Das Peloton der Tour de France 2020 auf den Champs-Élysées in Paris (Foto: picture alliance/dpa/AFP | Kenzo Tribouillard)

Ein Tourauftakt für die Geschichtsbücher?

Thomas Braun   26.06.2021 | 20:00 Uhr

Am Samstag ist in der Bretagne die Tour de France gestartet. Topfavoriten sind Titelverteidiger Pogacar und der Vorjahres-Zweite Roglic. Die Fans dürfen sich auf die Comebacks früherer Stars freuen. Der SR berichtet federführend für die ARD.

3383 Kilometer, sechs Bergetappen, zwei Zeitfahren, acht Sprintetappen - und 184 Fahrer, die um Etappensiege, Wertungen und das Gelbe Trikot kämpfen: Das sind die nackten Zahlen zur Tour de France 2021, die am Samstag in der bretonischen Hafenstadt Brest gestartet ist. Einer der Höhepunkte in drei Wochen Tour wird die Etappe über den mythischen Mont Ventoux, der in diesem Jahr gleich zwei Mal überquert werden muss.

Comeback von Froome und Cavendish

Die Tour de France dieses Jahr ist auch ein Wiedersehen mit Alt-Stars, die das Rennen in früheren Jahren prägten: So wird etwa der viermalige Toursieger Chris Froome für sein neues Team Israel Start-Up Nation am Start stehen, ebenso wird der 30-fache Etappensieger Mark Cavendish sein Comeback bei der Tour geben.

Video [aktueller bericht, 25.06.2021, Länge: 6:22 Min.]
Auftakt der Tour de France am Samstag

Während Froome weit von seiner früheren Form entfernt ist, hatte Cavendish bei der Belgien-Rundfahrt vor zwei Wochen überraschend die gesamte Sprintelite hinter sich gelassen und gezeigt, dass immer noch mit ihm zu rechnen ist. Cavendish wird aber frühestens auf der dritten Etappe zum Zug kommen. An den ersten beiden Tagen mit eher welligem Profil werden die Klassikerspezialisten im Fokus stehen.

Zwei Stars des Radsports: "Poupou" und sein Enkel Mathieu

Einer dieser Klassikerspezialisten ist der niederländische Superstar Mathieu Van der Poel. Auch wenn er erstmals bei der Tour de France am Start steht, verbindet ihn eine ganz besondere Geschichte mit dem Rennen: Er ist der Enkel von Raymond Poulidour, der als ewiger Zweiter in die Annalen der Rundfahrt einging.

In den 60er und 70er Jahren fuhr der in Frankreich nur "Poupou" genannte Poulidor acht Mal aufs Podium, ohne die Tour jemals zu gewinnen oder auch nur einen Tag das Gelbe Trikot getragen zu haben. Genau das könnte seinem Enkel Van der Poel am Samstag aber gelingen: Gleich am ersten Tag seines Debüts als Etappensieger ins Gelbe Trikot zu schlüpfen.

Die Favoriten für Gelb

Van der Poel würde das Gelbe Trikot im Verlauf der Rundfahrt wohl wieder abgeben müssen - spätestens auf den schweren Bergetappen. Aber die Tour wäre um eine besondere Episode reicher.

Wer die Tour in diesem Jahr gewinnen will, muss gut über die Berge kommen - angesichts von zwei langen Zeitfahren aber auch ein Spezialist im Kampf gegen die Uhr sein. Zu den Topfavoriten zählen der erst 22 Jahre alte Titelverteidiger Tadej Pogacar und sein slowenischer Landsmann Primoz Roglic. Aber auch das Team Ineos hat mit Geraint Thomas, Richie Porte und Richard Carapaz gleich drei potenzielle Siegfahrer im Aufgebot.

"Immer wieder ist die Vorfreude auf die Tour de France groß"
Audio [SR 3, Interview Dorothee Scharner / Uli Fritz, 23.06.2021, Länge: 04:11 Min.]
"Immer wieder ist die Vorfreude auf die Tour de France groß"

Die französischen Hoffnungen ruhen auf Julian Alaphilippe, der schon einmal bewiesen hat, dass er mehr ist als ein reiner Klassikerspezialist. Aus deutscher Sicht wäre wohl am ehesten Emanuel Buchmann zuzutrauen, vorne mitzufahren.

Angesichts der zwei langen Zeitfahren, die nicht zu Buchmanns Stärken gehören, ist er bei Bora-Hansgrohe offiziell aber nur als Helfer für den Niederländer Wilco Keldermann dabei. Offenbart Keldermann im Verlauf der Rundfahrt aber Schwächen, könnte Buchmann in die Führungsrolle rutschen.

Deutsche Fahrer mit Helfer-Aufgaben

Generell werden die zwölf deutschen Fahrer, die in diesem Jahr bei der Tour dabei sind, fast überwiegend wichtige Helferdienste übernehmen, etwa Ex-Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin für seinen Kapitän Roglic und Roger Kluge als wichtiger Sprinthelfer für den Australier Caleb Ewan.

Eine Ausnahme bildet André Greipel, der noch einmal in die Sprints reinhalten soll. Mit seinen 38 Jahren hat der elffache Tour-Etappensieger seinen Zenit aber eigentlich schon deutlich überschritten.

Keine Etappen in saarländischer Grenznähe

Die saarländischen Radsport-Fans müssen in diesem Jahr eine weite Anfahrt auf sich nehmen, wenn sie die Tour de France live verfolgen wollen: Den Osten Frankreichs haben die Organisatoren bei der Planung vollkommen außen vorgelassen. Am nächsten liegt neben Paris wohl noch das Ziel der siebten Etappe, Le Creusot, im Burgund. Aber auch bis dorthin sind es mehr als 400 Kilometer Anreise.

Grundsätzlich ist ein Besuch der Tour aber möglich - Frankreich gilt nicht mehr als Risikogebiet und hat auch seine Einreiseregeln für EU-Ausländer gelockert.

Live auf sportschau.de und im Ersten

Federführend für die ARD berichtet der SR drei Wochen im Internet und im Fernsehen live von der Tour de France, unter anderem mit Liveticker und im Livestream. Die genauen Sendezeiten finden Sie hier bei sportschau.de.

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Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 26.06.2021 berichtet.

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