Shanaz Bukhari und Jeanette Schweizer beim Yoga. (Foto: The Yogastate / Stella Costa)

Yoga: Auf einer Reise zu sich selbst

Leonie Rottmann   10.03.2019 | 10:09 Uhr

Yoga ist in den vergangenen Jahren in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Auch in Saarbrücken haben sich viele Yogalehrer niedergelassen, um ihre Praktiken weiterzugeben. Innerhalb des üppigen Angebots gehen die Kenntnisse und Erfahrungen der Lehrer aber deutlich auseinander.

Yoga soll uns entspannen, innere Kraft schöpfen lassen und mit den Gedanken zur Ruhe bringen. Dass Yoga das kann, ist wissenschaftlich längst bewiesen – aber dafür braucht es einen guten Lehrer. Da der Beruf des Yogalehrers allerdings keine geschützte Berufsbezeichnung ist, kann sich generell erstmal jeder so nennen und unterrichten, auch ohne eine ausreichende Ausbildung gemacht zu haben.

Jeanette Schweizer und Shanaz Bukhari haben vor einiger Zeit mit "The Yogastate" ihr eigenes Yoga-Studio in Saarbrücken eröffnet. Die beiden haben lange nach einem Ort und einem Ausbilder gesucht, an dem sie selbst lernen konnten. "Es gibt Angebote in Saarbrücken, aber die sind oft sehr eingeschränkt und es gibt kaum richtige Studios mit einem stabilen, regelmäßigen und umfassenden Angebot", sagt Shanaz Bukhari.

Der Atem ist der Freund und Helfer

Wer sich auf die Suche nach einem geeigneten Yogastudio begibt, muss sich zuerst umfassend mit dem scheinbar unendlichen Feld auseinandersetzen. Jeanette Schweizer erklärt, es gebe unzählige verschiedene Stile und Herangehensweisen, die aber im Grunde alle das gleiche Ziel verfolgen: "Die Menschen auf ihrem Weg begleiten, die Balance in allen Ebenen des Seins zu finden."

"Yoga ist ein Selbststudium durch das Einnehmen der verschiedenen Positionen, den Atem und die eigenen Gedanken", erzählt Shanaz Bukhari weiter. Man muss selbst auf die Matte gehen, selbst anfangen zu üben und sich selbst reflektieren. Es gehe darum, auf angenehme Weise Antworten auf existenzielle Fragen zu bekommen, nach denen sich jeder Mensch sehnt: Wer bin ich? Was soll das hier? Warum bin ich hier? "Auf dem Weg zu diesen Erkenntnissen ist der Lehrer gefragt."

Yoga bringt Veränderungen

Meistens würden daraufhin massive Veränderungen im Lebensstil erfolgen. Auch bei Jeanette Schweizer selbst: "Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass ich kein Fleisch brauche. Deswegen esse ich es nicht mehr." Die Yogalehrerinnen sehen nur einen einzigen Nachteil im Yoga. "Man ist irgendwann nicht mehr so systemkonform und stellt die Gesellschaft in Frage, der man ausgeliefert ist", sagt Shanaz Bukhari.

Auf dem individuellen Weg lerne man aber vor allem eins: Dass das Leben nie nur gut oder nur schlecht ist, sondern immer beide Seiten vereint und sehr intensiv ist. "Sich mit dieser Wahrheit in Frieden zu bringen, sie zu akzeptieren und glücklich zu sein – das schafft man durch Yoga."


Was für Shanaz Bukhari und Jeanette Schweizer einen guten Lehrer ausmacht

Lehrer müssen Schüler bleiben

Yoga-Lehrer sollten selbst auf die Matte gehen und weiter üben. Auch an Fortbildungen teilzunehmen sollte für Lehrer selbstverständlich sein, denn in dem Selbststudium erfährt man immer wieder neue Facetten von sich selbst. Wer aufhört, an sich zu arbeiten, kann auch Menschen nicht ausreichend darin unterstützen, sich selbst zu finden.


Transparenz

Auf der Suche nach einer Schule sollten Interessierte darauf achten, was die Lehrer für Erfahrungen gemacht und welche Referenzen sie haben. Wer nicht offen kommuniziert, wo und bei wem er gelernt hat, was die Inhalte waren und welche Ausbildungen er gemacht hat, wirkt schnell unseriös. Es gibt Vereinigungen wie die internationale "Yoga Alliance" und der nationale "BDY", die die Ausbildungen zertifizieren. Wer eins dieser Zertifikate trägt, hat zumindest in mehreren hundert Stunden die Grundlagen gelernt.


Bremsen und Anschubsen

Das erste, was ein Schüler lernen sollte, ist achtsam mit sich selbst zu sein. Ein guter Yoga-Lehrer muss erkennen, ob er seinen Schüler vor seinem Ehrgeiz bremsen muss oder ob er träge ist und er einen kleinen Schubs braucht. Es geht nicht um irgendeine Leistung, sondern der Schüler soll selbst herausfinden, was er braucht, um in seine Balance zu kommen. Geübt wird nach dem Motto: „Du steigst auf diese Matte und schaust dir selbst ins Gesicht. Du bist hier und du atmest – das reicht.“


Kernkompetenzen müssen vorhanden sein

Die Ausbilder sollten auf die Bedürfnisse und Wünsche der Schüler eingehen. Jeder übt nur so viel und so gut, wie es die Tagesform zulässt. Dabei unterstützt der Lehrer sie. Kernkompetenzen dazu sollten in der Ausbildung erlernt worden sein. Dazu zählen zum Beispiel Unterrichtsaufbau, Didaktik, Physiologie, Philosophie, Atem leiten und mit den Händen unterstützen.


Bei psychischer Vorerkrankung auf Erfahrung des Lehrers achten

Yoga ist keine Psychotherapie, sondern ein Ausgleich. Jeanette Schweizer ist auch Traumapädagogin und weist darauf hin, dass beim Praktizieren überwältigende Gefühle entstehen können. Viele Gefühle sitzen im Körper fest und werden erst wieder präsent, wenn die Spannungen gelöst sind. Daher sollten Betroffene darauf achten, dass der Lehrer sich damit auskennt, mit derartigen Situationen umgehen kann und weiß, wie er seinen Schüler im Kurs beruhigen kann.


Gefühle wollen gefühlt und nicht gedacht werden

Yoga ist eine Lebenseinstellung. "Wenn du nichts in deinem Leben verändern willst, dann mach kein Yoga", erinnert sich Jeanette Schweizer an einen Satz, den sie vor einigen Jahren gelesen hat. In der individuellen Laufbahn werde irgendwann jeder mit der Frage konfrontiert, ob er mit seinem Leben in der Form zufrieden ist.

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