Die Eigenbau-Burg von Werner Daut in seinem Garten in Blieskastel-Wecklingen (Foto: Felix Schneider/SR)

Die Eigenbau-Mittelalterwelt in Blieskastel

Felix Schneider   29.05.2022 | 08:50 Uhr

Es ist ein Erholungsort in mittelalterlichem Flair – Werner Daut hat in seinem Garten eine Burg gebaut. Bereits seit rund 50 Jahren arbeitet der Mann aus Blieskastel-Wecklingen an seiner Märchenkulisse – fertig wird sie nie.

Akkurat geformte Rundbögen, spitze Türmchen mit roten Dächern, alte Steine von Efeu bedeckt – die Idylle in der Burgstraße in Wecklingen ist perfekt. Burgherr Werner Daut verbringt in seiner verwunschenen Märchenwelt den ganzen Tag – ob Sommer oder Winter:

„Wenn meine Frau arbeitet, habe ich neun Stunden Freizeit und die weiß ich mir schon zu vertreiben. Ich habe hier viele Nistkästen, kann Vögel beobachten oder Blumen pflanzen“, erzählt Daut in seiner tiefentspannten Art mit Hund Agathe auf dem Arm.

Stein auf Stein – Werner Dauts Wecklinger Burg
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 19.05.2022, Länge: 05:05 Min.]
Stein auf Stein – Werner Dauts Wecklinger Burg

Vor rund 50 Jahren kam er auf die Idee, den Hang gegenüber seines Hauses zu nutzen und begann zu mauern. In den 70ern unterstützte ihn sein Onkel bei den Arbeiten an der Burg. Anfangs nur ein kleiner Schuppen aus Holz, sind nach und nach Mauern und Türme gewachsen.

Nach Feierabend suchte Daut beim Werken hier einen Ausgleich vom stressigen Alltag als Maschineneinsteller bei Bosch. Wie genau die Burg aussehen soll, das hat der Rentner über die Jahre nie geplant. Er mauerte einfach drauf los: „Dann setzt man Stein auf Stein, bis man oben ist. Danach könnte man ja noch ein Türmchen bauen. Dann hat man das Türmchen und möchte einen Rundbogen. So kommt das über die Jahre zusammen“, erinnert sich der Burgherr mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

STEINE UND MATERIALIEN MIT GESCHICHTE

In Werner Dauts Burggarten gibt es in jeder Ecke was zu Entdecken. Alte Fenster, eine betende Maria im Schrein oder Schildkröten zwischen blühenden Blumen in einem liebevoll angelegten Beet. Was der Hobby-Handwerker verbaut, hat meist schon viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte auf dem Buckel. Einige der Steine haben schon hunderte Jahre alte Bauernhäuser zusammengehalten. Nach und nach hat sich Daut die Materialien gekauft oder Bekannte haben ihm die Bauteile vorbeigebracht.

Der 68-Jährige hat ein Händchen für Hammer und Meißel: In einer Steele aus Buntsandstein hat er sein Leben eingearbeitet und wichtige Ereignisse festgehalten. Die Geburtsdaten seiner drei Enkelkinder finden Platz, ein Porträt seines Hundes und ein großes Herz mit seinem und dem Namen seiner Frau. Gut bewacht von einem Löwenkopf und dem Hausdrachen an der Spitze des etwa anderthalb Meter hohen Steins.

GARTENPARTYS UND EIS

Seit der Burghof fertig ist, ist er immer wieder Schauplatz für lebhafte Feste. Sogar ein Eiscafé hatte Familie Daut in der Straße schon eröffnet. Heute ist Werner Daut ruhiger geworden und nutzt seine Oase zur Entspannung, wie er erzählt: „Ich freue mich, wenn ich hier hochkomme. Für mich ist das mein Ruhepunkt. Dort, wo ich mich entspannen kann. Vor allen Dingen fast nicht einsehbar und das ist sehr wichtig. Mitten im Dorf und trotzdem alleine.“

DIE BURG WÄCHST WEITER

Mit jeder Erinnerung kommt ein Stück in Dauts Burghof dazu und eine neue Idee findet ihren Platz. Ein Ende hat er nicht im Sinn – ganz getreu dem Motto seiner Großmutter: Wer rastet, der rostet.

Über dieses Thema berichtete WIMS - Das Magazin am 19.05.2022 im SR Fernsehen.

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja