 1, 06.11.2019, Länge: 02:41 Min.]
So gefährlich ist Auto fahren mit Handy am Steuer

Linda Zervakis macht mit
Video [N-JOY, 4.11.19, Länge: 0:52 Min.]
Linda Zervakis macht mit


Deshalb:
'Kopf hoch! Das HANDY kann warten'.


Mit dieser Aktion wollen wir die Autofahrer sensibilisieren und ihnen das Risiko und die Gefahren deutlich machen. Auch Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis unterstützt die Aktion.


Hände weg vom Handy

Beste Strategie: Sich nicht in Versuchung führen
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Beste Strategie: Sich nicht in Versuchung führen
Was könnte man auf einer längeren Autofahrt alles erledigen! Tickets bestellen für das Konzert, von dem die im Radio gerade erzählt haben, oder schnell schauen, ob jemand auf die Instagramstory reagiert hat. Verlockend. Tödlich. Aber warum sind wir oft so unvernünftig? Professor Roland Brünken ist Psychologe an der Universiät des Saarlandes und erforscht die Prozesse, die im Hirn ablaufen, wenn wir Auto fahren. SR 1-Moderatorin Kerstin Mark hat mit ihm gesprochen.


WEITERE INFORMATIONEN
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ADAC fordert mehr Kontrollen + Verkehrskontrolle in Saarlouis + Handy am Steuer: Nur im Fahrsimulator! + So teuer kann's werden + Strafen in anderen Ländern + Polizei darf das Handy auswerten + Auf frischer Tat ertappt + Handy-Psychologie + Unfall-Erinnerungen + Fahrlehrer warnen


Zwei Sekunden Handy - 28 Meter blind

77,1 % der Autofahrer nutzen nach Angaben des ADAC und des TÜV Süd das Handy am Steuer. 28,9 Prozent sind dabei schon in Gefahrensituationen geraten. Wer bei 50 Stundenkilometern Geschwindigkeit nur zwei Sekunden lang abgelenkt ist, fährt 28 Meter blind. Das ist mehr als die Länge eines Tennisplatzes. Auch andere Tätigkeiten wie Trinken oder die Brille aus dem Etui nehmen lenken ab. Bei einem Versuch des ADAC hätten 76 Prozent der Teilnehmer nicht rechtzeitig vor einem plötzlich auftretenden Hindernis bremsen können.

77,1 % der Autofahrer nutzen das Handy am Steuer, 28,9 Prozent sind schon in Gefahrensituation geraten (Foto: SR)

So gefährlich wie Alkohol

Während der Fahrt eine Nachricht zu schreiben, sei genauso gefährlich wie eine Fahrt mit 1,1 Promille, sagt Verkehrspsychologe Prof. Dr. Mark Vollrath von der TU Braunschweig. Die Unfallgefahr sei während der Handynutzung sechs bis sieben Mal höher als normal. Auch telefonieren oder Sprachnachrichten aufnehmen lenkt schon ab, wenn auch weniger gravierend als tippen, da der Blick auf die Straße gerichtet bleiben kann.

Während der Fahrt eine SMS zu schreiben, ist so gefährtlich wie eine Fahrt mit 1,1 Promille. (Foto: SR)

Handy am Steuer ist teuer

Seit der Änderung der Straßenverkehrsordnung 2017 ist klar geregelt: Nicht nur das Telefonieren mit dem Handy am Ohr am Steuer ist verboten, sondern auch sämtliche anderen Funktionen von Mobil- und Autotelefonen dürfen nicht verwendet werden. Dazu gehören Nachrichten tippen oder lesen, Anrufe ablehnen oder auf dem Display nach der Uhrzeit schauen. Auch andere elektronische Geräte wie z.B. Tablets, E-Books, Smartwatches, Notebooks und Navigationsgeräte fallen grundsätzlich unter das Verbot. Und: Es gilt auch für Radfahrer.

Displaygeräte dürfen nur dann benutzt werden, wenn sie sich in einer Halterung befinden, und auch dann nur für eine "kurze Blickzuwendung". Wie lange diese genau ist, dazu macht der Gesetzgeber keine Angaben. Eine elektronische Einparkhilfe und ein Rangierassistent dürfen auch länger betrachtet werden, sofern man mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs ist.

Bußgelder Handy am Steuer (Foto: SR)

Wird man mit dem Handy am Steuer erwischt, kostet das 100 Euro und einen Punkt in Flensburg. Der Betrag erhöht sich auf bis zu 200 Euro, zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot, wenn durch die Ablenkung eine Sachbeschädigung entstanden oder ein Unfall verursacht worden ist. Im Einzelfall können die Bußgelder je nach Verschulden auch noch nach oben angehoben werden, erklärt der Saarbrücker Rechtsanwalt Christian Funk. Wenn es zu einem Unfall gekommen ist, kann die Polizei im übrigen ermitteln, ob das Handy zu diesem Zeitpunkt in Betrieb war und genutzt wurde.

Hände weg vom Handy, solange das Auto in Betrieb ist

Generell gilt: So lange das Fahrzeug in Betrieb ist darf man nicht zum Handy greifen. Dabei genügt es auch nicht, dass das Auto steht, zum Beispiel an einer Ampel oder am Straßenrand, wenn man sich nicht strafbar machen will. Selbst die Start-Stop-Automatik erlaubt noch keine Ausnahme. Erst wenn man mit dem Wagen die Straße verlassen hat und der Motor abgestellt ist, darf man das Handy wieder nutzen, so der Verkehrsrechtsexperte.

Übrigens: Bestraft wird die Benutzung von Telekommunikationseinrichtungen; andere Handlungen nicht unbedingt. Wer sich beim Fahren zum Beispiel schminkt, bleibt ungestraft - wenn nichts passiert. Wenn doch, dann wird er - oder sie - wegen fahrlässiger Verursachung eines Unfalls belangt.

Die Kaskoversicherung ordnet Handy am Steuer als grobe Fahrlässigkeit ein und kann in diesem Fall ihre Leistungen kürzen. So muss man unter Umständen einen großen Teil seines Schadens selber zahlen.

Im schlimmsten Fall aber kostet das Handy am Steuer jedoch nicht nur Geld und den Führerschein, sondern sogar das Leben. Deshalb : Kopf hoch! Das HANDY kann warten.



Auch Thema in den Sendungen von SR 1 im November und Dezember 2019, sowie ab Januar 2020.

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