1. FC Saarbrücken, Trainer Lukas Kwasniok (Foto: Imago Images/Jan Huebner)

Hoffen auf das Pokal-Wunder

Kai Forst   09.06.2020 | 06:21 Uhr

Je zwei Erst- und Zweitligisten hat der 1. FC Saarbrücken bereits aus dem DFB-Pokal gekegelt. Heute soll mit Bayer Leverkusen der nächste große Brocken ausgeschaltet und damit der Einzug ins Finale realisiert werden. Doch die Vorzeichen sind andere als bei den vorherigen Pokal-Sensationen.

Es ist bereits jetzt eine außergewöhnliche Saison für den 1. FC Saarbrücken. Durch den coronabedingten Abbruch der Regionalliga steht der FCS frühzeitig als Meister und somit Aufsteiger in die 3. Liga fest. Auch im DFB-Pokal hat der Verein Geschichte geschrieben und steht als erster Viertligist überhaupt im Halbfinale.

Video [aktueller bericht, 08.06.2020, Länge: 4:33 Min.]
Vorbereitung des 1. FC Saarbrücken auf das DFB-Pokal-Halbfinale

"Gut, dass wir die Bayern erst im Finale haben"

Halbfinale: Strenge Sicherheitsmaßnahmen auch für die Reporter
Audio [SR 3, Kollegengespräch Michael Friemel / Thomas Wollscheid, 09.06.2020, Länge: 05:40 Min.]
Halbfinale: Strenge Sicherheitsmaßnahmen auch für die Reporter

Heute um 20.45 Uhr soll in Völklingen (Fernseh-Liveübertragung im Ersten ab 20.15 Uhr) das Märchen gegen den Tabellenfünften der Bundesliga, Bayer Leverkusen, fortgeschrieben werden. Finale – so lautet das Ziel. Den Humor hat FCS-Trainer Lukas Kwasniok ob der schweren Aufgaben jedenfalls nicht verloren. Auf die Frage, ob er mit seiner Mannschaft am Wochenende das Spiel Leverkusen gegen Bayern verfolgt habe, antwortete der 38-Jährige im dpa-Interview mit einem Schmunzeln. "Den nächsten und den übernächsten Gegner in einem Spiel beobachten zu können, ist schon eine geile Sache. Gut, dass wir die Bayern erst im Finale haben."

Die Chancen gegen den Bundesligisten schätzt Kwasniok dennoch realistisch ein. "Wir bleiben demütig, aber selbstbewusst: Von 100 Spielen gegen Leverkusen verlieren wir 99. Aber wir wollen den 9. Juni zum Feiertag im Saarland machen".

Mangelnde Spielpraxis und fehlende Fans

Doch die Vorzeichen sind andere als bei den Überraschungssiegen gegen Jahn Regensburg, den 1. FC Köln, den Karlsruher SC und Fortuna Düsseldorf. Aufgrund der Corona-Pandemie hat Saarbrücken seit drei Monaten kein Spiel absolviert. Es fehlt also jegliche Spielpraxis. Und auch wie es um den Fitnesszustand der Spieler steht, weiß nur der Trainer. Immerhin erfolgte der Start ins Mannschaftstraining erst Mitte Mai. Zuvor hatten sich die Spieler individuell zu Hause fit gehalten.

Für Kwasniok ist das "grundsätzlich schon" ein Nachteil: "Aber in einem Spiel spielt das keine große Rolle. Da kommt nach 60 Minuten das Adrenalin dazu und pusht dich durch das Spiel." Auf der anderen Seite stehen voll austrainierte Bundesligaprofis, die schon wesentlich länger im Training sind und die nach der Coronapause bereits fünf Bundesligaspiele absolviert haben.

"Wollen Sport-Geschichte schreiben"

Ein bedeutender Nachteil dürften auch die fehlenden Fans im anstehenden Geisterspiel im Völklinger Herrmann-Neuberger-Stadion sein. Sie hatten bei den Pokalfights stets wie eine Wand hinter ihrem Team gestanden. Das weiß auch Coach Kwasniok: "Wir haben unseren zwölften Mann verloren. Wir müssen es mit elf gegen elf richten", sagte der Trainer: "Aber die Rahmen-Bedingungen sind vielleicht noch ein bisschen ungewöhnlicher."

Insgesamt sieht Kwasniok bei seinem Team "viele kleine Vorteile", die am Ende zum großen Coup führen sollen. Das Stadion, die Rahmenbedingungen, die Außenseiterrolle oder die Tatsache, dass Leverkusen drei Tage vor dem Spiel gegen FCS gegen Bayern München spielen musste - das alles lässt Kwasniok auf das Fußballwunder hoffen. "Wir haben als erster Viertligist im Halbfinale Vereins- und Fußball-Geschichte geschrieben. Jetzt wollen wir Sport-Geschichte schreiben."

GuMo-Mobil
Vor dem Pokalschlager FCS gegen Leverkusen
Zum größten Leidwesen der FCS-Fans dürfen sie nicht im Stadion dabei sein. Einer, der nichts lieber getan hätte, als heute das Spiel aus nächster Nähe zu gucken, ist FCS-Fan Bernd aus Schwarzenholz. GuMo-Mobil-Reporter Uwe Jäger trifft ihn vor dem größten Spiel der vergangenen 30 Jahre.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 09.06.2020.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja