Philipp Wollscheid während des Trainings beim Vfl Wolfsburg (Foto: imago/ Christain Schroedter)

Die Krise des Philipp Wollscheid

Kai Forst   28.01.2017 | 18:12 Uhr

Nur drei Bundesliga-Einsätze in viereinhalb Monaten: Philipp Wollscheid steckt in einer tiefen sportlichen Krise. Und eine Besserung ist nicht in Sicht: In Wolfsburg ist der Saarländer ausgemustert - und muss dennoch mit großer Wahrscheinlichkeit bis zum Sommer bleiben.

Der Wechsel aus England im Sommer 2016 war an große Erwartungen geknüpft. Nach eineinhalb Jahren Bundesliga-Abstinenz wollte Philipp Wollscheid im Dress des VfL Wolfsburg wieder Fuß fassen im deutschen Fußball-Oberhaus. Von Stoke City ausgeliehen sollte Wollscheid der löchrigen Defensive der Niedersachsen fortan Stabilität verleihen. Doch daraus wurde nichts. Seit dem 24. September hat Wollscheid kein Bundesliga-Spiel mehr bestritten – war bei fast keinem Spiel im Kader.

"Aus heutiger Sicht bleibt er in Wolfsburg"

Eine prekäre Situation, denn ein Wechsel zu einem anderen Verein kommt laut Regelwerk für den 27-Jährigen nicht in Frage, da er in dieser Saison bereits für zwei Clubs gespielt hat: Stoke City und Wolfsburg. Lediglich ein vorzeitiges Ende des Leihgeschäftes und eine Rückkehr nach England wäre eine Option. Doch Stoke hat derzeit keinen Bedarf. Mit Ryan Shawcross und Bruno Martins sieht man sich gut aufgestellt in der Innenverteidigung. Auch Wollscheids Berater Guido Nikolay bestätigt SR.de: „Aus heutiger Sicht bleibt er in Wolfsburg. Dort hat er einen Vertrag bis Ende der Saison. Stoke hat bisher kein Interesse gezeigt.“

Hängen im luftleeren Raum

Heißt im Klartext: Sollte sich die Personalsituation im Defensivbereich bei den Engländern bis zum Ende der Transferperiode am 31. Januar nicht akut verschlechtern, wird Wollscheid den Rest der Saison mit großer Wahrscheinlichkeit auf der Wolfsburger Tribüne verbringen. Zwar betont Sportdirektor Olaf Rebbe auf Anfrage von SR.de: "Wir sind im engen Austausch mit ihm, seinem Berater und Stoke City, um eine Lösung zu finden." Doch aller Voraussicht nach wird Wollscheid weiter im luftleeren Raum hängen und bis zum kommenden Sommer ohne Spielpraxis bleiben. Es sei denn, er wird für die zweite Mannschaft in der Regionalliga Nord auflaufen.

Philipp Wollscheid im Einsatz für Stoke City (Foto: imago/ Action Plus)
Philipp Wollscheid im Einsatz für Stoke City

Das schnelllebige Profigeschäft

Wieder einmal muss Philipp Wollscheid in seiner Karriere miterleben, wie schnelllebig das Profigeschäft ist und wie rapide sich die Situation für einen Spieler ändern kann. Vom gefeierten Shootingstar bei Nürnberg und Nationalspieler bei Bayer Leverkusen, gerät seine Karriere 2014 ins Stocken. Bei der Werkself kommt er plötzlich nicht mehr zurecht und wird an Mainz ausgeliehen. Doch auch dort spielt er sich nicht in die Stammformation.

Erst ein Wechsel nach England bringt die Wende für den Jungen aus dem Nordsaarland. Auf der Insel wird er plötzlich wieder wertgeschätzt, spielt Woche für Woche. Die Fans finden ihn sogar so gut, dass sie ihm einen kleinen Song widmen. Auch in der Bundesiga wird man wieder auf Wollscheid aufmerksam. Nach verschiedenen Transfergerüchten verpflichtet ihn schließlich Wolfsburg auf Leihbasi. Und die Zeit im grün-weißen Dress beginnt vielversprechend.

Keine Chance unter Ismael

Trainer Dieter Hecking, der Wollscheid schon aus Nürnberger Zeiten kennt und schätzt, traut Wollscheid zu, die schwache Defensive der Wölfe aufzupeppen. Und in der Tat: Gleich im zweiten Spiel unter Hecking geht Wollscheid über die volle Distanz. Es folgten zwei weitere, dann war Schluss. Selbst Hecking musste erkennen, dass der 27-Jährige nach seiner Zeit in der Premier League noch nicht bereit für die Bundesliga ist. Einige dicke Patzer und die fehlende Schnelligkeit beförderten den 1,94 Meter-Mann auf die Bank und schließlich auf die Tribüne.

Der Trainerwechsel bei Wolfsburg verbesserte seine Situation nicht – im Gegenteil. Unter Valerien Ismaël war er leiglich einmal im Kader - kam aber nicht zum Einsatz. Seit mehr als drei Monaten wartet Philipp Wollscheid nun also darauf, wieder einmal Fußball zu spielen. Eine frustrierende Situation für einen Profi, die sich sogar noch verschlimmerte. Ende des Jahres wurde Wollscheid suspendiert, weil er sich offenbar im Ton gegenüber einem Mitarbeiter des Trainerstabs vergriff. Ins Trainingslager nach Spanien fuhr er gar nicht erst mit. Zu allem Übel musste er sich zu Beginn des Jahres auch noch einer Ohr-Operation unterziehen. Immerhin: Inzwischen kann er wieder trainieren. Ein Einsatz in der Bundesliga ist allerdings in ganze weite Ferne gerückt.

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