Ein Fußball mit der Aufschrift "1. FCK" liegt auf dem Spielfeld des Fritz-Walter-Stadions auf dem Betzenberg in Kaiserslautern. (Foto: Uwe Anspach/dpa)

Gläubiger entscheiden über Zukunft des FCK

  28.10.2020 | 10:48 Uhr

Der 1. FC Kaiserslautern befindet sich seit dem 1. September in einem Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung. Nun entscheiden die Gläubiger über die Zukunft des viermaligen deutschen Meisters.

Zu Lebzeiten von Fritz Walter erlebte der 1. FC Kaiserslautern einige sportliche Sternstunden. Kurz vor dem 100. Geburtstag der Fußball-Legende am Samstag geht es für den hoch verschuldeten Traditionsverein bei der Gläubigerversammlung an diesem Donnerstag ab 10.00 Uhr schlicht um die Existenz. Stimmen die Gläubiger dem Insolvenzplan des Drittligisten zu, bietet das den Pfälzern die Chance zu einem Neuanfang. Lehnen sie ab, droht das Ende.

Annahme des Plans wahrscheinlich

Die Veranstaltung ist nicht öffentlich. Zutritt erhalten nur die Gläubiger, die im Vorfeld ihre Forderung bei Sachwalter Andreas Kleinschmidt angemeldet hatten. Wird der vom FCK erstellte Insolvenzplan angenommen, was im Umfeld der Roten Teufel als wahrscheinliches Szenario gilt, wäre die erst im September 2018 gegründete Kapitalgesellschaft 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA entschuldet.

Zudem würde die aus fünf regionalen Unternehmern bestehende Investorengruppe Saar-Pfalz-Invest GmbH 33 Prozent der Anteile an der Kapitalgesellschaft erwerben und dem Club im Gegenzug elf Millionen Euro zur Verfügung stellen. Das Geld fließt aber nur bei Annahme des Insolvenzplans und des damit einhergehenden Schuldenschnitts in mehreren Tranchen auf das FCK-Konto.

Geschäftsführer der Investorengruppe Saar-Pfalz-Invest sind der Chef der Homburger Firma Dr.Theiss Naturwaren, Giuseppe Nardi, und der Kaiserslauterer Unternehmer Klaus Dienes.

Bei Ablehnung müsste FCK Spielbetrieb einstellen

Vier Millionen Euro wurden bereits auf einem Treuhandkonto hinterlegt. Die Gläubiger sollen laut Insolvenzplan eine fixe Insolvenzquote von vier Prozent ihrer Forderungen erhalten – die restlichen noch offenen Schulden des FCK würden verfallen. Das Geld für die Insolvenzquote würde ebenfalls die Saar-Pfalz-Invest GmbH zur Verfügung stellen.

Sollte es wider Erwarten zu einer Ablehnung des Insolvenzplans kommen, würden die Gläubiger durch eine damit einhergehende sogenannte „Masseunzulänglichkeit“ keinen Cent sehen. Noch schlimmer: Die Kapitalgesellschaft müsste liquidiert werden und der FCK wohl den Spielbetrieb einstellen – ein Horror-Szenario.

Fünf Gruppen von Gläubigern

Die Gläubiger, die am Donnerstag abstimmen dürfen, sind in fünf Gruppen unterteilt. In Topf 1 finden sich Großsponsoren wie der Stuttgarter Finanzdienstleister Quattrex, der Luxemburger Bauunternehmer Flavio Becca oder der Unternehmensfinanzierer Kapilendo. Hinzu kommen die Bundesagentur für Arbeit, die Ticketinhaber der Saison 2019/20, nicht nachrangige Insolvenzgläubiger und Gesellschafter der Kapitalgesellschaft wie der FCK e.V. sowie bisherige Aktionäre.

Mit den wichtigsten Gruppen hatte der Verein nach zähen Verhandlungen schon im Vorfeld der Gläubigerversammlung weitgehend Einigung erzielt. Der Insolvenzplan gilt als angenommen, wenn drei der fünf Gläubigergruppen diesem mehrheitlich zustimmen. Dann wäre auch das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung erfolgreich abgeschlossen.

Um eine möglichst hohe Zustimmung zum Insolvenzplan zu erhalten, können sich Gläubiger, die eine Forderung angemeldet haben und für die Annahme stimmen wollen, aber nicht persönlich an der Versammlung teilnehmen können, per Vollmacht durch eine Rechtsanwaltskanzlei vertreten lassen.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja