Training des 1. FC Saarbrücken,  Nino Miotke, Jos Pierre Vunguidica und Tobias Jänicke mit Stephan Andrist (Foto: Imago Images/Jan Hübner)

FCS muss in Quarantäne

  03.06.2020 | 12:27 Uhr

Für den 1. FC Saarbrücken beginnt die heiße Phase der Vorbereitung auf das Pokal-Halbfinale gegen Bayer Leverkusen. Das bedeutet auch: Ab heute geht es in Quarantäne. So sehen es die Hygienebestimmungen vor. Trotz zahlreicher Wettbewerbsnachteile fiebert das Team dem Saisonhöhepunkt entgegen.

Auch wenn die Umstände gar nicht ungünstiger sein könnten, will der 1. FC Saarbrücken sein modernes Fußball-Märchen fortschreiben. Die Lust auf das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Bayer Leverkusen ist trotz späterem Trainingsstart, fehlender Spielpraxis und ausgeschlossener Fans riesig.

 "Für uns gibt es nur dieses Highlight"

Vor Pokal-Halbfinale: FCS muss vorsorglich in Quarantäne
Audio [SR 3, Frank Grundhever, 03.06.2020, Länge: 00:33 Min.]
Vor Pokal-Halbfinale: FCS muss vorsorglich in Quarantäne

"Die Vorfreude ist die ganze Zeit schon da. So langsam wächst aber auch die Anspannung", sagte Trainer Lukas Kwasniok vor dem Einzug ins Quarantäne-Hotel am Mittwoch. Mittelfeldspieler Tobias Jänicke fügte hinzu: "Alle fiebern dem Spiel entgegen. Das wirft hier seine Schatten schon lange voraus. Für uns gibt es seit Wochen nur noch dieses eine Highlight."

Auf dem Weg zu diesem Höhepunkt haben die Saarländer längst Geschichte geschrieben, als erster Viertligist gelang über die Stationen Jahn Regensburg, 1. FC Köln, Karlsruher SC und Fortuna Düsseldorf der Einzug ins Halbfinale.

"Unser größter Gegner ist die Furcht"

Nun wollen die Sensationskicker mehr. "Leverkusen ist mit Sicherheit nochmal ein anderes Kaliber als unsere bisherigen Pokalgegner. Aber es ist nicht so, dass Leverkusen unser größter Gegner ist, sondern die Furcht. Wenn wir die ablegen können, bin ich guten Mutes, dass uns die nächste Sensation gelingen kann", sagte Kwasniok.

Zahlreiche Nachteile

Den Weg dahin erschweren allerdings zahlreiche Wettbewerbsnachteile. Nach dem Abbruch der Regionalliga Südwest und dem Drittliga-Aufstieg am grünen Tisch fehlt den Saarbrückern anders als Bayer jegliche Spielpraxis, das letzte Pflichtspiel wird am kommenden Dienstag (20.45 Uhr/ARD) bereits 94 Tage her sein. "Wir werden uns in den ersten 15 Minuten an das Gefühl gewöhnen müssen, überhaupt wieder ein Spiel zu haben. Insofern hoffen wir, dass wir die ersten 15, 20 Minuten schadfrei überstehen und uns dann nach und nach in dieses Spiel reinbeißen", sagte Kwasniok.

Zusätzlich zur fehlenden Wettkampfpraxis durfte der FCS als Amateurklub auch erst vier Wochen nach seinem Widersacher ins kontaktlose Kleingruppentraining zurückkehren, der Start ins Mannschaftstraining erfolgte mit zweiwöchiger Verspätung erst Mitte Mai. Auch die treuen Fans, die einen großen Anteil am historischen Siegeszug hatten, müssen nun zuschauen. Als letztes Faustpfand bleibt nur noch die Dorfplatzatmosphäre am Ausweichspielort in Völklingen.

 "Wenn man ehrlich ist, haben wir keine Chance", sagte Tobias Jänicke angesichts der ganzen Nachteile: "Doch auch wenn die Chance verschwindend gering ist, wollen wir sie doch nutzen." Für Kwasniok wäre ein erneuter Erfolg in Anspielung auf Vize-Präsident Dieter Ferner, der den Sieg im Viertelfinale gegen Düsseldorf als "größte Sensation seit Christi Geburt" bezeichnet hatte, sogar mit der "Wiedergeburt Jesu Christi" gleichzusetzen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 03.06.2020 berichtet.

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