Torwart Florian Müller (Foto: dpa/Arne Dedert)

"Man muss jedes Tor persönlich nehmen"

Das Interview führte Kai Forst   01.09.2018 | 08:30 Uhr

Mit 20 Jahren ist Florian Müller der jüngste Torhüter der Bundesliga. In dieser Saison hält der Saarländer als Stammkeeper den Kasten von Mainz 05 sauber. Sein Trainer Sandro Schwarz bescheinigt ihm ein Riesentalent. Jetzt fehle im nur noch "die absolute Besessenheit".

SR.de: Herr Müller, erst einmal einen doppelten Glückwunsch: Sie sind die neue Nummer eins im Mainzer Tor. Und haben zum Saisonauftakt gegen den VfB Stuttgart drei Punkte eingefahren und die Null gehalten.

Florian Müller: Danke. Ja, viel besser hätte es zu Beginn nicht laufen können. Auch mit dem Pokalsieg gegen Aue. Gegen Stuttgart haben wir eine vernünftige Leistung gezeigt. Es ist ein guter Start, auf den wir aufbauen können und durch den wir Selbstvertrauen mitgenommen haben für die nächsten Wochen.

SR: Sie sind die jüngste Nummer eins der Bundesliga. War Ihnen das bewusst?

Müller: Nein. Mir war bewusst, dass ich relativ jung bin. Aber ich habe mich nicht wirklich damit beschäftigt.

SR.de: Hinter Ihnen liegt ein interner Dreier-Konkurrenzkampf. Hat Sie die Entscheidung des Trainers überrascht oder haben Sie damit gerechnet? Immerhin standen Sie am Ende der vergangenen Saison schon ein paar Mal zwischen den Pfosten.

Müller: Überrascht würde ich nicht sagen. Aber damit gerechnet habe ich auch nicht. Ich habe einfach versucht, mich so gut es geht zu zeigen und den Trainer zu überzeugen.

SR: Hat Sandro Schwarz die Entscheidung zu Ihren Gunsten im Team begründet?

Müller:  Wir haben alle Einzelgespräche mit dem Trainer und dem Torwarttrainer geführt. Da wurde die Entscheidung dann auch begründet. Da will ich aber nicht ins Detail gehen.

Zur Person

Florian Müller wurde 1997 in Saarlouis geboren. Mit dem Fußball begann er beim FV Lebach, bevor er in die Jugendabteilung des 1. FC Saarbrücken wechselte. Mit 15 Jahren wechselte er nach Mainz, wo er im Fußball-Internat alle Abteilungen durchlief. Im Oktober 2015 spielte er zum ersten Mal die U-19 des DFB. In der vergangenen Saison stand er für einige Spiele zum ersten Mal in der Bundesliga auf dem Platz. In dieser Saison ist er der Stammtorhüter beim FSV Mainz 05.

SR.de: Kurz danach sagte der Trainer, Ihnen fehle noch diese absolute Besessenheit, die ein Weltklassetorhüter braucht.

Müller: Ich bin eher der ruhigere Typ. Abseits des Platzes bin ich jemand, der eher ein wenig zurückhaltend ist. Auf dem Feld ist das schon ein bisschen anders. Da gehe ich auch schon aus mir raus. Aber ich bin jetzt nicht der völlig Verrückte, sondern versuche immer relativ cool zu bleiben. Das hat Vorteile, hat aber auch Nachteile. Und da muss ich noch dran arbeiten.

SR.de: Wie arbeitet man an so etwas?

Müller: Ja, das ist schwierig. Das ist eher was Mentales. Man muss jedes Tor im Training persönlich nehmen und es nicht über sich ergehen lassen. Man muss sich aufregen anstatt die Dinge einfach hinzunehmen.

SR.de: Und vielleicht ein paar alte Videos von Olli Kahn anschauen?

Müller: (lacht). Das wäre vielleicht auch eine Option, ist aber eher nicht so mein Ding.

SR.de: Die Mannschaftskollegen im Training vielleicht mal beißen?

Müller: (lacht). Das kommt glaube nicht mehr so gut an.

SR.de: Mainz ist inzwischen Ihre zweite Heimat. Sie spielen dort schon seit der B-Jugend.

Müller: Ja. Ich bin mit 15 von der U-16 des 1. FC Saarbrücken nach Mainz in die U-17 und bin dort dann ins Internat.

SR.de: Wo sie ja mit 21 mit Sicherheit heute nicht mehr leben.

Müller: Nein, ich bin dort mit 18 ausgezogen und habe seit drei Jahren meine eigene Wohnung in Mainz. Hier lässt es sich sehr angenehm und unaufgeregt leben.

SR.de: Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch.

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