Prof. Dr. Tim Meyer im Studio (Foto: SR)

Sportmediziner Meyer für allgemeine Impfpflicht

  28.11.2021 | 20:10 Uhr

Angesichts der steigenden Corona-Zahlen hat sich Sportmediziner Tim Meyer im SR-Interview für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen. Nur damit könne man die wohl kommenden, einschneidenden Maßnahmen vernünftig rechtfertigen. Die 2G+-Regel hält er für einen Fehler.

Eine Impfpflicht nur für den Fußballbereich hält Prof. Dr. Tim Meyer für kaum möglich. Dem stünden vor allem juristische Probleme entgegen, sagte er am Sonntagabend im SR-Interview. Eine allgemeine Impfpflicht kann er sich dagegen gut vorstellen.

Meyer: Nur so vernünftige Rechtfertigung möglich

„Ich persönlich wäre dafür. Insbesondere glaube ich, dass man ganz entscheidende Maßnahmen, die in den nächsten Wochen möglicherweise kommen können, eigentlich gegenüber den Geimpften nur dann vernünftig rechtfertigen kann, wenn man eine Impfpflicht danach oder davor einführt“, sagte Meyer in der „sportarena am Sonntag“.

Meyer ist Leiter des Instituts für Sport- und Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes und ist zugleich im Ärzteteam der deutschen Fußballnationalmannschaft. Außerdem leitet er die die „Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb“ der Deutschen Fußball Liga (DFL), die ein strenges Hygienekonzept für die Spiele der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga in der Corona-Pandemie erstellt hatte.

Sportmediziner Meyer für allgemeine Impfpflicht
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 28.11.2021, Länge: 05:34 Min.]
Sportmediziner Meyer für allgemeine Impfpflicht

Unter Spielern kaum Probleme

Dass deren Spiele überhaupt so weit weitergeführt werden konnten – zunächst als Geisterspiele, später auch wieder mit Fans –, ist für Meyer auf die hohe Impfquote unter den Spielern von über 90 Prozent zurückzuführen.

„Ich glaube, dass die Mannschaftsärzte augenscheinlich einen guten Job gemacht haben, denn viele Branchen wären wahrscheinlich froh, wenn eine Impfquote vorliegen würde, wie wir sie in der ersten und zweiten Bundesliga sehen“, sagte Meyer auch angesichts der Debatte um Joshua Kimmich vom FC Bayern. Kimmich hatte die Impfung aufgeschoben und sich später mit Corona infiziert.

„Kreativere Regelungen“ für Amateursport

Insgesamt, so Meyer, gebe es bei den Teams keine übermäßigen gesundheitlichen Probleme in Bezug auf Corona. „Stand jetzt gibt es, was die Sportler angeht, keine Alarmsignale.“

Dass man das Hygienekonzept auch auf den Amateursport hätte übertragen können, glaubt Meyer indes nicht. Besonders die Tests wären wohl kaum finanzierbar gewesen. Gleichzeitig hätte er sich aber von der Politik „kreativere Regelungen“ für den Amateursport gewünscht.

2G+ ein „Webfehler im System“

Hinsichtlich der Fortführung des Spielbetriebs vor Zuschauern im Stadion sagte Meyer, das müssten die Vereine zusammen mit den Behörden klären. Die 2G+-Regel, also Zutritt nur für Geimpfte oder Genesene mit Test, hält Meyer allerdings für keine gute Option.

2G+ sei „wie ein Webfehler im System“, so der Sportmediziner. „Wer 2G+ einführt, muss gleichzeitig auch sagen: ‚Leider habe ich es versäumt, für eine ausreichende Impfquote zu sorgen, und leider habe ich es versäumt, ausreichend dafür zu sorgen, dass wir alle rechtzeitig beginnen zu boostern.‘ Und im Sommer haben wir ja offenbar Impfstoff beinahe liegen gelassen.“

Über dieses Thema hat auch die „sportarena am Sonntag“ im SR Fernsehen vom 28.11.2021 berichtet.

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