Hermann Neuberger 1992 (Foto: imago/Ferdi Hartung)

Hermann Neuberger – der „Macher“

  12.12.2019 | 06:30 Uhr

Heute wäre Hermann Neuberger 100 Jahre alt geworden. Der Völklinger Sohn eines Lehrerpaares galt im Saarland als „Macher“. Er brachte den saarländischen Fußball voran, war einer der Väter der Bundesliga und organisierte die Fußball-WM 1974.

„Man muss auch wissen, wenn man in einer gehobenen Position des Sportes ist, wo die Grenzen des Machbaren sind. Das hat mit der Macht nichts zu tun. Auf der anderen Seite muss man aber auch einmal sagen können: jetzt ist genug geredet.“ Hermann Neuberger war ein „Macher“, ein Kümmerer und Visionär. Kritiker sagen aber auch: Er war ein Diktator, der keine andere Meinung zugelassen hat.

Vom „Sport-Echo“ zum Sporttoto

Hermann Neuberger im Porträt
Audio [SR 3, Thomas Wollscheid, 11.12.2019, Länge: 03:00 Min.]
Hermann Neuberger im Porträt

Geboren am 12. Dezember 1919 in Völklingen-Fenne, wollte er eigentlich Dramaturg oder Regisseur werden. Der Zweite Weltkrieg verhinderte dies. Nach dem Abitur kam er zur Wehrmacht und kämpfte in Afrika und Italien, zum Schluss als Hauptmann beim Generalstab der Wehrmacht in Rom. Schließlich geriet er in britische Kriegsgefangenschaft.

Nach dem Krieg arbeitete Neuberger ab 1946 als Zeitungsredakteur beim Saarbrücker „Sport-Echo“. 1951 fing er in der Werbeabteilung der Homburger Karlsberg-Brauerei an, vier Jahre später übernahm er die Geschäftsführung der Saarland-Sporttoto-GmbH, deren Direktor er von 1961 bis 1984 war. Ab 1976 leitete er auch die Spielbank.

WM-Organisator und Sportachtel-Erfinder

Heute ist Hermann Neuberger allerdings vor allem für sein Engagement für den Saarsport und speziell den Fußball in Erinnerung. Am 25. Juli 1948 hob er in Sulzbach den Saarländischen Fußballbund (SFB) aus der Taufe, die erste selbstständige Fachgruppe im Landessportverband (LSVS), dessen gesetzliche Finanzierung, das Sportachtel, er ebenfalls erfand. Für den 2015 verstorbenen langjährigen SR-Sportchef Werner Zimmer war das Neubergers größte Leistung.

Hermann Neuberger (von links), damaliger Präsident des Organisationskomitees, Uwe Seeler und Willi Schulz, beide Alt-Nationalspieler, bei der Vorstellung des FIFA WM Pokals 1974 am 13.06.1973. (Foto: UPI/dpa-Bildfunk)
Hermann Neuberger (von links), damaliger Präsident des Organisationskomitees, Uwe Seeler und Willi Schulz, beide Alt-Nationalspieler, bei der Vorstellung des FIFA WM Pokals 1974 am 13.06.1973.

Als SFB-Präsident machte Neuberger das damals noch unabhängige Saarland zum selbstständigen Mitglied des Weltfußballverbandes FIFA – noch vor dem Deutschen Fußballbund (DFB), dessen Präsident er 1975 wurde. Vorher verantwortete er jedoch noch die Organisation der Fußball-WM 1974. „Hermann Neuberger war sicherlich einer der größten Sportpolitiker in der Geschichte des Fußballs“, sagt Franz Beckenbauer über den Völklinger.

Auch viel Kritik

Sportwissenschaftler Florian Schubert
Über Hermann Neubergers Nähe zu Nazis
Der Politik- und Sportwissenschaftler Florian Schubert erzählt von Neubergers Wehrmachtsvergangenheit und seinem Umgang mit alten Nazis.

Trotz aller Anerkennung: Neuberger hatte viele Kritiker – und das auch, weil er oft arrogant rüberkam. „In der Person wird man aufgewertet oder muss Breitseiten hinnehmen“, sagte er über sich selbst. „Wer in der Öffentlichkeit steht, muss beides vertragen können. Und ich kann mich nicht darüber beklagen, dass ich zu wenig angegriffen worden bin.“

Für Kritik sorgte etwa, als er den Besuch des früheren Wehrmachtsoffiziers Hans-Ulrich Rudel bei der WM 1978 im deutschen Trainingsquartier in Argentinien mit den Worten verteidigte, eine Kritik an Rudels Erscheinen komme „einer Beleidigung aller deutschen Soldaten gleich“. Neuberger rügte auch die Spieler des Vize-Weltmeisters Niederlande, da sie dem argentinischen Diktator Videla und den Mitgliedern der Militärjunta den Handschlag verweigerten. Den deutschen Spielern hatte er ein solches Verhalten untersagt.

Zahlreiche Ehrungen im Saarland

1977 wurde Hermann Neuberger mit dem Saarländischen Verdienstorden ausgezeichnet. Er starb 1992 in der Uniklinik Homburg an einer Krebserkrankung. Heute sind die Zentrale des DFB in Frankfurt am Main und die Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken nach ihm benannt. Außerdem tragen die Sporthalle, das Stadion und eine Realschule in Völklingen seinen Namen, und die Stadt hat ihm ein Denkmal gesetzt. Der LSVS vergibt seit 2005 jedes Jahr den Hermann-Neuberger-Preis.

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