Lukas Kwasniok (Foto: picture alliance/Oliver Dietze/dpa)

"Es ist möglich, einen fünften Favoriten zu schlagen"

  05.03.2020 | 13:03 Uhr

Das Ziel Aufstieg steht beim Regionalligisten 1. FC Saarbrücken über allem. Jetzt kommt der DFB-Pokal mit einem historischen Erfolg dazwischen. Für FCS-Trainer Lukas Kwasniok ist klar: Das muss auch mal gefeiert werden. Und die Pokalreise soll weitergehen.

Beim FCS schwebt man immer noch ein bisschen auf Wolke 7: Es war ein epischer Pokalabend im Hermann-Neuberger-Stadion - ein Abend wie ihn Fußballfans lieben. Der Underdog aus der Regionalliga warf den Bundesligisten Düsseldorf aus dem Pokal und zieht als erster Viertligist überhaupt ins Halbfinale des DFB-Pokals. Die Entscheidung fiel erst im dramatischen Elfmeterschießen, in dem FCS-Torhüter Daniel Batz mit fünf gehaltenen Elfmetern in einem DFB-Pokalspiel einen weiteren historischen Rekord aufstellte.

"... dann musst Du feiern"

Trotz dem Fokus des FCS auf die Liga und dem anvisierten Aufstieg ist für Cheftrainer Lukas Kwasniok klar, dass seine Mannschaft sich nach diesem Abend eine kurze Auszeit verdient hat: "Wenn Du was Historisches erreichst, dann musst Du feiern. Du musst es ausleben. Du musst es auslassen", sagte Kwasniok am Mittwochabend im Sportschau-Club im Ersten. Die Sendung war nach dem überraschenden Erfolg umgestellt worden, um den Pokalabend noch einmal Revue passieren zu lassen.

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Der Sportschau Club mit Lukas Kwasniok
Lukas Kwasniok, Trainer des 1. FC Saarbrücken, ist zu Gast bei Alexander Bommes im Sportschau Club.

Eine ruhige Ansprache als Motivation

Wie war Saarbrücken in dieses Spiel gegangen - insbesondere mit dem Wissen, dass man zuvor schon einen Erst- und zwei Zweitligisten das Fürchten gelehrt hat? Kwasniok selbst sagte, seine Ansprache vor dem Spiel sei eher ruhig gewesen: "Ich habe versucht, der Mannschaft Vertrauen mit auf den Weg zu geben - und das ist offensichtlich ganz gut gelungen." Es sei klar gewesen, dass man sich dem Gegner komplett würde anpassen müssen. "Wir haben gewusst: Früher oder später werden wir nur noch das eigene Tor verteidigen. Deswegen haben wir schon eine andere Ausrichtung gewählt als in der Liga", so Kwasniok.

"Jetzt brennt nichts mehr an. - Irrtum!"

Der Plan ging zunächst auf: Quasi mit der ersten eigenen Torchance ging der FCS nach rund 30 Minuten in Führung - und versuchte dann, die Null zu halten. Bis zur 90. Minute funktionierte das - auch dank Daniel Batz, der zu diesem Zeitpunkt bereits einen Elfmeter gekillt hatte. Für Kwasniok war es ein Wechselbad. Als Batz den Elfmeter hielt, habe er noch gedacht: "Jetzt haben wir alles überstanden. Jetzt brennt nichts mehr an. Irrtum!" Der späte Gegentreffer kurz darauf sei dann ein Tiefschlag gewesen. "In dem Moment war es schon so, dass man die ersten zwei Minuten nach dem Gegentor völlig desillusioniert war", so Kwasniok. "Es war ganz, ganz wichtig, dass in der Phase nichts passiert ist."

Die Verlängerung überstand der FCS - hatte sogar die besseren Chancen. Die Entscheidung fiel aber - wie bereits gegen Karlsruhe - erst im Elfmeterschießen. Und hier drehte Batz so richtig auf. "Das sieht man an der Körpersprache. Er war irgendwann in so einem Flow", so Kwasniok. Und er habe sich letztlich auf seinen Torwart-Instinkt verlassen müssen. Unmittelbar vorm Elfmeterschießen habe er zwar alle Informationen über die geplanten Schützen erhalten, sagte Kwasniok. "Aber irgendwann wurde es natürlich der sechste, siebte, achte Schütze - da hat er dann keine Infos mehr gehabt." Und dann doch zwei Mal einen Matchball der Düsseldorfer abgewehrt.

Bayern, Bayer oder die Eintracht? Egal.

Wie geht es nun weiter? Im Pott sind noch Bayern München, Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt - die Auslosung ist am Sonntag. Wenn es nach Kwasniok geht, setzt der FCS seine Pokalreise bis nach Berlin fort: "Wir haben jetzt vier Favoriten geschlagen. Ich glaube, es ist möglich, auch noch einen fünften zu schlagen."

Dazwischen wartet aber die Pflicht - und die heißt Regionalliga mit der klaren Mission Aufstieg. "Saarbrücken will hoch. Saarbrücken muss hoch", so Kwasniok. Ansonsten hätte man auch nicht als Tabellenführer den Trainer gewechselt, wie es der FCS kurz vor der Winterpause getan hat. Kwasniok verwies in dem Zusammenhang darauf, dass auch sein Vorgänger Dirk Lottner Anteil an der Pokalhistorie habe.

"Die Mannschaft wird am Samstag marschieren"

Jetzt müsse man sich aber wieder auf Samstag und die Partie gegen Astoria Walldorf konzentrieren. Kwasniok vertraut aber auf seine Spieler, dass sie das richtig angehen: "Ich habe meine Mannschaft so kennengelernt, dass ich überzeugt davon bin: Die wird am Samstag marschieren. Wenn nicht, helfe ich ihnen ein wenig dabei."

Über dieses Thema berichtete auch der aktuelle bericht am 04.03.2020.

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