Fußballer auf Kunstrasen (Foto: dpa)

Saarländischer Fußballverband fürchtet um Kunstrasenplätze

Sandra Schick   22.07.2019 | 12:04 Uhr

Hunderte saarländische Fußballvereine spielen auf Kunstrasenplätzen. Die Plätze sind in der Kritik: Weil sie Mikroplastik freisetzen, will die EU sie ab 2022 verbieten. Der saarländische Fußballverband warnt vor verheerenden finanziellen Folgen für die Vereine.

Von den insgesamt rund 390 Sportplätzen im Saarland sind aktuell 127 mit Kunstrasen ausgestattet. Doch ihr Fortbestand ist durch das von der Europäischen Union geplante Verbot von Mikroplastik gefährdet. Denn das sieht auch ein Verbot des Granulats vor, das auf den meisten dieser Plätze eingesetzt wird. Ab 2022 soll es nicht mehr zulässig sein.

90 Prozent der saarländischen Plätze betroffen

Die EU-Mikroplastik-Beschränkung und die Kunstrasenplätze
Audio [SR 3, Thomas Wollscheid, 23.07.2019, Länge: 02:48 Min.]
Die EU-Mikroplastik-Beschränkung und die Kunstrasenplätze

Im Saarland wären davon 90 Prozent der Kunstrasenplätze betroffen, sie wurden mit Kunststoffgranulat angelegt. Beim saarländischen Fußballverband (SFV) betrachtet man diese Entwicklung mit großer Sorge. SFV-Geschäftsführer Andreas Schwinn sagte SR.de: "Das wäre ein Riesen-Kostenfaktor, den die Vereine nicht stemmen können. Da müssten einige Vereine kapitulieren." Wenn es tatsächlich zu dieser Regelung käme, sei das Land gefordert, finanzielle Unterstüzung zu leisten.

Förderstopp für Kunstrasenplätze

Panorama
Mikroplastik: Die Gefahr im Kunstrasen
Kunstrasenplätze boomen in Deutschland seit vielen Jahren. Neue Zahlen geben allerdings Anlass zur Sorge. Forscher haben herausgefunden, dass durch Granulat auf den Sportplätzen Tausende Tonnen Mikroplastik in die Umwelt gelangen - mehr als durch die Kosmetikindustrie. Der Grüne Bundestagsabgeordnete Markus Tressel fordert ein Umdenken.

Bisher hatte das Land die Neuanlage solcher Kunstrasenplätze finanziell gefördert. Das Innenministerium hatte dazu noch vor drei Jahren mehrere Millionen Euro bereit gestellt. Nun gibt es aber einen Förderstopp für neue Bauvorhaben. Aktuell gebe es im Saarland vier Vereine, die derzeit Kunstrasenplätze im Bau haben, so Schwinn. "Dort wird geprüft, ob man die Plätze mit einem anderen Granulat-Material anlegen kann."

Zudem setzt sich der SFV zusammen mit dem Deutschen Fußballbund (DFB) für eine längere Übergangsfrist ein. "Wir wollen eine Übergangsfrist von zehn Jahren erreichen," so Schwinn. Dann hätte man einen vernünftigen Zyklus in dem Kunstrasenplätze saniert werden könnten. Bundesinnenminister Horst Seehofer will sich laut Medienberichten ebenfalls für längere Übergangsfristen stark machen. Er fordert demnach sechs Jahre.

Warum ist Kunstrasen umweltschädlich?

Das größte Problem beim Kunstrasen sind weniger die Plastikgrashalme, sondern vielmehr das Kunststoffgranulat, mit dem der Rasen aufgefüllt wird. Die kleinen Plastikkügelchen gelangen durch Regen zum Beispiel ins Abwasser oder in umliegende Bäche oder Flüsse. Auch bleiben sie an der Kleidung haften und gelangen über Waschmaschinen in die Umwelt.

Eine Alternative zu den herkömmlichen Plastikgranulaten ist biologisch abbaubares Granulat, beispielsweise aus Kork. Auch werden Sandfüllungen für zum Beispiel Golfplätze oder ein Mix aus Gummigranulat und Sand verwendet.

Verbot noch nicht final beschlossen

Ob es zu dem Verbot von Plastik-Granulat für Kunstrasensportplätze auch wirklich kommen wird, ist derzeit noch unklar. Wie ein Sprecher von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Montag mitteilte, sei das Verbot noch nicht final beschlossen. Derzeit liefe noch eine öffentliche Konsultation. Anschließend befasse sich die EU-Kommission mit dem Thema.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 22.07.2019 berichtet.

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