Ein Stand auf einem Saarbrücker Wochenmarkt, der Eier verkauft (Foto: picture alliance/dpa | Oliver Dietze)

Wie regional sind „Regionale Produkte“ tatsächlich?

Ute Kunsmann   30.07.2022 | 11:45 Uhr

Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher greifen zu regionalen Produkte. Einerseits, um das Klima zu retten, aber auch um Frische zu genießen. Doch stammen "regionale Produkte" wirklich aus der näheren Umgebung? Worauf sollte man beim Kauf achten?

Wer Lebensmittel aus der Region kauft, erwartet frische Ware aus einem umweltfreundlichen Anbau im näheren Umfeld. Das heißt: kurze Transportwege und ein möglichst niedriger CO2-Ausstoß. Aber leider sind regionale Produkte gar nicht so einfach zu erkennen, warnen die Verbraucherzentralen. Die Begriffe  "Region" bzw. „regionale Lebensmittel“ sind gesetzlich nämlich nicht geschützt.

Ein bundesweiter Marktcheck der Verbraucherzentralen hat gezeigt, dass viele Lebensmittel, die mit „regional“, „Heimat“ oder „von hier“ beworben werden, alles andere als regional sind, sondern teilweise erhebliche Entfernungen zurücklegen.

Die Verbraucherschützer raten deshalb, auf den Etiketten oder Internetseiten der Hersteller nachschauen und auf Wochenmärkten und Verkaufsständen nachfragen.

Wie erkennt man regionale Produkte?

Es gibt verschiedene Kennzeichen und Siegel mit denen regionale Produkte gekennzeichnet sind:

Der „Eiercode“zum Beispiel weist unter anderem. auf das jeweilige Bundesland hin. Auf jedem Ei steht die für die EU einheitliche Eierkennzeichnung. Zum Beispiel steht bei „0-DE-1023456“ die „10“ für das Saarland. So lassen sich Eier aus jedem Bundesland identifizieren. Auf der Verpackung ist übrigens meist nur die Adresse des Verpackers zu finden, aber nicht die des Stalls.

„Qualitätszeichen Saarland – Gesicherte Qualität mit Herkunftsangabe“. Lebensmittel, die mit diesem Kennzeichen versehen sind, stammen nachweislich aus dem Saarland und erfüllen bestimmte Qualitätskriterien hinsichtlich der Erzeugungsmethoden und/oder der Produkteigenschaften.

„Vom SaarLANDWIRT“: Dieses Zeichen wurde vor allem für die Kennzeichnung von hochwertigen Agrarprodukten (ursprünglich Fleisch) eingeführt. Es gewährleistet, dass alle Produkte mit dieser Bezeichnung aus dem Saarland stammen und nach festgeschriebenen Richtlinien erzeugt wurden. Die Landwirtschaftskammer für das Saarland überwacht gemeinsam mit der Verbraucherzentrale die Einhaltung der Richtlinien. Viele Landwirte nutzen dieses Zeichen allerdings nicht, weil es mit Gebühren verbunden ist.

Das „Regionalfenster“  gibt Auskunft über die Herkunftsregion, den Ort der Verarbeitung, den Anteil der verwendeten regionalen Zutaten sowie die Kontrollstelle und ist deshalb eine gute Orientierungshilfe. Es zeigt die Herkunft von Lebensmitteln nach den verschiedenen Stufen. Eine Garantie für ein regionales Lebensmittel ist es allerdings nicht, weil die Produkte bundesweit vermarktet werden.

Jeder Nutzer des Regionalfensters definiert seine Region eigenständig. Die Region muss aus Sicht des Verbrauchers allerdings klar und eindeutig nachvollziehbar abgegrenzt sein, z.B. durch Landkreise, Bundesländer oder einen Kilometerradius um einen bestimmten Ort. Beispiele: „Erdbeeren aus dem Saarland“ (Bundesland: Saarland) oder  „Äpfel aus Süddeutschland" (Bundesländer: Hessen, Bayern und Baden-Württemberg).

Regionalkennzeichnungen haben teils ganz unterschiedliche Kriterien und sind vor allem freiwillig. Sie können Verbrauchern aber nützliche Hinweise geben auf den Ursprung der Rohstoffe und den Produktionsort.

Regional nicht unbedingt besser

Lebensmittel, die aus der Region stammen, sind nicht automatisch hochwertiger als Produkte aus anderen Gegenden. Bioprodukte aus dem Nachbarbundesland sind durchaus empfehlenswerter als regionales Gemüse aus beheizten Gewächshäusern. Zum Glück gibt es aber genügend Möglichkeiten, regionale und hochwertige Produkte im eigenen Land zu finden.

Einkaufsmöglichkeiten für regionale Lebensmittel

Regionale Lebensmittel bekommt man auf dem Wochenmarkt, im Dorf- und Hofladen, in Bauernläden in der Stadt oder in Bioläden. Dort können die Bauern oder Händler genau Auskunft geben, wie die Produkte angebaut wurden oder ob sie zugekauft wurden. Denn nicht alle angebotenen Lebensmittel stammen aus dem eigenen Anbau.

Regionale Produkte führen inzwischen aber auch viele Supermärkte und Discounter.  

Wer es frisch vom Bauernhof in der Nähe liebt, der findet eine Liste der Hofläden im Saarland auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer.

Inzwischen haben viele Höfe auch Milch- und Warenautomaten aufgestellt, um ihre Lebensmittel rund um die Uhr anzubieten. Auch dazu gibt es einen Überblick für das Saarland, wo solche Automaten stehen.

Im Nordsaarland, genauer der Saar-Hunsrück-Region, gibt es noch die Initiative „Ebbes von hei“. Das ist ein Zusammenschluss von Landwirten, Direktvermarktern, aber auch Gastronomen, Handwerkern, Dienstleistern und Kulturschaffenden, die „Ebbes“ für die Region tun möchten.

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