Fans des 1. FC Saarbrücken im Völklinger Stadion (Foto: Imago Images/Jan Hübner)

Schafft der FCS die nächste Pokalsensation?

Kai Forst   29.10.2019 | 09:45 Uhr

Erst Jahn Regensburg, nun der 1. FC Köln? Der 1. FC Saarbrücken will heute den nächsten großen Coup im DFB-Pokal landen. Die Hoffnung ist groß, die Chance auf ein Weiterkommen eher gering. Doch FCS-Coach Lottner hält es mit einer alten Fußballer-Weisheit: "Im Pokal ist alles möglich."

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze – so ziemlich jeder Fußballfan aus dem Saarland wird sich an diese Fußballfloskel klammern, wenn es am Dienstag heißt: David gegen Goliath, Regionalliga gegen Bundesliga oder krasser Außenseiter gegen klaren Favoriten. Dass der 1. FC Saarbrücken Fußballwunder vollbringen kann, haben die Malstatter bereits in der 1. Runde des DFB-Pokal unter Beweis gestellt, als sie den Zweitligisten Jahn Regensburg in einem wahren Krimi erst in der Nachspielzeit mit 3:2 bezwangen.

Video [aktueller bericht, 28.10.2019, Länge: 3:07 Min.]
Der 1. FC Saarbrücken vor dem DFB-Pokal

Nun also Köln und damit ein Gegner, der nochmal eine Nummer größer ist. Auch wenn es bei den Rheinländern in der Liga derzeit noch nicht rund läuft. Mit sieben Punkten aus neun Spielen steht die Mannschaft von Trainer Achim Beierlorzer derzeit auf Platz 16 der Tabelle. Am Wochenende musste man eine bittere 1:3-Pille gegen den direkten Tabellennachbarn Mainz schlucken.

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Gelingt dem FCS die Pokalsensation gegen Köln?

Logos des 1. FC Saarbrücken und 1. FC Köln (Foto: SR)

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Beierlorzer: "Der FCS betreibt keinen Feierabend-Fußball"

1. FC Saarbrücken vor DFB-Pokal-Spiel gegen 1. FC Köln
Audio [SR 1, Thomas Wollscheid, Daniel Simarro, 28.10.2019, Länge: 03:35 Min.]
1. FC Saarbrücken vor DFB-Pokal-Spiel gegen 1. FC Köln

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Beierlorzer sein Team am Dienstag kräftig durchrotieren lässt. Vor allem im Angriff wird es sicherlich Veränderungen geben. Dass Simon Terodde als einzige Spitze beginnen und Jhon Cordoba und Anthony Modeste beide auf der Bank sitzen werden, ist unwahrscheinlich. Gleichzeitig gibt sich der FC-Coach vorsichtig und warnt vor dem Underdog: "Saarbrücken ist keine normale Regionalliga-Mannschaft. Die betreiben keinen Feierabend-Fußball. Die Spieler sind Profis, haben Bundesliga- oder Zweitliga-Erfahrung und eine große Qualität in der Offensive", sagte Beierlorzer mit Blick auf die gute Form des Gegners.

Und in der Tat: Derzeit läuft es beim 1. FC Saarbrücken. Aus 18 wettbewerbsübergreifenden Spielen ging man 16 Mal als Sieger vom Platz, bei einer Niederlage und einem Remis. In der Regionalliga führen die Blau-Schwarzen mit acht Punkten Vorsprung die Tabelle an und planen fest mit dem Aufstieg in die 3. Liga.

Lottner gegen Herzensverein

FCS gegen Köln: Früher frei dank DFB-Pokal
Audio [SR 1, (c) SR/Christian Balser und Kerstin Mark/Franz Johann, 29.10.2019, Länge: 02:03 Min.]
FCS gegen Köln: Früher frei dank DFB-Pokal
SR-Reporter Franz Johann hat mit Völklingern gesprochen, wie sie dem Spiel entgegenstehen.

All das dürfte Spielern und Trainer Selbstvertrauen geben. Dennoch bleibt Trainer Dirk Lottner gelassen und weiß die Chancen seines Teams richtig einzuschätzen. Es müsse alles zusammenkommen, um die nächste Runde zu erreichen. Nichtsdestotrotz bleibt die Partie ein Traumlos für den gebürtigen Kölner, der in seiner Karriere in 161 Bundesliga- und Zweitligapartien das Dress der Geißböcke überstreifen durfte und dabei 54 Tore erzielte. Zudem lebt die Familie des 47-Jährigen noch immer in Köln.

Langfristig hat Lottner ein großes Ziel: "Ich denke, es ist legitim, als Kölner, der so lange für den FC gespielt hat, davon zu träumen, irgendwann in Köln in der Verantwortung als Cheftrainer zu stehen", sagte er dem Kölner Express.

Historische Begegnungen der beiden Clubs

"Im Pokal ist alles möglich"

Rücksicht auf die alten Freunde und seinen Herzensverein wird er im Pokal aber nicht nehmen. "Wir werden versuchen, dem 1. FC Köln wehzutun und ihn aus dem DFB-Pokal zu befördern", versprach Lottner dem Favoriten einen großen Kampf. Ein Sieg sei zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber: "Im Pokal ist alles möglich."

In der Geschichte sind beide Teams bisher 13 Mal aufeinander getroffen – zuletzt in der Zweitligasaison 2004/2005. Im Rückspiel siegten die Kölner mit 3:1. Das Hinspiel aber gewann der FCS mit 2:0 durch einen Doppelpack von Taifur Diane. Damals strömten 17.500 Fußball-Fans in den Ludwigspark. Eine Atmosphäre, von der die Spieler heute aber nur träumen dürfen. Für das Herrmann-Neuberger-Stadion in Völklingen sind 6656 Karten verkauft worden. Anstoß ist um 18.30 Uhr.

Erste Zwischenfälle vor Hochrisikospiel

Organisatorisch ist das Match gegen Köln für die Saarbrücker mit großem Aufwand verbunden. Für das Pokalhighlight musste der Verein zwei zusätzliche Flutlichtmasten anmieten, da die Anlage im Hermann-Neuberger-Stadion nicht den DFB-Richtlinien genügt. Zu dem Spiel werden außerdem rund 500 sogenannte Problemfans erwartet, die Partie fällt damit in die Kategorie "Hochrisikospiel". Der Verein hat deshalb die Zahl der Ordner erheblich erhöht. Auch die Polizei ist mit mehreren hundert Einsatzkräften vor Ort.

Mannschaftsbus des 1. FC Köln in Saarbrücken durch Schmierereien beschädigt. (Foto: Polizei Saarland)
Mannschaftsbus des 1. FC Köln in Saarbrücken durch Schmierereien beschädigt. (Foto: Polizei Saarland)

Bereits in der Nacht zu Dienstag hatte es einen ersten Zwischenfall gegeben: Vor einem Hotel in Saarbrücken wurde der Bus der Kölner Mannschaft mit Farbe besprüht. Die Polizei geht außerdem Hinweisen auf Lärmbelästigung nach: In der Nähe des Hotels sollen in der Nacht Böller abgefeuert worden sein, um die Nachtruhe der Kölner Mannschaft zu stören.

Da die Partie ausverkauft ist, empfehlen Polizei und Verein den Zuschauern eine frühe Anreise und das Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel. Wer doch im eigenen Pkw kommt, soll laut Polizei Ausweichparkplätze etwa am Otto-Hemmer-Platz oder am Hindenburgplatz nutzen.

Einen Liveticker zum Spiel gibt es unter sportschau.de.

Über dieses Thema wurde auch im aktuellen bericht vom 27.10.2019 und in den SR-Hörfunknachrichten vom 29.10.2019 berichtet.

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