FCS Fans im Stadion (Foto: Imago/BeckerBredel)

FCS empfängt 15.000 Zuschauer ohne 3G-Kontrollen

Kai Forst   03.11.2021 | 12:25 Uhr

Beim ausverkauften Heimspiel des 1. FC Saarbrücken gegen den 1. FC Kaiserslautern wird es keine 3G-Kontrollen für die Zuschauer geben. Möglich macht das die Corona-Verordnung des Landes. Für Corona-Experten und Mediziner eine falsche Entscheidung.

Während die übrigen Fußball-Proficlubs in Deutschland aufgrund der entsprechenden Verordnungen ihrer Bundesländer auf 3G- oder sogar 2G-Regelungen setzen, um ihre Stadien wieder auszulasten, empfängt der Drittligist 1. FC Saarbrücken bei seinem Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern am Samstag 15.500 Zuschauer ohne jegliche Kontrollen.

"Ein Fest nicht nur für die Anhänger, sondern auch das Virus"
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 03.11.2021, Länge: 02:36 Min.]
"Ein Fest nicht nur für die Anhänger, sondern auch das Virus"

Möglich macht das die Corona-Verordnung des Saarlandes, die besagt, dass bei Freiluft-Veranstaltungen keine 3G-Regelungen notwendig sind. Entsprechend hat der FCS am Mittwoch bekannt gegeben, dass dies künftig auch bei Spielen im Ludwigspark-Stadion gelte.

Eine Ausnahme bilde lediglich der sogenannte "Businessbereich" mit ein paar hundert Plätzen. Dieser schließe eine Zusammenkunft in geschlossenen Räumen ein. Für diesen Bereich werde man entsprechende Kontrollen am Einlass durchführen.

Ein FCS-Sprecher teilte zudem mit, dass der Verein zunächst eine Beibehaltung der 3G Regelung in Erwägung gezogen hatte. Allerdings sei dies beim Spiel gegen den FCK aufgrund der Brisanz des Derbys nicht umsetzbar gewesen. Die Kontrollen hätten unweigerlich zu langen Schlangen in den Eingangsbereichen geführt. Dies müsse aber aus Sicherheitsgründen vermieden werden, um ein Aufeinandertreffen der verfeindeten Fanlager zu vermeiden.

Landesregierung sieht es unkritisch

Die saarländische Landesregierung, die das mit ihrer Corona-Verordnung möglich macht, hält mit Blick auf die bundesweit steigenden Inzidenzen das Zusammenkommen von Menschenmengen dieser Größenklasse für unbedenklich.

Auf SR-Anfrage, ob ein Drittligaspiel mit mehr als 15.000 Zuschauern gleichzusetzen sei mit einem Martinsumzug mit 100 Personen, teilte das Sozialministerium mit, dass das Saarland die zweitniedrigste Inzidenz aller Länder habe bei der gleichzeitig zweithöchsten Impfquote. „Zudem ist das Risiko, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren, im Freien geringer als in geschlossenen Räumen“, heißt es in der Antwort.

Kritik von Corona-Experten

Ganz anders sieht das der Saarbrücker Pharmazie-Professor und Corona-Experte Thorsten Lehr. Für ihn handelt es sich um eine „gewagte und falsche Entscheidung“. Neben den derzeit bundesweit steigenden Infektionszahlen habe beispielsweise auch die Fußball-EM gezeigt, „dass es selbst bei 3G-Regelungen und vollen Stadien zu massiven Übertragungen rund um die Fußballspiele gekommen ist.“

Das sei bei geringeren Schutzmaßnahmen auch im Saarland zu erwarten. Zudem entfalle dadurch auch der Anreiz der Impfung.

"Wahrscheinlichkeit der Übertragung ist höher"

Auch die Tatsache, dass die saarländische Landesregierung Freiluftveranstaltungen wie ein Fußballspiel mit 15.000 Menschen und einen Martinsumzug gleichsetzt, sieht Lehr kritisch. „In einem Stadion werden Abstände weniger eingehalten, es wird vermehrt Alkohol konsumiert und es wird laut artikuliert, d.h. gesungen und angefeuert. Hier ist die Wahrscheinlichkeit der Übertragung um ein vielfaches höher, als bei einer kleineren Veranstaltung im Freien.“

Ärztekammer: "Nicht nachzuvollziehen"

Deutliche Kritik kommt auch von der saarländischen Ärztekammer. „In Anbetracht der steigenden Infektionszahlen und der zunehmenden Belastung der Krankenhäuser und Intensivstationen sind Großveranstaltungen ohne Nachweis der 3G-Regel nicht nachzuvollziehen. Eine Kontrolle des Impfstatus oder ein negativer Testnachweis muss organisatorisch möglich sein“, sagte Kammer-Präsident Josef Mischo dem SR.

Das Spiel des 1. FC Saarbrücken gegen den 1. FC Kaiserslautern ist nach Vereinsangaben bereits ausverkauft. Somit werden am Samstag rund 15.500 Menschen im Ludwigsparkstadion die Partie verfolgen. Es ist das erste Großevent im Saarland, das weitgehend ohne Coronabeschränkungen stattfindet.

Der SR überträgt die Partie am Samstag ab 14.00 Uhr live im TV und im Stream.

Kommentar

Thomas Gerber kommentiert die Entscheidung für das FCS-Spiel ohne 3G-Kontrollen.

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