Uli Fritz (Foto: Roman Bonnaire/SR)

Dennis Erdmann – „Rassist“ auf Bewährung?

Uli Fritz   13.10.2021 | 19:14 Uhr

FCS-Spieler Dennis Erdmann darf wieder spielen. Das DFB-Sportgericht hat die Sperre wegen der Rassismus-Vorwürfe nach dem Spiel gegen Magdeburg zur Bewährung ausgesetzt – in einem Prozess, bei dem alle verloren haben, wie SR-Sportchef Uli Fritz kommentiert.

So, „die Bir‘ is geschält“, wie es hier im Land heißt; Berufungsverfahren abgeschlossen, zügig sogar. Ursprüngliches Urteil – acht Spiele Sperre – reduziert auf bereits abgesessene fünf Spiele, Dennis Erdmann ab sofort wieder spielberechtigt. Ein „Teilerfolg“, sagt der 1.FC Saarbrücken.

Mildes Urteil wegen „Geständnisfiktion“

Verloren haben aber alle: Denn wenn man es streng betrachtet, nimmt sich der Erfolg für den saarländischen Drittligisten sehr bescheiden aus. Denn entscheidend bleibt: Das Gericht sieht es weiter als erwiesen an, dass Dennis Erdmann im Spiel gegen Magdeburg Gegenspieler rassistisch beleidigt hat. Dies streitet Erdmann weiter ab, äußerte aber sein Bedauern, falls es zu Missverständnissen gekommen sei.

Dies wurde mit dem Begriff der „Geständnisfiktion“ belegt, und weil deshalb die dreizehn Zeugen nicht mehr antreten mussten, erteilte das Gericht gnädig mildernde Umstände. Erdmann ist aber weiter nicht freigesprochen vom Vorwurf des Rassismus; künftig soll er keinen Trash mehr reden. Weil er es vorher offenbar getan hat.

Unrühmliche Geschichte

Verloren hat vor allem das Sportgericht des DFB. Das ursprüngliche Urteil wurde bei Aussage gegen Aussage getroffen, weil hier offenbar der Verband ein Zeichen setzen wollte gegen Rassismus. Das ist löblich, aber wenn dann einem Spieler ein Kainsmal auf die Stirn gebrannt wird, ohne dass ein solch schwerwiegendes Urteil auf Basis klarer Beweise ergeht, dann ist das eine mehr als unrühmliche Geschichte.

Im Grunde wurde ein Vergleich geschlossen. Deckel drauf. Alles auf Anfang. Und der FCS mit seiner grundsätzlichen Politik – bei Rassismus Rausschmiss – kann sagen: Die Strafe in einem ohnehin fragwürdigen Prozess wurde reduziert, da wollen auch wir mildernde Umstände gelten lassen. Erdmann darf bleiben und wird in der Abwehr auch gebraucht.

Wie schnell aber nun Gras über die Sache wächst – denn das hoffen sicher alle Beteiligten -  wird sich spätestens beim Rückspiel der Saarbrücker in Magdeburg Ende Januar zeigen. In Eiseskälte. Oder im Feuersturm.

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