Boris Nicolai von der BSG Gersweiler (Foto: SR)

Para-Boccia-Trainingscamp in Gersweiler

Thomas Braml / Onlinefassung: Axel Wagner   11.03.2019 | 19:55 Uhr

16 Monate noch bis zum großen Ziel: die Paralympics 2020 in Tokio. Dort wollen sie hin die deutschen Para-Boccia-Spieler und unter ihnen auch zwei der BSG Gersweiler. Dafür heißt es aber in den kommenden Monaten Weltranglistenpunkte sammeln. Damit das klappt, muss nicht nur intensiv, sondern auch effektiv trainiert werden – auf möglichst hohem Niveau. Dazu war die britische Para-Boccia-Mannschaft vor wenigen Tagen im Saarland zu Gast.

Neue Motivation durch neue Aufgaben: Die Briten und die Deutsche Para-Boccia-Nationalmannschaft gaben sich gegenseitig Einblick in ihr jeweiliges Trainingsprogramm. Boccia im Tic-Tac-Toe-Format – spielerisch aber zugleich sehr anspruchsvoll. Gemeinsam sich fordern und fördern – drei Tage Intensivtraining an der Landessportschule in Saarbrücken.

„Die Trainingsbedingungen sind brilliant“, lobte der britische Cheftrainer John Marchant. „Die Multifunktionshalle ist einfach top. Alles ist sauber, die Gastfreundschaft ist perfekt. Die Unterkunft hier ist auf sehr hohem Standard, und der Gastgeber, das deutsche Para-Boccia-Team, hat uns herzlich in Empfang genommen und fantastisch untergebracht.“

Stefen McGuire, Ex-Weltmeister und zugleich der aktuelle Europameister, führt das Gästeteam an, die sich ihrerseits auch im Pair-Wettbewerb die Qualifikation für die Paralympics zum Ziel gesetzt haben. Tokio im Blick haben auch die deutschen Para-Boccia-Spieler. Umso wichtiger ist es, sich möglichst häufig  international zu messen.

Video [aktueller bericht, 11.03.2019, Länge: 4:40 Min.]
Britische Para-Boccia-Mannschaft trainiert in Saarbrücken mit

Lob für die Briten

„Das sind schon mit die besten in Europa“, sagt Deutschlands Cheftrainer Edmund Minas über die britischen Gäste. „Und es hat uns auch sehr gefreut, dass die Anfrage kam, und dass wir das organisieren konnten, war schon super.“

Zur Optimierung der Leistung trägt auch Professor Doktor Hanno Felder bei. Der Trainingswissenschaftler nutzt den Lehrgang zur Beobachtung und diagnostiziert die Grundlagen-Voraussetzungen der Deutschen Spieler.

„Eine wichtige Komponente ist hier die Sitzstabilität. Die werden wir demnächst durch eine spezielle Gerätschaft überprüfen. Wir haben eine Matte, auf der wir ablesen können, wie stabil der Sportler im Rollstuhl sitzt. Je stabiler er sitzt, umso koordinierter kann er natürlich seinen Arm einsetzen.“

Ungleiche Voraussetzungen

Mit Wissenschaft, Technik, Taktik und viel Einsatz bei Training und Wettkampf ist Boris Nicolai von der BSG Gersweiler auf bestem Weg zur Qualifikation für Tokio. Er ist Weltranglistensechster im Einzel und im Pair Siebter mit seinen Partnern Anita Raguwaran und Bastian Keller aus Markgröningen, nahezu auf Augenhöhe mit den starken Briten, die sich allerdings unter anderen Bedingungen auf die Paralympics vorbereiten.

„Bei denen ist es so, dass das Vollzeitprofis sind. Die trainieren 20 bis 30 Stunden in der Woche. Bei uns ist es so, dass wir das abends nach der Arbeit trainieren, zwei bis drei Stunden. Das ist der große Unterschied, den man jetzt auch merkt: Wenn man drei Tage am Stück trainiert, fällt es denen leichter als uns, das muss man schon zugeben.“

Ungleiche Voraussetzungen auf dem Weg zum selben Ziel und dennoch haben beide Teams die Chance anzukommen.

Über dieses Thema hat auch der „aktuelle bericht“ im SR Fernsehen vom 11.03.2019 berichtet.