Kommentar zur Baustelle Ludwigspark: "Die Stadionbauer haben sich verdribbelt"

"Die Stadionbauer haben sich verdribbelt"

Ein Kommentar von Thomas Gerber   17.02.2020 | 08:57 Uhr

Bereits seit fünf Jahren wird am Ludwigsparkstadion gebaut. In dieser Zeit sind die Kosten von ursprünglich geplanten 16 Millionen auf derzeit 46,5 Millionen gestiegen. Dabei war von Anfang an klar, dass die ursprüngliche Summe ein reines Phantasieprodukt war, kommentiert SR-Reporter Thomas Gerber.

46,5 Millionen - was hätte man damit alles machen können!? Kindergärten, Straßen, Brücken, Schulen sanieren nun fließt so viel Kohle in ein Stadion für einen Noch-Viertligisten. Die grundsätzliche Kritik an dem Projekt ist nachvollziehbar. Aber es gab irgendwann nun mal die demokratische politische Mehrheit für den Arenabau.

Das GuMo-Mobil zu Gast im Ludwigsparkstadion
Der Ludwigspark nach genau fünf Jahren Bauzeit

Dass eine ähnliche Summe in den Bau des Vierten Museumspavillons geflossen ist, auch das schmeckte bei Weitem nicht allen im Land. Trotzdem wurde der braune Kasten hingestellt. Eingefleischte FCS-Fans können das genauso wenig nachvollziehen wie Kulturbeflissene den neuen Ludwigspark. Ob beides tatsächlich notwendig ist, es kommt wohl auf die Perspektive an.

Aber wenn sich ein Land und seine Landeshauptstadt immer nur kleinreden, brauchen wir uns nicht über Abwanderung von Hochschulabsolventen zu beschweren. Stadion und Pavillon sind weiche Ansiedlungsfaktoren. Sie können sich bezahlt machen.

Künstlich billig gerechnet

Der wahre Skandal liegt denn auch nicht im Bauen an sich sondern im Wie. Die Kosten explodieren, häppchenweise wird die staunende Öffentlichkeit in Kenntnis gesetzt. Bei beiden Projekten war dabei von Anfang an klar, dass die ursprünglichen Summen reine Phantasieprodukte waren. Der Pavillon war nie für neun, das Stadion nie für 16 Millionen zu realisieren.

Es wurde künstlich billig gerechnet, um der gespaltenen öffentlichen Meinung und den Gremien die Megaprojekte schmackhaft zu machen. Hinzu kamen und kommen persönliche aber auch fachliche Unzulänglichkeiten, auch politische Interessen.

Beim Spatenstich fürs Museum verkaufte uns die damalige Ministerin für dumm. Kosten wurden von AKK benannt und nicht beziffert, wofür sie sich später halbherzig entschuldigte. Beim Stadion ging wahlkampfbedingt Innenminister Bouillon dazwischen, stoppte den Generalunternehmervertrag.

Aufarbeitung und Regressforderungen

Inzwischen aber ist klar: im Wust der Einzelgewerke haben sich die Stadionbauer verdribbelt. Der LuPa zieht sich in die Länge, wäre mit einem Generalunternehmer vermutlich schon bespielbar und nicht teurer geworden. Zumal Unternehmen den Bauboom und schön kapitalistisch ihre Marktmacht ausnutzen.

Auf der Baustelle ist einiges schief gelaufen die Höhe der Victors-Tribüne war unterschätzt worden, Larven fressen den heiligen Rasen auf, Betonpfeiler waren ein bisschen verrückt, Arrestzellen wurden ebenso vergessen wie Regieraum und Kühlzellen. Und das obgleich man einen durchaus renommierten Stadionbauer engagiert hat. Das schreit nach Aufarbeitung und Regress – den muss die Stadt fordern, das ist sie dem Steuerzahler schuldig.

Immerhin: Neu OB-Conradt scheint den Schuss gehört zu haben. Bei den Fans war er als Baustopp-Uwe verschrien und als CDU-Stadtrat auch nicht ganz unschuldig am Desaster. Inzwischen aber ist Conradt durchaus ein Lichtblick, er stellt sich den Fans, ist um Transparenz bemüht und anders als andere benennt er die Kosten nicht nur sondern beziffert sie auch.

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